Herero in Namibia

Kolonialherrschaft Deutschland und Namibia gedenken der Opfer

Stand: 29.08.2018 13:56 Uhr

100 Jahre nach Ende der Kolonialherrschaft wurden menschliche Gebeine an Namibia zurückgegeben. Am Freitag sollen sie in der Hauptstadt Windhuk empfangen werden.

Jana Genth, ARD-Studio Johannesburg

Sie sollen in deutschen Wohnzimmern als Dekoration gestanden haben und an ihnen sollten auch Untersuchungen vorgenommen werden, um rassistische Theorien zu untermauern. Die Rede ist von Schädeln und Knochen von ermordeten Herero und Nama. Anfang des 20. Jahrhunderts hatten die deutschen Kolonialherren sie in Namibia ermorden lassen - Schätzungen gehen von bis zu 100.000 Opfern aus. Heute wurden einige der menschlichen Überreste zurückgegeben. Vertreter der Herero und der Nama wollen diese nach Namibia zurückbringen.

Berliner Justizsenator empfängt Herero und Nama | Bildquelle: dpa
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Der Berliner Justizsenator Behrendt empfängt Abgesandte der Herero und der Nama in Berlin.

Der Schmerz sitzt tief

Die Geschichte ist lange vorbei, aber der Schmerz sitzt noch immer tief bei den Nachfahren der Herero und der Nama in Namibia. Uerika Festus Tjikuua ist einer von ihnen und teil der Delegation, die nach Berlin zur Übergabe der Gebeine gereist ist. Vor seinem Abflug nach Deutschland sagte der Herero-Aktivist dem ARD-Hörfunk: "Es ist eine emotionale Mission für mich als Nachfahre, die Überreste meiner Vorfahren in Empfang zu nehmen." Sie sollten in dem Land, in dem sie geboren wurden, eine richtige Beerdigung bekommen. Es sei aber auch Zeugnis der Grausamkeit der Kolonialtruppen in Namibia.

Schädelknochen und andere Skelett-Teile können die Herero und die Nama wieder mit nach Namibia nehmen - Teile von Menschen, die vor mehr als 100 Jahren ermordet wurden. Aber dabei soll es nicht bleiben, sagt Tjikuua: "Ich bin einer derjenigen, die mit am Verhandlungstisch sitzen. Wir erwarten, dass Deutschland den Völkermord zugibt. Zweitens fordern wir eine akzeptable Entschuldigung. Und darauf sollten auch Entschädigungszahlungen folgen."

Kolonialzeit: Deutsche in Namibia | Bildquelle: picture-alliance / akg-images
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1884 lebten etwa 80.000 Hereros, 60.000 Owambo, 35.000 Damara und 20.000 Nama in dem späteren "Deutsch-Südwestafrika".

Bundesregierung schließt Entschädigungen aus

Die Bundesregierung hat schon in mehreren Runden darüber verhandelt, Zahlungen aber bisher immer ausgeschlossen. Die Nachfahren der Opfer - und davon gab es Zehntausende - sind inzwischen vor Gericht gezogen. Was in Berlin geschehe, sei eine Geste, mehr aber auch nicht, so Ester Utijua Muinjangue, Vorsitzende einer Stiftung, die sich dem Völkermord an den Herero widmet. Bislang habe es niemals eine Entschuldigung von Seiten der deutschen Regierung gegeben.

Der jetzige Besuch ist aber auch nicht der richtige Rahmen für einen weiteren Anlauf in Sachen Entschuldigung - da sind sich beide Seiten einig.

Vekuii Rukoro ist Herero-Chef. Er lässt keinen Zweifel daran, dass er das Recht auf seiner Seite sieht. Bei einer Pressekonferenz zu Beginn des Jahres sprach er Klartext: "Deutschland kann weglaufen, sich aber nicht verstecken. Eines Tages wird der lange Arm des Gesetzes Deutschland einholen."

Aktivisten misstrauen Zentralregierung

Aber der Kampf für Gerechtigkeit scheint schwierig zu sein und das schon in Namibia selbst. Die Aktivisten misstrauen der Regierung in Windhuk. Sie streiche Entwicklungshilfe aus Deutschland ein und halte sich deshalb bedeckt, so der Vorwurf.

Bernadus Swartbooi ist ein Nachfahre der Nama. Die hätten schließlich die Opfer gebracht und nicht die Ovambo, die jetzt mehrheitlich in der Regierung sitzen. "Die namibische Regierung arbeitet für die deutsche. Sie haben eine Beziehung zwischen beiden Ländern akzeptiert, die sich besonders nennt", sagt Swartbooi. "Ich weiß nicht, was daran besonders ist. Man tötet Menschen und nennt die Beziehung danach dann besonders?"

Die Übergabe menschlicher Überreste ist schon die dritte ihrer Art. Am Freitag sollen die Knochen in Namibia ankommen und bei einem offiziellen Programm in Empfang genommen werden.

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. August 2018 um 06:00 Uhr.

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