Abkühlung an einem Brunnen in Frankfurt | dpa

Rekordtemperaturen Das macht die Hitze mit Deutschland

Stand: 27.07.2018 09:08 Uhr

Die anhaltende Hitzewellen macht Deutschland zu schaffen: Bauern fordern den Notstand, Kraftwerke drosseln die Leistung, Feuerwehren leisten Überstunden, Menschen und Tiere leiden. Die Folgen im Überblick.

Von Dominik Lauck, tagesschau.de

In vielen Wäldern sind die Bodenvegetation und der Oberboden stark ausgetrocknet. Deshalb wird vor einer hohen Waldbrandgefahr gewarnt.

Dominik Lauck

Am viel befahrenen Autobahndreieck in der Nähe von Potsdam sind am Donnerstag Dutzende Hektar Kiefernwald in Flammen aufgegangen. Rund 200 Feuerwehrleute kämpften gegen die Flammen und verhinderten ein Übergreifen auf die Ortschaft Fichtenwalde. Der Waldbrand hatte umfangreiche Autobahnsperrungen notwendig gemacht - sowohl an der Autobahn 9 von Berlin nach Leipzig als auch zeitweise am Berliner Ring.

Im Waldstück an der A9 zwischen Dreieck Potsdam und Fichtenwalde brach ein Brand aus, der sich rasend schnell ausbreitete. | dpa

Im Waldstück an der A9 zwischen Dreieck Potsdam und Fichtenwalde brach ein Brand aus, der sich rasend schnell ausbreitete. Bild: dpa

Daneben beschäftigt die Brandenburger Feuerwehr auch ein großflächiges Feuer auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Jüterbog im Landkreis Teltow-Fläming. Dort sind bislang rund 160 Hektar Fläche verbrannt. Die Einsatzkräfte rechnen damit, dass die Flammen auch in den nächsten Tagen noch wüten werden. Weil die Brandfläche mit Munitionsresten kontaminiert ist, können Feuerwehrleute sie nicht betreten.

Andreas Meißner von der Naturlandschaften Brandenburg plant mit Feuerwehrleute und Forstmitarbeiter den Einsatz bei einem Waldbrand auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz in Jüterbog.  | dpa

Die Löscharbeiten des Waldbrands im brandenburgischen Jüterbog sind gefährlich. Auf dem Gelände des ehemaligen Übungsplatzes liegen noch Munitionsreste. Feuerwehrmänner benetzten die umliegenden Wege und verhindern so ein Übergreifen der Flammen. Bild: dpa

Die Feuerwehr im Sauerland kämpft gegen einen Waldbrand zwischen Altena und Iserlohn. Die Stelle sei schwer zugänglich, an einem steilen Hang, sagte ein Sprecher des Märkischen Kreises. Außerdem gebe es keine Wege, die dorthin führen würden. Wegen der Dunkelheit konnte zunächst kein Löschhubschrauber eingesetzt werden.

Feuerwehrleute stehen in der Nähe eines Waldes an einem großen Wasserbecken.  | dpa

Feuerwehrleute stehen in der Nähe eines Waldes bei Altena an einem großen Wasserbecken. Ein etwa 10.000 Quadratmeter großes Waldstück steht an einem unwegsamen Steilhang in Brand. 350 Feuerwehrleute aus dem Märkischen Kreis sind im Einsatz. Bild: dpa

Wie in Brandenburg wurde auch in Niedersachsen von der Lüneburger Heide bis in den Nordosten des Landes die höchste Gefahrenstufe ausgerufen.

Rekordeinsatzzahlen in Niedersachsen

Die niedersächsische Waldbrand-Überwachungszentrale verzeichnete mit rund 350 Brandmeldungen in diesem Sommer einen Rekord seit Einführung des Überwachungssystems im Jahr 2011. Die Mitarbeiter seien seit 83 Tagen fast pausenlos im Einsatz, sagte Leiter Helmut Beuke. Im Schnitt erreichten sie 4,3 Meldungen pro Tag, im Juli waren es sogar 6,5.

