Ein Arzt impft in seiner Praxis eine Patientin gegen das Coronavirus.  | dpa

Kritik an Verteilung Hausärzte fordern mehr Impfstoff

Stand: 14.04.2021 08:26 Uhr

Verbände der niedergelassenen Ärzten warnen vor einem Stocken der Impfkampagne. Sie fordern, dass mehr Impfstoff in die Praxen und nicht mehr in die Impfzentren geliefert wird. Das sehen Gesundheitspolitiker jedoch anders.

Die niedergelassenen Ärzte haben vor einem massiven Stocken der Corona-Impfkampagne in Deutschland gewarnt. "Den Praxen werden in den kommenden Wochen viel weniger BioNTech-Dosen zugewiesen als versprochen, weil der Impfstoff offensichtlich vorrangig an die Impfzentren geht", sagte Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Zwar erhalten die Arztpraxen laut Gassen als Ausgleich mehr Dosen des AstraZeneca-Impfstoffs. "Aber das wird so nicht aufgehen", warnte der Kassenärzte-Chef. "Wenn die Impfzentren komplett den vergleichsweise unproblematischen Impfstoff erhalten, die Praxen aber den umstrittenen, der zumal den unter 60-Jährigen nicht gespritzt werden darf, wird die Impfkampagne massiv ins Stocken geraten. Das darf nicht passieren."

KV: Reservedosen aufbrauchen

Auch die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) fordern eine stärkere Einbindung von Hausarztpraxen in die Impfaktion. In den Impfzentren sammelten sich bereits mehr als 3,5 Millionen unverimpfte Dosen. Das liegt allerdings daran, dass dort auch Vorräte für Zweitimpfungen vorgehalten werden. Dennoch kritisiert der Vorsitzende des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI), Dominik von Stillfried: "Das bremst den Impffortschritt." Um schnell mehr Menschen impfen zu können, sei es sinnvoll, zunächst nur noch die Arztpraxen mit Impfstoffen zu versorgen und die Impfzentren erst dann, wenn dort die Lagerbestände unverimpfter Dosen aufgebraucht seien. 

Rund 55.000 Arztpraxen könnten laut Stillfried derzeit in Deutschland gegen Corona impfen und gemeinsam etwa eine Million Dosen am Tag verabreichen. "Wenn die Impfzentren weiterhin nicht alle ihnen zugeteilten 2,25 Millionen Dosen pro Woche verimpfen, sollten sie zugunsten des Impfens in Praxen aufgelöst werden", fordert der ZI-Chef.

"Impfzentren sind genauso schnell"

Der Vorstoß stößt jedoch dem Bericht zufolge in vielen Bundesländern auf Widerspruch. Die Senatsverwaltung für Gesundheit in Bremen teilte demnach mit, dass die Impfzentren "in Umfang und Geschwindigkeit" den Hausärzten nicht unterlegen seien. Auch Hessen, Rheinland-Pfalz, Thüringen, Schleswig-Holstein, Sachsen und das Land Berlin hielten auf Anfrage der Zeitung daran fest, die Bevölkerung sowohl in Impfzentren als auch in Arztpraxen zu immunisieren. 

Auch das Gesundheitsministerium in Baden-Württemberg erteilte einer baldigen Schließung von Impfzentren eine Absage, deutete aber eine mögliche Anpassung in Zukunft an. "Mittelfristig sollen die Impfungen tatsächlich komplett in den niedergelassenen Praxen durchgeführt werden, denn da gehören sie sinnvollerweise hin", sagt eine Sprecherin. Zunächst würden aber die Kapazitäten von Praxen und Impfzentren gebracht. 

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 14. April 2021 um 06:21 Uhr.