Barmer GEK Arztreport Hautkrebsrate steigt rasant

Stand: 04.02.2014 16:07 Uhr

Hautkrebs ist die häufigste Krebsart in Deutschland. Die Zahl der Erkrankten ist laut einem Barmer GEK-Report dramatisch gestiegen - auch weil das Risiko häufig unterschätzt wird. Dabei lässt sich dieser Krebs leicht verhindern.

Von Peter Mücke, NDR, ARD-Hauptstadtstudio

Hautkrebs ist die häufigste Krebsart in Deutschland - mit enormen Steigerungsraten: Bei der gefährlichsten Form, dem schwarzen Hautkrebs, stieg die Zahl zwischen 2005 und 2012 um 60 Prozent, beim sogenannten hellen Hautkrebs um 80 Prozent. Insgesamt waren 2012 knapp 1,6 Millionen Menschen von einer dieser beiden Diagnose betroffen: "Das sind rund zwei Prozent der Bevölkerung in Deutschland." Was für Barmer GEK-Vorstand Rolf-Ulrich Schlenker drei Dinge bedeutet: "Erstens: Hautkrebs ist ein deutlich unterschätztes Krankheitsrisiko. Zweitens: Hautkrebs ist vermeidbar. Man kann sich schützen durch Prophylaxe. Und drittens: Hautkrebs ist in einem frühen Stadium auch heilbar."

Früherkennungsgrenze streichen

Voraussetzung: Der Hautkrebs wird rechtzeitig erkannt. Seit Juli 2008 zahlen deshalb die gesetzlichen Krankenkassen alle zwei Jahre eine Hautkrebs-Vorsorge-Untersuchung beim Haus- oder Facharzt. Allerdings nur für Versicherte ab 35: "Wir halten die Altersgrenze für ausgesprochen problematisch", sagt Schlenker. "Wir haben immerhin jährlich mehr als 50.000 Menschen, die jünger sind als 35 Jahre, die an Hautkrebs erkranken." Deshalb hält er es für richtig, diese Früherkennungsgrenze zu streichen.

Ärztin untersucht ein Muttermal mit einem Auflichtmikroskop.
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Genauer Blick erforderlich: Die Hautkrebserkrankungen sind drastisch gestiegen.

Eine ungewöhnliche Forderung, denn für die Krankenkassen wäre das mit Mehrkosten verbunden. Zudem werden viele Vorsorgeuntersuchungen kritisch gesehen. Beim Hautkrebs-Screening ist das allerdings anders, sagt Thomas Grobe vom Göttinger AQUA-Institut: "Wir sehen, dass auch das bösartige oder maligne Melanom, erfreulicherweise eine relativ günstige Prognose hat." Wahrscheinlich deshalb, weil es in der Regel auch jetzt schon relativ frühzeitig entdeckt werde.

Auch durch das Vorsorge-Angebot der Kassen, das allerdings nur von rund einem Drittel der Berechtigten in Anspruch genommen wird. Viel zu wenig, sagt Grobes Kollege Joachim Szecsenyi: "Eine Teilnahme-Rate von 30 Prozent an so einem Screening-Programm ist nicht zufriedenstellend." Seiner Meinung nach müssten es 70 Prozent sein. "Wenn wir die schaffen, dann haben wir auch nicht mehr 3000 Tote am bösartigen Hautkrebs pro Jahr, was ja fast so viel ist wie Verkehrstote, sondern vielleicht nur noch die Hälfte", meint Szecsenyi. Das müsse das gemeinsame Ziel sein.

Vorsorge-Angebote regional unterschiedlich

Die Untersuchungen haben auch gezeigt: Das Vorsorge-Angebot wird regional sehr unterschiedlich wahrgenommen: In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen überdurchschnittlich oft, in den neuen Bundesländern dagegen deutlich weniger. Das Bewusstsein, wie gefährlich Hautkrebs sein kann, ist noch viel zu gering, sagt Kassen-Chef Schlenker und gibt einige Prophylaxe-Tipps: "Ganz banal: Schatten statt Sonne, Kleidung anziehen, dann vor allem Nase bedecken." Außerdem solle man Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor benutzen und auf die Nutzung von Solarien gänzlich verzichten. Und zwar egal in welchem Alter.

Dieser Beitrag lief am 04. Februar 2014 um 13:38 Uhr auf NDR Info.

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