Eine Cessna 206 vom Feuerwehrflugdienst Niedersachsen fliegt während eines Überwachungsfluges über den Kreis Lüneburg. | dpa

Die niedersächsische Waldbrand-Überwachungszentrale meldet Rekordeinsätze. Hier fliegt eine Cessna 206 vom Feuerwehrflugdienst Niedersachsen während eines Überwachungsfluges über den Kreis Lüneburg. Bild: dpa

Damit Waldbrände gar nicht erst entstehen, werden die Waldbesucher aufgefordert, sich an das Rauch- und Feuerverbot im Wald oder in Waldnähe zu halten. Auch sollten Autos nicht über trockenem Gras geparkt und Zigarettenkippen nicht aus dem Auto geworfen werden.

Auch in Sachsen-Anhalt sind die Feuerwehren im Dauereinsatz, allein im Landkreis Wittenberg gab es mehrere Brände auf Feldern oder Straßenböschungen. Dabei wurde das Löschwasser schon knapp. Die Feuerwehr betankte ihre Fahrzeuge deshalb sogar mit Wasser aus dem örtlichen Schwimmbad.

Die Feuerwehr in Serno in Sachsen-Anhalt betankt mangels Löschwasser ihre Fahrzeuge mit Wasser aus dem örtlichen Schwimmbad. | dpa

Die Feuerwehr in Serno in Sachsen-Anhalt betankt mangels Löschwasser ihre Fahrzeuge mit Wasser aus dem örtlichen Schwimmbad. Bild: dpa

Waldbrände wie in Griechenland und Schweden drohen nicht

Riesige Brände wie derzeit in Griechenland und Schweden sind in Deutschland nach Einschätzung von Behörden und Feuerwehr jedoch unwahrscheinlich.

Ein Feuerwehrfahrzeug löscht einen Brand auf einem Getreidefeld.  | dpa

Ein Feuerwehrfahrzeug löscht einen Brand auf einem Getreidefeld. Das Feld war bei Mäharbeiten in Brand geraten. Anhaltende Hitze macht den Landwirten zu schaffen. Bild: dpa

Üblicher sind Brände auf Feldern, die bei Mäharbeiten leicht in Brand geraten. Auch in Stadtparks kam es wiederholt zu kleineren Bränden, meist infolge von zu heißen Einweggrills.

Das traditionelle Feuerwerk beim Hamburger DOM, dem größten Volksfest im Norden, wurde abgesagt. Da die Abschussstelle im Park "Planten un Blomen" und den Wallanlagen in unmittelbarer Nähe zu Bäumen und Büschen liegt, ist die Brandgefahr zu hoch.

Feuerwerk am Hamburger Dom (Archivbild) | picture alliance / Arco Images G

Das traditionelle Hamburger DOM-Feuerwerk fällt wegen der Sommerhitze aus. Aufgrund der anhaltenden Trockenheit hat der Deutsche Wetterdienst den Waldbrandindex auf Stufe 4 festgelegt. Außerdem sei böiger Wind vorhergesagt worden. Bild: picture alliance / Arco Images G

Viele Betonplatten halten den hohen Temperaturen nicht mehr Stand. Wegen der "Blow-up" genannten Hitzeschäden sind auf etlichen Autobahnen schon Fahrstreifen gesperrt und Tempolimits eingeführt worden. In Baden-Württemberg erließ das Regierungspräsidium Stuttgart deshalb hitzebedingte Geschwindigkeitsbeschränkungen von 80 Kilometern pro Stunde auf den Autobahnen 81 und 7. Ähnliche Schäden sind in den vergangenen Tage auch auf der A1 zwischen Bad Oldesloe und dem Autobahnkreuz Bargteheide, auf der A10 bei Berlin und der A9 in Sachsen-Anhalt festgestellt worden.

