Interview

Robert Heinrich zum Wahlkampf im Social Web "Wahlkampf lebt von Zuspitzung"

Stand: 07.08.2013 20:56 Uhr

Facebook als reichweitenstärkstes Medium und Twitter als Plattform für Multiplikatoren - das sind die Plattformen, auf die sich die Grünen laut Robert Heinrich (@RoHeinrich), Wahlkampfmanager von Bündnis 90/Die Grünen, konzentrieren.

tagesschau.de: Wie sieht Ihre Strategie für den Wahlkampf im Social Web aus? Bitte benennen Sie die Schwerpunkte.

Heinrich: Wir nutzen die sozialen Medien, um über unser Programm zu informieren, um mit den Bürgerinnen und Bürgern in Dialog zu treten und Feedback einzuholen. Für all diese Zwecke sind die sozialen Medien hervorragend geeignet, weil sie dazu geschaffen sind, mit Menschen in Kontakt zu treten. Wir konzentrieren uns dabei auf Facebook, weil es das reichweitenstärkste Netzwerk in Deutschland ist, und auf Twitter, das insbesondere unter den Multiplikatoren und Meinungsbildnern eine inzwischen breit akzeptierte und aufmerksam beobachtete Plattform ist.

tagesschau.de: Was und wen wollen Sie über diese Plattformen erreichen?

Heinrich: Wir wollen nicht nur unsere Botschaften und Themen setzen, sondern auch Menschen mobilisieren, unsere Kampagne zu unterstützen. Zum Beispiel geben wir auf unserer Homepage allen die Möglichkeit, den Grünen ein Plakat zu spenden. Sie können selbst entscheiden, wann es wo stehen soll. Für diese Aktion ist Facebook die ideale Werbeplattform, weil die Spender dort posten können: "Habe den Grünen gerade ein Plakat gespendet. Macht das auch!"

tagesschau.de: Gibt es Leitlinien für die Politiker Ihrer Partei, wie sie auf den Social-Media-Plattformen agieren sollten, eine Message-Disziplin?

Heinrich: Wir geben Ratschläge, was und wie man in den sozialen Netzwerken agieren sollte, zum Beispiel in unserem Wahlkampfhandbuch. Wir bieten am Rande von Parteitagen Schulungen zu Social Media an, die sehr gut besucht sind. Wir geben unseren Mitgliedern und Unterstützern einen Rahmen dafür, Botschaften zu vermitteln und Themen zu setzen. Aber jeder Grüne ist in den sozialen Netzwerken - genauso wie am Wahlkampfstand - letztendlich verantwortlich für das, was er sagt, postet und twittert.

tagesschau.de: In Tweets und Posts ist eine extreme Komplexitätsreduktion und - bei Twitter - radikale Echtzeit notwendig. Sind diese Plattformen für seriöse Politikvermittlung überhaupt geeignet?

Heinrich: Ja, denn man kann immer auf ausführlichere Inhalte verlinken. Man ist gezwungen, sich kurz zu fassen, und das finde ich gut, weil es das begrenzte Zeitkonto der Bürger und Bürgerinnen für politische Kommunikation ernst nimmt. Wahlkampf lebt von Zuspitzung und in den sozialen Netzwerken muss zugespitzt werden. Insofern sind sie bestens für den Wahlkampf geeignet.

Das Interview führte Nea Matzen, tagesschau.de

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 07. August 2013 um 22:15 Uhr.