Ein Thermometer an einer Hauswand klettert in Richtung der 40-Grad-Marke. | dpa

Hitze in Deutschland Der nächste Tag mit bis zu 40 Grad

Stand: 20.07.2022 07:48 Uhr

Temperaturen bis zu 40 Grad - die Hitze hat Deutschland weiter im Griff. Die Höchstwerte verlagern sich laut Meteorologen heute Richtung Osten. Der gestrige Dienstag war der bisher heißeste Tag des Jahres.

Deutschland steht ein weiterer sehr heißer Tag bevor. Es wird wieder mit Temperatur-Höchstständen gerechnet. Nachdem der Dienstag mit gemessenen Temperaturen um die 40 Grad der bislang heißeste Tag des Jahres war, warnte der Deutsche Wetterdienst (DWD) für heute vor ähnlichen Temperaturen.

Vor allem im Osten Deutschlands soll es richtig heiß werden, hier werden bis zu 40 Grad erwartet. Im Westen kühlt es dafür etwas ab - mit immer noch bis zu 34 Grad. In den folgenden Tagen soll es dann laut Prognosen wieder etwas niedrigere Sommer-Temperaturen geben.

Heißester Tag des Jahres

Die Hitzewelle in Europa hatte am Dienstag auch Deutschland mit Temperaturen oft deutlich über 35 Grad zu spüren bekommen. Nach Angaben des DWD wurden in vielen Orten vor allem in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen Temperaturen von über 38 Grad erreicht. Duisburg (Station Duisburg-Baerl) war laut Messungen der DWD mit 39,5 Grad bundesweit der wärmste Ort. In Emsdetten in Nordrhein-Westfalen soll laut ARD-Wetterkompetenzzentrum sogar die 40-Grad-Marke geknackt worden sein.

Der bisherige Rekord für dieses Jahr lag bei 39,2 Grad und wurde vor vier Wochen, am 19. Juni, aufgestellt. Der jahresübergreifende Hitzerekord für Deutschland wurde bis jetzt jedoch noch nicht geknackt: Er liegt bei 41,2 Grad - gemessen am 25. Juli 2019 in Duisburg und Tönisvorst am Niederrhein bei Krefeld.

"Solche Episoden werden immer häufiger"

Hitzewellen wie jetzt in Europa werden künftig in den Sommermonaten normal sein - davon ist die Weltwetterorganisation (WMO) in Genf überzeugt. "Solche Episoden werden immer häufiger, und der negative Trend wird noch bis mindestens 2060 anhalten, unabhängig vom Erfolg unserer Klimaschutzbemühungen", sagte WMO-Generalsekretär Petteri Taalas.

Es könne in Europa auch noch heißer werden. Die Regierungen müssten viel mehr für den Klimaschutz tun, sagte Taalas. "Ich hoffe, diese Ereignisse sind ein Weckruf für Regierungen, und dass sie in demokratischen Ländern Folgen bei den nächsten Wahlen haben", sagte Taalas.

Den Zusammenhang zwischen den hohen Temperaturen und der schon eingetretenen Klimaerwärmung könne man eindeutig aus den Daten herauslesen, sagte auch DWD-Sprecher Andreas Friedrich. Auch er ist überzeugt, dass Hitzewellen künftig zunehmen werden. "Seit dem berühmten 'Jahrhundertsommer' 2003 erleben wir die 40 Grad zwar nicht jedes Jahr, aber immer öfter."

Regionale Einschränkungen für Wasserverbrauch?

Der Städte- und Gemeindebund geht davon aus, dass manche Regionen in Deutschland während anhaltender Dürreperioden künftig mit eingeschränktem Wasserverbrauch leben müssen. "Zwar wird es in den kommenden Jahren voraussichtlich nicht zu einer deutschlandweit flächendeckenden Wasserknappheit kommen. Dennoch werden regionale Wasserknappheiten zu Einschränkungen der Bevölkerung, aber auch der Städte und Gemeinden führen", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Denkbare Folgen seien eine reduzierte Bewässerung von Parks sowie ein Auslassen des Bewässerns oder ein Abstellen der Brunnen, sagte Landsberg im Hinblick auf Städte und Gemeinden. Zum privaten Verbrauch fügte er hinzu: "In Zeiten lang anhaltender Dürreperioden müssen regional wasserintensive Nutzungen wie die Gartenbewässerung und das Befüllen privater Pools auf ein Minimum reduziert oder gänzlich unterlassen werden."

Um dem entgegenzuwirken, fordert die Wasserwirtschaft Investitionen in Leitungen, Talsperren oder Wasserwerke. "Genehmigungsverfahren insbesondere für Fernwasserleitungen müssen dringend vereinfacht werden", sagte der für Wasser zuständige Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes BDEW, Martin Weyand. Nötig sei ein Investitionsbeschleunigungsgesetz. Zunehmende Trockenperioden stellten die Wasserwirtschaft vor Herausforderungen. Bei großer Hitze steige der Bedarf der Haushalte um 40 bis 60 Prozent. "Die Menschen bewässern ihren Garten, duschen häufiger, und immer mehr Haushalte besitzen Pools, die mit mehreren Tausend Litern Wasser befüllt werden." Das könne etwa Pumpen oder Speicher überfordern.

Hohe Waldbrandgefahr in vielen Bundesländern

Auch Waldbrände sind bei großer Trockenheit ein Problem. In zehn von 16 Bundesländern gilt zumindest gebietsweise die höchste Waldbrandwarnstufe: in Bayern, Baden-Württemberg, NRW, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Hessen, Berlin, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen.

Die bayerische Forstministerin Michaela Kaniber rief alle Waldbesucherinnen und -besucher auf, besonders vorsichtig zu sein: "Die aktuelle Hitzewelle und die herrschende Trockenheit sorgen dafür, dass die Waldböden vielerorts mit vertrockneten, leicht entzündlichen Blättern, Zweigen und Nadeln bedeckt sind. Schon eine achtlos weggeworfene Zigarettenkippe reicht aus, um einen folgenschweren Waldbrand auszulösen."

Hohe Temperaturen in West- und Südeuropa

Unter der Hitze leiden auch Menschen in anderen Teilen Europas. In Coningsby im Osten Englands erreichten die Temperaturen nach Angaben der nationalen Wetterbehörde 40,3 Grad. Die Hitze führte unter anderem zu Problemen im Bahnverkehr. Am Londoner Bahnhof Kings Cross wurden alle Züge gestrichen.

Vielerorts in Südeuropa kämpfen die Feuerwehren gegen Wald- und Buschbrände. Der Zivilschutz auf Sizilien sprach in einigen Gegenden die höchste Gefahrenstufe für Waldbrände aus. Auch in Teilen Spaniens, Portugals und Frankreichs brennt es.

Über dieses Thema berichtete ARD-Extra am 19. Juli 2022 um 20:15 Uhr.