Wegen der großen Hitze ist eine Betonfahrbahn auf der Autobahn A5 am Ende einer Baustelle aufgebrochen.  | dpa

Auch auf der A5 ist wegen der großen Hitze eine Betonfahrbahn aufgebrochen. Bild: dpa

Betonplatten dehnen sich bei Hitze aus

Betroffene Autobahnabschnitte werden derzeit erneuert oder mit sogenannten Entlastungsstreifen versehen. Dazu werden einzelne Beton-Segmente durch elastischeres Material ersetzt, so dass sich die Fahrbahn ohne zu zerbersten ausdehnen kann. "Diese Maßnahme ersetzt allerdings keine grundhafte Sanierung, die bei den meisten der betroffenen Autobahnen ansteht", kritisierte ein Sprecher des ADAC.

Die aufgrund von Hitzeeinwirkung stark beschädigte Start- und Landebahn des Flughafens in Hannover-Langenhagen.  | dpa

Die aufgrund von Hitzeeinwirkung stark beschädigte Start- und Landebahn des Flughafens in Hannover-Langenhagen. Bild: dpa

Flughafen Hannover musste deshalb gesperrt werden

Während "Blow-ups" auf Autobahnen regelmäßig vorkommen, gab es auf Flughäfen solche Fälle bislang kaum. Umso ungewöhnlicher, dass der Airport in Hannover am Dienstag seine Start- und Landebahn sperren musste. Drei mehr als 50 Jahre alte Betonplatten hatten der Hitze nicht standgehalten und waren durchgebrochen. 85 Flugverbindungen mussten gestrichen werden, etwa 15.000 Passagiere waren betroffen. Der Schaden wurde in der Nacht repariert. Die Bahn wird jetzt mit Löschfahrzeugen bewässert, um weitere "Blow-ups" zu verhindern.

Ein Löschfahrzeug der Feuerwehr des Flughafens Hannover-Langenhagen wässert zur Vorbeugung einer erneuten Überhitzung die nördliche Start- und Landebahn. | dpa

Nun wässern Löschfahrzeuge der Flughafen-Feuerwehr zur Vorbeugung einer erneuten Überhitzung die Start- und Landebahn in Hannover. Bild: dpa

Nach Ansicht des Luftfahrtexperten Heinrich Großbongardt sind solche Flughafen-Sperrungen auch anderswo in Deutschland möglich. "In Regionen wie Katar sind die Dehnungsfugen im Beton auf hohe Temperaturen bis zu 60 Grad ausgelegt, in Deutschland dagegen standen bisher eher Aspekte wie Frostsicherheit und heftige Niederschläge im Fokus." Von anderen deutschen Flughäfen sind bislang aber keine Probleme bekannt.

Aus vielen Flussbetten ragen wegen des Niedrigwassers bereits die Steine hervor. Die niedrigen Wasserstände der Flüsse schränken mancherorts bereits die Schifffahrt ein. Auf dem Oberrhein könnten die Frachter nur noch die Hälfte oder weniger der normalen Ladung transportieren, sagte der Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Mannheim, Jörg Vogel.

Die Dresdner Frauenkirche ist hinter dem Ufer der Elbe zu sehen. Aus dem Flussbett ragen wegen des Niedrigwassers im Fluss Steine hervor.  | dpa

Die Dresdner Frauenkirche ist hinter dem Ufer der Elbe zu sehen. Aus dem Flussbett ragen wegen des Niedrigwassers im Fluss Steine hervor. Bild: dpa

Zugleich steigen die Wassertemperaturen. Experten befürchten ein großes Fischsterben im Rhein. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Rheinland-Pfalz warnt vor der Überschreitung der für die Gewässerökologie gefährlichen Temperatur von 28 Grad. Der Rhein hat schon 25 Grad Wassertemperatur. 27 Grad sind für viele Fische tödlich. Die 28-Grad-Marke entspricht dem zulässigen Grenzwert der europäischen Oberflächengewässerverordnung.

