Völkermord an den Herero Deutschland will sich offiziell entschuldigen

Stand: 13.07.2016 17:59 Uhr

Mehr als ein Jahrhundert sind die Massaker deutscher Truppen an den Herero und Nama im heutigen Namibia her. Deutschland hat die Massaker bereits als Völkermord bezeichnet. Jetzt will sich die Regierung auch offiziell bei Namibia entschuldigen.

Die Bundesregierung will sich für die Massaker an den Herero und Nama in der früheren Kolonie Deutsch-Südwestafrika entschuldigen. Die laufenden Gespräche zwischen beiden Seiten über eine Regierungserklärung sollten bis zum Jahresende abgeschlossen werden, kündigte das Auswärtige Amt an.

Geplant ist eine gemeinsame Erklärung der Regierungen und Parlamente Deutschlands und Namibias, in der die Massaker ausdrücklich als Völkermord bezeichnet werden. Bundespräsident Joachim Gauck soll sich bereiterklärt haben, dann die offizielle Entschuldigung auszusprechen. Darüber hinaus soll eine deutsch-namibische "Zukunftsstiftung" ins Leben gerufen werden. Zudem soll es neue Infrastrukturprojekte wie Meerwasser-Entsalzungsanlagen geben.

Die Bundesregierung hatte vor mehr als einem Jahr die Massaker deutscher Truppen erstmals als "Völkermord" bezeichnet. Nun steht der Begriff auch erstmals Schwarz auf Weiß auch in einem offiziellen Dokument. Weiter heißt es dort, die Bundesregierung rechne nicht mit dem Eintreten von Rechtsfolgen. Das heiße konkret, Deutschland übernehme politische Verantwortung, wolle aber keine direkten Entschädigungen an die Nachfahren der Opfer zahlen, erklärte der außenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Niels Annen, in der tagesschau.

Zwischen 1904 und 1908 hatten deutsche Truppen Zehntausende Angehörige der Volksgruppen Herero und Nama umgebracht. Die deutsche Kolonialherrschaft ging am 9. Juli 1915 zu Ende.

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