Ein analoges Thermometer vor der heißen Sommersonne | picture alliance / dpa-Zentralbi

Hitzewelle in Deutschland Neue Höchstwerte in mehreren Bundesländern

Stand: 20.07.2022 21:15 Uhr

Deutschland ächzt weiter unter extrem hohen Temperaturen: An mehreren Orten wurden mehr als 40 Grad gemessen. Sechs Bundesländer verzeichneten historische Höchstwerte. Abkühlung ist zwar in Sicht - allerdings auch schwere Gewitter.

In sechs Bundesländern sind nach vorläufigen Angaben die dort höchsten Temperaturwerte seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gemessen worden. Der Mittwoch war nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes damit auch der bislang heißeste Tag des Jahres 2022 und einer der heißesten überhaupt.

Spitzenreiter war um 15.30 Uhr Bad Mergentheim-Neunkirchen mit 40,3 Grad, wie ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sagte. Damit wurde auch die bisherige Höchsttemperatur für Baden-Württemberg von 40,2 Grad im August 2003 eingestellt, die damals in Freiburg gemessen worden war.

Mehrere Länder messen Höchstwerte

Außerdem wurden 40,1 Grad in Hamburg-Neuwiedenthal gemessen, was ein Rekord für Hamburg war, sowie 40,0 jeweils im niedersächsischen Barsinghausen-Hohenbostel und Huy-Pabstorf in Sachsen-Anhalt. In Mecklenburg-Vorpommern wurde mit 39,4 Grad ein Landesrekord in Boizenburg gemessen und in Schleswig-Holstein ein Landesrekord mit 39,1 Grad in Grambek.

Damit wurden in Deutschland außerdem erst zum zehnten Mal seit Beginn der Aufzeichnungen an einem Tag Temperaturen von mehr als 40 Grad gemessen - zuletzt war dies am 25. Juli 2019 der Fall.

Stromausfall in Baden-Baden doch nicht durch Hitze

Unterdessen wurde bekannt, dass der Stromausfall in Baden-Baden doch nicht durch die hohen Außentemperaturen verursacht wurde. In der baden-württembergischen Stadt waren Ummantelungen von Stromkabeln geschmolzen und hatten zu einem großflächigen Stromausfall geführt. Nach Angaben der Stadtwerke hatte eine defekte Kontaktstelle zwischen zwei Kabeln im Erdreich für eine größere Hitzeentwicklung gesorgt. Zuvor hatte der SWR berichtet. Etwa 10.000 Menschen waren betroffen, auch der Notruf sowie Ampelanlagen fielen aus. Im gesamten Stadtgebiet war darüber hinaus das Internet gestört, hieß es auf der Webseite der Stadtwerke.

Berlin unterstützt erste Hitzehilfe-Notunterkunft

Berlins Sozialsenatorin Katja Kipping eröffnete die erste Hitzehilfe-Notunterkunft der Stadt. Die Senatssozialverwaltung unterstütze die Einrichtung mit 100.000 Euro, sagte Kipping in der Anlaufstelle für obdachlose Menschen an heißen Tagen. Träger des Modellprojekts ist der Internationale Bund (IB). In der Notunterkunft im Stadtteil Schöneberg können sich nach Angaben der Sozialverwaltung täglich bis zu 30 wohnungslose Menschen von 10 bis 20 Uhr aufhalten, duschen und ausruhen. Sie erhielten dort Essen und Getränke sowie Kleidung und Sonnenschutzprodukte.

Die Bundesvereinigung Lebenshilfe kritisiert, dass Menschen mit Behinderungen oft nicht ausreichend vor Hitze geschützt seien. Das liege teilweise daran, dass sie in Gebäuden lebten und arbeiteten, die nicht gut genug gegen Hitze geschützt sind. Hitzeschutz sei deshalb wichtig, weil geistig eingeschränkte Menschen sich mitunter der Gefahren durch Hitze und Sonneneinstrahlung nicht bewusst oder nicht in der Lage seien, Verhaltensregeln selbstständig einzuhalten, sagte Jeanne Nicklas-Faust, Bundesgeschäftsführerin der Lebenshilfe.

Auch der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Jürgen Dusel, forderte in der Diskussion um Hitzeschutzpläne eine stärkere Berücksichtigung der Belange behinderter Menschen. So gebe es zwar auf der Internetseite vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe die Rubrik "Sicher durch den Sommer". Die entsprechenden Informationen in Leichter Sprache und Gebärdensprache fehlten jedoch. Angesichts der zunehmenden Wetterextreme warnen Mediziner vor zahlreichen Hitzetoten bei künftigen Hitzewellen.

Gewitter im Anmarsch

Am Donnerstag soll es sich bundesweit etwas abkühlen. Besonders im Westen und Südwesten Deutschlands sollte es laut DWD-Vorhersage ab dem Nachmittag Gewitter mit "lokalem Unwetterpotenzial" geben. Betroffen davon sei vor allem die Südhälfte Baden-Württembergs. Es könne zu Starkregen, schweren Sturmböen mit bis zu 100 Kilometern in der Stunde und größeren Hagelschauern kommen.

In der Nacht zu Donnerstag sollen sich die Gewitter laut DWD nach Nordosten ausbreiten. Dort sei mehrstündiger Starkregen möglich. Insgesamt nehmen die Unwetter demnach am Donnerstag ab.

Brände vielerorten

Bei zahlreichen Bränden in ganz Deutschland wurden nach Angaben von Polizei und Feuerwehr mehrere Menschen in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen verletzt und mussten in Krankenhäuser gebracht werden; Lebensgefahr bestand nicht. Nahe Alsdorf bei Aachen griff ein Feldbrand am Dienstagabend auf ein Gehöft über. Bei diesem Einsatz wurden sieben Menschen zumeist leicht verletzt, zwei Feuerwehrleute mussten ins Krankenhaus.

Im baden-württembergischen Kronau erlitt nach Angaben der dortigen Feuerwehr ein Feuerwehrmann beim Brand eines Feldes eine Rauchvergiftung und musste in ein Krankenhaus gebracht werden. Im nordrhein-westfälischen Hennef war die Feuerwehr am Dienstagabend zu einem größeren Waldbrand nahe eines Standorts der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg ausgerückt, dessen Rauchfahne kilometerweit zu sehen war. 

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. Juli 2022 um 18:00 Uhr.