David Headley | Bildquelle: diwafilm GmbH

ARD-Themenabend "Saat des Terrors" US-Agent mit Terror im Gepäck

Stand: 21.11.2018 15:04 Uhr

Der US-Top-Agent Headley plante auch islamistische Anschläge. Dann wurde er verhaftet. Der ARD-Themenabend "Saat des Terrors" zeigt Videoaufnahmen seines Verhörs.

Von Thomas Reutter, SWR, und Daniel Harrich

US-Präsident Barack Obama persönlich ordnete seine Verhaftung an. Das war erforderlich, denn der Verdächtige war ein US-Top-Agent: David Coleman Headley. Im Oktober 2009 mussten die Geheimdienstchefs Obama unterbreiten, dass ihr Mann den islamistischen Terror von Pakistan nach Europa brachte.

David Headley | Bildquelle: diwafilm GmbH
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David Headley arbeitete für mehrere Geheimdienste gleichzeitig.

Verhaftung im letzten Moment

Die Informationen kamen vom MI6. Der britische Geheimdienst hatte Headleys Spuren verfolgt und die Amerikaner gewarnt: Headley hatte Verbindungen zu Al Kaida aufgenommen und plante einen Anschlag in Kopenhagen. Die Zeit drängte, denn er hatte schon die Anschlagsziele ausgespäht und bereitete gerade den Angriff auf fünf Ziele in der dänischen Hauptstadt vor. Darunter war eine jüdische Einrichtung und das Redaktionsgebäude der Zeitung "Jyllands Posten", die die Mohammed-Karikaturen veröffentlicht hatte.

Dann kam die Krisensitzung im Weißen Haus in Washington, in der die CIA, die Drogenfahndung DEA und das FBI den US-Präsidenten unterrichteten.

Obama selbst wies den Haftbefehl an. Headley war gerade wieder auf dem Weg nach Kopenhagen, um die Anschläge auszuführen. Am Flughafen Chicago schlugen die FBI-Agenten zu und verhafteten Headley im letzten Moment vor seiner Abreise.

Obama bei seiner letzten Jahresabschlusspressekonferenz | Bildquelle: AFP
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US-Präsident Obama ordnete den Haftbefehl gegen Headley an.

Headley zu 35 Jahren Haft verurteilt

Im Januar 2013 verurteilte ein US-Bundesgericht Headley zu 35 Jahren Haft für die Planung der Anschläge in Kopenhagen und für bereits durchgeführte Terrorattacken. Er sitzt im Gefängnis und schweigt bis heute. Doch es gibt Videoaufnahmen von den Verhören mit ihm. In der Dokumentation im Rahmen des ARD-Themenabends "Saat des Terrors" sind Ausschnitte daraus zu sehen.  

Der Mastermind hinter den Anschlägen?

Die Nachforschungen der US-Ermittler lassen das Bild von Headley schließlich immer klarer werden: Der Geheimagent im Dienste der US-Regierung war der Mastermind hinter den Anschlägen von Mumbai und Kopenhagen. Er lieferte die Vorlage für die Anschläge von Paris und Brüssel, so Michael Hayden, der damalige Direktor der CIA. Die Anschläge tragen seine Handschrift.

Die westlichen Dienste haben für das wiederkehrende Muster all dieser Attentate einen Begriff geprägt - "Mumbai Style": überfallartige Kommandoaktionen, bei denen die Terroristen mit Sturmgewehren gleichzeitig mehrere Ziele angreifen.

Es war das Muster, das Headley für die pakistanische Terrorgruppe Laschkar-e Taiba ausgearbeitet hatte, das zeigen die Gerichtsakten. Zum ersten Mal umgesetzt hatten es die Islamisten 2008 in Mumbai. Bei den Anschlägen in der indischen Millionenmetropole sterben 166 Menschen. Zu dieser Zeit arbeitete Headley offenbar für DEA und CIA und gleichzeitig für den pakistanischen Geheimdienst ISI. Headley war ein Doppelagent und obendrein für die islamistischen Terrorzirkel aktiv.

Er hatte auch mehrere Ehefrauen gleichzeitig, die zunächst nichts voneinander wussten. Während der Hochzeitsreise mit seiner pakistanischen Frau Faiza Outalah kundschaftet er 2008 Mumbai aus und fotografiert die späteren Terrorziele, darunter die Luxushotels "Taj Mahal Palace" und "Oberoi Trident" sowie ein jüdisches Gebetshaus.

Das "Taj Mahal Palace"-Hotel in Mumbai, ein Jahr nach den Anschlägen. | Bildquelle: AFP
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Das "Taj Mahal Palace"-Hotel in Mumbai, ein Jahr nach den Anschlägen.

Eine seiner Frauen schöpfte Verdacht

Outalah schöpft Verdacht und wendet sich an die US-Botschaft in Pakistan. Jetzt sind die Geheimdienste gewarnt. DEA, FBI, CIA und die französische Regierung erhalten konkrete Hinweise. Doch die Geheimdienste decken offensichtlich ihren Mann und lassen ihn weiter agieren. Sam Faddis, ein ehemalige CIA-Agentenführer sagt dazu in der Doku "Spur des Terrors": "Ein gewaltiger Fehler. Das zeigt nur, wie leicht es ihm gemacht wurde."

Headley agierte auch in Hamburg

In Hamburg versuchte Headley an Waffen und Unterstützer für die Anschläge in Kopenhagen zu kommen. Er kannte Hamburg aus seiner Zeit als Drogenkurier.

1988 wurde er mit drei Kilo Heroin im Gepäck vom deutschen Zoll im Flughafen Frankfurt festgenommen. Das Heroin wollte er von Pakistan über Deutschland in die USA schmuggeln. Der deutsche Zoll vermittelte ihn an die amerikanischen Partnerdienste.

Heute sagt der ehemalige BND-Präsident Gerhard Schindler: "Ob man es gutheißt oder nicht gutheißt, so ist es leider Fakt, dass immer wieder Menschen für mehrere Nachrichtendienste arbeiten, ohne jeweils dem anderen das mitzuteilen. Und eine solche schillernde Person oder eine solche kriminelle Person war Headley."

Über dieses Thema berichtete das Erste am 21. November 2018 um 21:45 Uhr in der Dokumentation "Spur des Terrors".

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