Ein Schiff fährt an einer trocken gefallenden grünen Fahrwassertonne vorbei.  | dpa

Auf einigen Abschnitten des Rheins dürfen die Frachter wegen des Niedrigwassers nur noch die Hälfte oder weniger der normalen Ladung transportieren. Bild: dpa

Kraftwerke drosseln Leistung

Erste Kraftwerke müssen wegen des warmen Flusswassers offenbar bereits die Leistung drosseln. Wie "Die Welt" berichtet, dürfen sie teils nicht mehr die üblichen Kühlwassermengen einleiten. Versorgungsengpässe seien jedoch nicht zu befürchten.

Für die Landwirte ist die anhaltende Hitze und Dürre je nach Ausrichtung Fluch oder Segen. Während die Obstbauern nach zwei schlechteren Jahren eine sehr gute Ernte einführen, hätten Getreidebauern und Milchviehhalter ernste Probleme, sagte der Sprecher der Niedersächsischen Landwirtschaftskammer, Walter Hollweg.

Kühe stehen auf einer Weide in den Elbauen bei Schönebeck in Sachsen-Anhalt.  | dpa

Auf dieser Weide in den Elbauen bei Schönebeck in Sachsen-Anhalt sind die Folgen der Hitze gut zu sehen. Die sonst saftigen Wiesen sind durch die anhaltende Hitze und Trockenheit ausgedörrt und gleichen einer Steppen-Landschaft. Bild: dpa

Der Deutsche Bauernverband forderte Bund und Länder gar auf, einen Notstand zu erklären und Landwirte unbürokratisch zu unterstützen. Im Durchschnitt seien Ernteausfälle in Höhe von 20 Prozent zu befürchten, vor allem im Norden und Osten Deutschlands breche die Ernte aber um bis zu 70 Prozent ein, sagte Verbandpräsident Joachim Rukwied. Dort seien manche Betriebe in ihrer Existenz bedroht. Durch das Ausrufen eines Notstands sei die rechtliche Voraussetzung gegeben, um Betriebe mit Geld zu unterstützen, deren Ernteerträge 30 Prozent unter dem Schnitt der vergangenen fünf Jahren lägen.

Zwar haben die Milchbauern genug Wasser für ihre Tiere - eine Kuh säuft täglich bis zu 150 Liter - doch geht ihnen das Futter zur Neige. Auf den Grünlandwiesen wächst das Gras nicht ausreichend nach. Viele Bauern greifen deshalb bereits zu ihren Winterfuttervorräten. Um die Ställe zu entlasten, geben viele Landwirte ihre älteren Tiere deutlich früher in den Schlachthof als geplant.

Kühe fressen Winterfutter.  | dpa

Die Kühe von Milchbauer Leuchtenberg in Neukirchen-Vluyn fressen bereits im Juli Winterfutter. Die Dürre hat die Landwirte in Nordrhein-Westfalen so fest im Griff wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Bild: dpa

Weniger Milch und Sonnenbrandgefahr bei Kühen

Bei anhaltenden Temperaturen von 30 Grad und mehr geht auch die Milchleistung zurück. Zudem können Rinder auch einen Sonnenbrand bekommen - auf den weißen Fellflächen. Man muss die Tiere zwar nicht eincremen, sie müssen aber die Möglichkeit haben, in den Schatten zu gehen.

Milchbauer Helmut Evers aus Wahrenholz in Niedersachsen beglückt seine Tiere mit einer Kuhdusche in seinem Kuhstall. | dpa

Milchbauer Helmut Evers aus Wahrenholz in Niedersachsen beglückt seine Tiere mit einer Kuhdusche in seinem Kuhstall. Bild: dpa

Wasser, Wasser, Wasser

Um das Nutzvieh bei Laune zu halten, lassen sich die Landwirte einiges einfallen. Helmut Evers, Milchbauer aus Wahrenholz im Kreis Gifhorn in Niedersachsen, bietet Wellness an. Bei Temperaturen jenseits von 30 Grad dreht er das Ventil zu einer Kuhdusche auf. "Das sind mehrere ganz feine Wasserstrahlen, wo sich die Kühe drunterstellen können", erzählt der Landwirt. "Manche sind wasserscheu und huschen da durch, aber die meisten empfinden das als angenehm."

