Eine Hebamme prüft den Gesundheitszustand einer schwangeren Frau

Stärkung der Geburtshilfe Online zur nächsten Hebamme

Stand: 03.01.2019 14:03 Uhr

In Deutschland mangelt es an Hebammen und Geburtspflegern. Das Gesundheitsministerium hat ein Eckpunktepapier erarbeitet: Es soll unter anderem Schwangeren die Suche erleichtern - durch ein neues Online-Register.

Mit mehreren Sofortmaßnahmen will das Bundesgesundheitsministerium die Geburtshilfe in Deutschland stärken. Neben der geplanten Akademisierung der Hebammenausbildung soll es für Schwangere künftig leichter werden, eine Hebamme in der Nähe ihres Wohnortes zu finden - für Vorsorge, Geburt und Nachsorge. Das geht aus einem entsprechende Eckpunktepapier des Ministeriums hervor, das tagesschau.de vorliegt.

Geplant ist demnach, die Daten der gesetzlichen Krankenkassen zu nutzen. In der sogenannten Vertragspartnerliste des GKV-Spitzenverband sind alle freiberuflichen Hebammen und Entbindungspfleger aufgeführt, die ihre Leistungen über die Kassen abrechnen. Aus diesen Informationen soll ein Online-Verzeichnis aufgebaut werden. Versicherte könnte dann eine Umkreissuche nutzen. Die Hebammen sollen verpflichtet werden, ihre Kontaktdaten und ihr Leistungsspektrum aktuell zu halten.

Bessere Vereinbarkeit von Job und Familie

Rund 98 Prozent aller Kinder kommen in Krankenhäusern zur Welt. Um den Hebammenberuf dort trotz Nacht- und Wochenenddiensten attraktiver zu machen, will das Gesundheitsministerium die Vereinbarkeit von Familie und Arbeit erhöhen. Kliniken sollen dabei unterstützen werden, den Hebammen eine Kinderbetreuung über die üblichen Kita-Öffnungszeiten hinaus anzubieten - also "rund um die Uhr", wie es in dem Eckpunktepapier heißt.

Das Ministerium will außerdem Geburtshelfer zurückholen, die ihren Beruf seit längerer Zeit nicht mehr ausüben, sich eine Rückkehr aber vorstellen können. Für entsprechende Maßnahmen, die unter anderem die Bundesagentur für Arbeit bereits anbietet, soll dem Papier zufolge stärker geworben werden.

Bachelor-Abschluss für Hebammen

Bekannt sind bereits die Pläne, die Hebammenausbildung zu akademisieren. Gesundheitsminister Jens Spahn setzt damit eine EU-Richtline bis 2020 um. Statt in Hebammenschulen sollen Hebammen und Entbindungspfleger künftig in einem dualen Studium auf den Beruf vorbereitet werden. Vorlesungen und Seminare an einer Hochschule werden dabei mit praktischer Arbeit verknüpft. Am Ende steht der Bachelor-Abschluss.

Zunächst einmal will das Gesundheitsministerium aber Daten sammeln: Ein Gutachten soll zeigen, wie Schwangere stationär versorgt werden - und unter welchem Druck die Hebammen stehen. "Die Problematik möglicher Unterversorgung und damit einhergehender hoher Arbeitsbelastung lässt sich anhand des vorliegenden statistischen Zahlenmaterials derzeit nicht verlässlich beurteilen", schreibt das Ministerium. Das Gutachten soll in der zweiten Jahreshälfte vorliegen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Januar 2019 um 14:00 Uhr.

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