Lehrerin in einer achten Klasse | Bildquelle: dpa

OECD zu Bildungschancen Bildung weniger abhängig von Herkunft

Stand: 23.10.2018 10:47 Uhr

Die schlechte Nachricht: Wer in Deutschland aus sozial schwachen Verhältnissen kommt, hat weiter schlechtere Bildungschancen als andere. Die gute Nachricht: Der Einfluss der Herkunft wird immer schwächer.

In Deutschland entscheidet die soziale Herkunft weiter maßgeblich über den schulischen Erfolg von Kindern oder Jugendlichen: Dieser Effekt sei stärker ausgeprägt als in vielen anderen Ländern, heißt es in einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Die "große Leistungsschere" habe sich aber "in die richtige Richtung bewegt", sagte der OECD-Direktor für Bildung, Andreas Schleicher, zu den Ergebnissen der Studie, die den Zehnjahreszeitraum zwischen 2006 und der letzten Pisa-Studie 2015 umfasst. So sei in Deutschland die "soziale Durchmischung der Schulen deutlich besser als in anderen Ländern". Das trage zu besseren Ergebnissen für Kinder aus sozial benachteiligten Elternhäusern bei.

Der Studie zufolge gehen in der Bundesrepublik aber immer noch 46 Prozent der Kinder aus solchen Familien auf Schulen, die ebenfalls als benachteiligt gelten. Das entspricht fast dem Schnitt der 36 Mitgliedstaaten mit 48 Prozent.

Immer weniger Abhängigkeit vom sozialen Status

Beim Lesen, in Mathematik oder den Naturwissenschaften sieht man laut OECD in den vergangenen Jahren deutliche Verbesserungen bei der Abhängigkeit vom sozioökonomischen Status. Zwar erklären die Bildungsexperten der Organisation etwa bei den Naturwissenschaften immer noch 16 Prozent der Unterschiede der Schülerleistungen mit dem sozialen Hintergrund (Stand 2015). Knapp zehn Jahre zuvor waren es aber noch vier Prozentpunkte mehr.

In kaum einem anderen Land ist der Anteil sozial schwacher Schüler mit soliden Leistungen zudem so deutlich gewachsen wie in Deutschland - von 25,2 im Jahr 2006 auf 32,3 Prozent 2015. Der Großteil der jungen Erwachsenen hat Abitur oder einen Berufsabschluss.

Seit gut zehn Jahren ist zudem der Anteil der Unter-Dreijährigen, die eine Kita oder einen Kindergarten besuchen, um 20 Prozentpunkte gestiegen. Die OECD rät der Politik trotzdem, mehr in frühkindliche Bildung und in Kindergärten zu investieren. "Die Schere geht schon ab zehn Jahren auseinander", betonte Schleicher. Zudem müsse es für Lehrer finanzielle Anreize geben, wenn sie in schwierige Klassen gingen.

Hörsaal einer Universität | Bildquelle: dpa
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Nur wenige Hochschulabsolventen in Deutschland haben Eltern ohne Abitur.

Kaum Hochschulabsolventen mit Eltern ohne Abitur

Allerdings schließen laut der Studie nur knapp 15 Prozent der Erwachsenen mit Eltern ohne Abitur ein Hochschulstudium ab. Im Durchschnitt der meisten OECD-Länder seien es immerhin 21 Prozent. In Neuseeland schließen rund 39 Prozent dieser Menschen ein Studium ab, in Finnland 34 Prozent - in Tschechien dagegen nur 3,6 Prozent.

Fast jeder vierte schafft in Deutschland allerdings einen höheren Bildungsabschluss als die Eltern. Im OECD-Durchschnitt sind das mit 41 Prozent deutlich mehr, in Korea sogar 57 Prozent, in Finnland 55 Prozent.

Besonders wichtig ist das, weil die Abschlüsse über die Berufschancen entscheiden: Bei den Hochschulabsolventen liegt die Arbeitslosenquote nur bei etwa der Hälfte der ohnehin vergleichsweise geringen Quote in Deutschland.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Oktober 2018 um 11:00 Uhr.

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