Alles andere als wasserscheu sind die Tiere hingegen, die sich tagsüber in der Sonne aufhalten. Jeder noch so kleine Wassertümpel wird zur Abkühlung genutzt.

Schafe stehen in Garding in Schleswig-Holstein auf einem von der Sonne ausgebleichten Feld um ein Wasserloch herum. | dpa

Schafe stehen in Garding in Schleswig-Holstein auf einem von der Sonne ausgebleichten Feld um ein Wasserloch herum. Bild: dpa

Hasen, Rebhühner und Feldvögel profitieren vom Wetter

Übrigens leiden nicht alle Tiere. Für Hasen, Fasane, Rebhühner und Feldvögel ist es bisher sogar ein eher gutes Jahr. Denn es gibt in diesem Jahr weniger Insekten, die auf Pfützen angewiesen sind, wie beispielsweise Mücken. Außerdem breiten sich bei Trockenheit Krankheitserreger weniger stark aus. In verregneten Jahren leiden viele Jungtiere unter Dauernässe - kleine Hasen etwa, weil ihr Fell kaum Wasser abweist. Auch wenn es an grünem Gras mangelt, können Hasen, Kaninchen und größere Tiere wie Rehe auf die Blätter und frischen Triebe von Büschen und Bäumen ausweichen.

Ein Feldhase sitzt im niedersächsischen Sehnde auf einem Feld.  | dpa

Hasen leiden nicht unter der Dürre - im Gegenteil: Viele Jungtiere überleben in trockenen Sommern besser, da ihr Fell bei Dauernässe kaum Wasser abweist. Bild: dpa

Einbußen beim Getreide

Schlecht sieht es bei Landwirten aus, die Getreide anbauen. Sie rechnen mit Einbußen von bis zu 60 Prozent. Einige Bauern überlegen offenbar, ihren Weizen oder Roggen gar nicht erst zu dreschen, sondern mit den Ähren gleich zu Viehfutter zu verarbeiten.

Mähdrescher bei der Getreideernte | dpa

Die Weizenbauer rechnen in diesem Jahr mit einer deutlich schlechteren Ernte. Sie erwarten Einbußen bis zu 60 Prozent. Bild: dpa

Die Winzer blicken hingegen erwartungsvoll einer besonders frühen Lese entgegen. Die ersten Trauben der frühen Rebsorten könnten möglicherweise bereits im August vom Stock genommen werden, erwartet das Deutsche Weininstitut in Bodenheim bei Mainz. In allen Anbaugebieten sei das Wachstum den Durchschnittsjahren um mehr als zwei Wochen voraus.

Freude bei den Winzern

Über die Qualität lässt sich nach Angaben des Deutschen Weininstituts noch nichts sagen - die Aussichten für einen guten Tropfen seien aber bestens. "Der Jahrgang 2018 könnte in die Annalen eingehen", heißt es an der Mosel. Nach dem warmen Sommer sind hohe Mostgewichte in den Trauben zu erwarten. Viel Zucker ermöglicht Weine mit hohem Alkoholgehalt.

Weintrauben auf einem Weingut bei Volkach.  | dpa

Die Weintrauben sind in diesem Jahr besonders weit entwickelt. Die Winzer hoffen auf einen historisch guten Jahrgang. Bild: dpa

Nach der historisch kleinsten Erntemenge im vergangenen Jahr - damals hatten Frostschäden im April schlimme Folgen - sieht es für die Moselwinzer in diesem Jahr deutlich besser aus. Er könne sich nicht daran erinnern, dass die Trauben in den vergangenen 30 Jahren schon einmal um diese Zeit so weit entwickelt gewesen seien, sagt Thomas Ibald von der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz.

Wenn Deutschland schwitzt, dann freuen sich die Tourismusgebiete an Nord- und Ostsee. Seit Wochen sind die Hotels, Ferienhäuser und Campingplätze gut gefüllt. Auch die Strände in St.Peter-Ording oder Timmendorfer Strand sind so voll wie sonst die Strände an der Cote d'Azur.

