Dieter Hildebrandt

Kabarettist in München gestorben Dieter Hildebrandt ist tot

Stand: 03.03.2019 14:47 Uhr

Der Kabarettist Dieter Hildebrandt ist tot. Das teilte der Karikaturist und enge Freund Dieter Hanitzsch mit. Hildebrandt starb in der Nacht in einem Münchner Krankenhaus im Alter von 86 Jahren. Er sei im Kreis seiner Familie gestorben, teilte seine Frau Renate mit. "Spiel, Satz und Sieg für Hildebrandt. Was für ein Leben! Danke, lieber Dieter, für alles", hieß es auf der Internetseite stoersender.tv, eines der letzten Kabarettprojekte Hildebrandts, das er unter anderem mit Hanitzsch realisiert hatte.

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Erst vor kurzem war bekannt geworden, dass er an Krebs erkrankt ist: "Ich werde kämpfen bis zum Schluss. Noch bin ich nicht tot", wird er heute in der Münchner Zeitung "tz" zitiert. Die Diagnose Prostatakrebs habe er im Sommer bekommen. Er sei danach mehrfach operiert worden und lange im Krankenhaus gewesen.

Nachdem sich sein Zustand vor wenigen Wochen gebessert habe, durfte er zunächst nach Hause. Dann habe es aber einen schweren Rückschlag gegeben und er sei erneut in die Klinik gekommen.

Einflussreichster Kabarettist Deutschlands

Hildebrandt galt als einflussreichster Kabarettist Deutschlands. Er wurde 1927 im schlesischen Bunzlau geboren und begann nach dem Zweiten Weltkrieg ein Studium in München, wo er seither lebte. Er entdeckte zunächst die Liebe zur Schauspielerei, doch bei der sogenannten Schauspielergenossenschaftsprüfung fiel er durch. Seinen Beruf sah er ernsthaft. "Ich mache keine Witze", sagte er einmal. "Pointen sind keine Witze. Pointen sind auch ganz ernst."

Szene aus Kir Royal
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1986 spielte Hildebrandt(links) in der Fernsehserie "Kir Royal" den Paparazzo Herbie Fried. Franz-Xaver Kroetz spielte den Boulevard-Reporter Baby Schimmerlos.

Zusammen mit Sammy Drechsel gründete er nach seinen Intermezzi als Platzanweiser und als Mitglied in einem Studentenkabarett 1956 die Münchner Lach- und Schießgesellschaft. Dort spielte er bis Anfang der 70er-Jahre. "Ich wollte mich einmischen in die Politik", begründete er seine Karriere.

Durch seine Sendungen "Notizen aus der Provinz" (1972-1979) und "Scheibenwischer" (1980-2003) galt er mehr als drei Jahrzehnte lang als moralische Instanz der deutschen Fernsehnation. Auch in mehreren Filmen sowie in der erfolgreichen TV-Serie "Kir Royal" (1986) spielte er mit. Die letzten Jahre erlebte ihn sein Publikum wieder mehr auf der Bühne - in seinem Soloprogramm "Ich kann doch auch nichts dafür" und bei Lesungen aus seinen Büchern.

Der bekennende SPD-Sympathisant Hildebrandt eckte mit seinen Sendungen wiederholt an. Im Jahr 1986 etwa ließ der damalige Fernsehdirektor der Bayerischen Rundfunks, Helmut Oller, den BR aus einer "Scheibenwischer"-Übertragung in der ARD ausklinken. Er hielt Teile der Sendung, die sich mit Tschernobyl befassten, für "nicht gemeinschaftsverträglich".

"Über Jahrzehnte Politikern den Spiegel vorgehalten"

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer würdigte Hildebrandt als Kabarett-Ikone und großes Vorbild: "Dieter Hildebrandt hat mit spitzer Feder und spitzer Zunge über Jahrzehnte Politikern in Deutschland den Spiegel vorgehalten." Bayern verneige sich "mit Achtung und Respekt". SPD-Chef Sigmar Gabriel nannte Hildebrandt einen "großartigen Kabarettisten" und den "charmantesten Kritiker" der Sozialdemokraten. Er habe den Geist der Freiheit und ein Verantwortungsgefühl für Demokratie und Frieden verkörpert, "ohne dabei dogmatisch oder gar humorlos zu werden". Auch der SPD habe er den Spiegel vorgehalten.

Werner Schneyder und Dieter Hildebrandt bei einem Auftritt im Scheibenwischer
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Beim "Scheibenwischer" empfing Hildebrandt zahlreiche Gastkabarettisten. Hier sind Werner Schneyder (links) und er während eines Auftritts in den 80er-Jahren zu sehen.

Hildebrandt sei mehr ein Mann des Kabaretts, sagte Bundespräsident Joachim Gauck: "Sein Lachen, sein fragendes Schweigen; seine Zwischentöne, seine Attacken, seine Urteile, seine absichtsvollen Überzeichnungen - all das war für ihn kein Selbstzweck." Bundestagspräsident Norbert Lammert bezeichnete Hildebrandt als "große Figur". Er habe auch unter Politikern "große Reputation und Wahrnehmung" gefunden.

Aus Sicht seines früheren "Scheibenwischer"-Kollegen Bruno Jonas prägte niemand die Kabarett-Szene so wie Hildebrandt. Dieser haben in seiner Art, Kabarett zu machen, Maßstäbe gesetzt, sagte Jonas der Nachrichtenagentur dpa: "Er war einmalig." Hildebrandt sei "ein sehr spontaner und schneller Denker" und sehr neugierig gewesen. Zum letzten Mal hätten sich die beiden vor 14 Tagen getroffen. "Da war er noch voller Tatendrang und wollte im Dezember wieder auf die Bühne", sagte Jonas. "Er war ein Kämpfer."

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