Der Strand von Sankt Peter Ording in Schleswig-Holstein ist mit Sonnenschirmen und Strandmuscheln von Urlaubern gefüllt.  | dpa

Der Strand von Sankt Peter Ording in Schleswig-Holstein ist mit Sonnenschirmen und Strandmuscheln von Urlaubern gefüllt. Bild: dpa

Algen und gefährliche Bakterien

Zwar hat die Europäische Umweltagentur EEA den allermeisten Badestellen an Deutschlands Meeresstränden, Seen und Flüssen eine gute Wasserqualität bescheinigt. Doch das war im Mai. Die Gesundheitsämter melden auch weiterhin sehr gute Werte. Aber inzwischen sind auch erste Badeverbote wegen starker Blaualgen-Vermehrung ausgesprochen worden, etwa in Niedersachsen. Blaualgen sind Bakterien und vermehren sich bei Sommerhitze und hohen Wassertemperaturen massenhaft. Das Wasser riecht dann unangenehm nach Ammoniak - also so ähnlich wie faule Eier oder Gülle. Schwimmern drohen Hautreizungen und Übelkeit.

Badegäste bei Sommerwetter am Strand. Das Wasser ist grün wegen der Algen.  | dpa

Die hohen Wassertemperaturen haben am Strand von Lubmin zu einem Wachstum von Grünalgen geführt. Die im Wasser nachgewiesenen Grünalgen trübten zwar die Sicht, seien aber gesundheitlich unbedenklich, hieß es von Experten. Bild: dpa

Ein Bad in der Ostsee kann derzeit für gesundheitlich angeschlagene Menschen gefährlich werden. Wegen hoher Wassertemperaturen können mehr Bakterien der Gattung Vibrio im Wasser sein, teilten das Landesamt für Gesundheit in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holsteins Gesundheitsministerium mit. Diese könnten etwa bei Menschen mit einer HIV-Erkrankung tödliche Infektionen auslösen. Auch sehr alte Menschen und Leberkranke oder Alkoholabhängige gehörten zur Risikogruppe.

In Hamburg, Berlin und Wuppertal kam es diese Woche zu kuriosen Einsätzen. Wasserwerfer der Polizei, die jeweils 10.000 Liter fassen, gossen die Pflanzen in Parks. "Das Wasser in den Tanks muss regelmäßig ausgetauscht werden, und das war jetzt wieder fällig. Das macht doch Sinn, das kostbare Trinkwasser sinnvoll und zugunsten der Umwelt einzusetzen", sagte eine Polizeisprecherin in Hamburg.

Wasserwerfer der Hamburger Polizei versprühen im Stadtpark Wasser auf Bäume und Sträucher.  | dpa

Die Polizei in Hamburg hat mit ihren Wasserwerfern im Stadtpark Wasser auf Bäume und Sträucher gesprüht. Bild: dpa

Im nordrhein-westfälischen Rietberg gibt es keine Wasserwerfer. Damit die Straßenbäume trotzdem nicht verdursten, bekamen sie spezielle Wassersäcke umgebunden. Diese fassen 100 Liter.

Bäume an einer Straße tragen spezielle Wassersäcke mit einem erhöhten Fassungsvermögen von 100 Litern. | dpa

In Rietberg in Nordrhein-Westfalen tragen Bäume an einer Straße spezielle Wassersäcke mit einem erhöhten Fassungsvermögen von 100 Litern. Bei der derzeitigen Rekordhitze bekommen viele Straßenbäume zu wenig Wasser. Bild: dpa

In Tierparks und Zoos nutzen manche Tiere wie Löwen die Hitze, um im Schatten noch mehr als sonst zu schlafen. In Osnabrück verwöhnen die Pfleger ihre Schwarzbären, indem sie ihnen eimergroße Eisbomben servieren. Die Ameisenbäre im Magdeburger Zoo freuen sich bereits über eine Ladung Wasser aus dem Gartenschlauch, um sich abzukühlen.

Ein Ameisenbär bekommt Wasser aus dem Schlauch auf sein Fell gesprüht. | dpa

Ein Ameisenbär im Zoo von Magdeburg in Sachsen-Anhalt genießt das kühlende Wasser aus dem Schlauch der Tierpflegerin Petra Oppermann und pflegt sein Fell. Bild: dpa

Freuen dürfen sich die Besitzer von Eisdielen. Der Pro-Kopf-Verbrauch an Eis dürfte nach einer Schätzung der deutschen Süßwarenindustrie auf ein seit mehr als zehn Jahren nicht mehr erreichtes Hoch steigen. "Bei Anhalten des schönen Wetters gehen wir davon aus, dass die Acht-Liter-Marke 2018 auf jeden Fall überschritten wird", sagte der Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie, Ernst Kammerinke, der "Saarbrücker Zeitung". Mit 8,1 Litern hatte der Verbrauch zuletzt im Jahr 2007 die Acht-Liter-Marke überschritten. Die Hersteller von Speiseeis fahren Sonderschichten. Die beliebtesten Sorten sind übrigens Vanille, Schokolade und Nuss.

 Eine Frau kauft bei sonnigem Wetter drei Kugeln Eis in einer Waffel.  | dpa

Die Deutschen werden in diesem Jahr voraussichtlich mehr als acht Liter Eis essen. Das gab es zuletzt vor elf Jahren. Bild: dpa

Einen guten Sommer zur Geschäftsgründung hat sich Thilo von Beyme ausgesucht. In Berlin eröffnete er vor drei Monaten eine Eisbar. Wem es zu heiß ist, der kann sich dort bei minus zehn Grad Celsius abkühlen. Die Drinks werden in ausgehöhlten Eisklötzen ausgeschenkt. Insgesamt 60 Tonnen Eis wurden in der Bar verbaut - unter anderem für einen Nachbau des Brandenburger Tores.

Eine Frau springt in der Eisbar vor dem aus Eis nachgebauten Brandenburger Tor.  | dpa

Asya posiert in der Eisbar vor dem aus Eis nachgebauten Brandenburger Tor. Hier können Besucher bei minus 10 Grad auch Getränke in Gläsern aus gefrorenem Wasser bestellen. Bild: dpa

Zwar zieht es bei gutem Wetter Sportler in Scharen nach draußen, doch zugleich macht die Hitzewelle vielen zu schaffen und erfordert besondere Maßnahmen. Der Kreislaufkollaps des Leverkusener Fußballprofis Karim Bellarabi sollte Warnung genug sein.

Karim Bellarabi kniet nach einem Kreislaufkollaps | imago/Revierfoto

Nationalspieler Karim Bellarabi hatte nach seiner Auswechslung zunächst geduscht und war auf die Ersatzbank zurückgekehrt. Wenig später brach er zusammen. Die Ärzte führten das auf die hohe körperliche Belastung bei extremer Hitze zurück. Bild: imago/Revierfoto

Der 28 Jahre alte Nationalspieler war am Dienstag beim Testspiel gegen Wuppertal zusammengebrochen. "Als Ursache stellten die Ärzte nach umfangreichen Tests und Untersuchungen die hohe körperliche Belastung bei extremer Hitze von deutlich über 30 Grad Celsius fest", teilte der Club mit.

Zwölf Fußballer und ihr Trainer machen bei einer Trainingseinheit auf einem Fußballplatz Liegestützen und bilden aus der Vogelperspektive betrachtet fast eine Uhr. | dpa

Experten raten, bei der Hitze in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden zu trainieren und viel zu trinken. Bild: dpa

Bei körperlichen Belastungen steigen durch das vermehrte Schwitzen der Flüssigkeitsverlust und die Körperkerntemperatur. Es droht Überhitzung. Experten raten, Trainingsumfang und Intensität zu reduzieren und die Einheiten in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden zu verlegen. Wichtig sei, den Flüssigkeitsverlust nach dem Sport durch mineralhaltiges Wasser auszugleichen und bei Hitze mehr zu trinken.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. Juli 2018 um 20:00 Uhr.