Hardy Krüger | dpa

Trauer um Schauspieler Hardy Krüger mit 93 Jahren gestorben

Stand: 20.01.2022 15:12 Uhr

Er schaffte, wovon viele deutsche Schauspieler träumen: den Durchbruch auch in Hollywood. Später gelang Hardy Krüger auch eine Karriere als Schriftsteller. Nun ist er im Alter von 93 Jahren gestorben.

Hardy Krüger ist tot. Der Schauspieler und Schriftsteller starb im Alter von 93 Jahren in Kalifornien, wie seine Agentur mitteilte. "Seine Herzenswärme, seine Lebensfreude und sein unerschütterlicher Gerechtigkeitssinn werden ihn unvergessen machen", hieß es in einer Mitteilung. Er sei plötzlich und unerwartet in Palm Springs gestorben.

In rund 75 Filmen spielte Krüger - der lange in Kalifornien und Hamburg lebte - die Hauptrolle.

Ein Star an der Seite anderer Stars

Der 1928 als Franz Eberhard August Krüger geborene Berliner wuchs im nationalsozialistischen Deutschland auf. Mit 15 wurde er für den Propaganda-Film "Junge Adler" entdeckt. Bei Kriegsende war er 17 Jahre alt. Damals versuchte er sein Glück als Schauspieler in Hamburg. Ihm gelang eine Karriere auf deutschen Bühnen und als ewiger Sonnyboy in deutschen Unterhaltungsfilmen.

Der junge Hardy Krüger in einer Szene aus "Potato Fritz" | dpa

Der junge Hardy Krüger als "Potato Fritz" im gleichnamigen Film aus dem Jahr 1975. Bild: dpa

Als einem der wenigen deutschen Schauspieler gelang ihm aber auch der internationale Sprung. Den Durchbruch außerhalb Deutschlands schaffte er mit dem britischen Kriegsfilm "Einer kam durch". Dort spielte er die Hauptrolle als deutscher Fliegeroffizier Franz von Werra. An der Seite von John Wayne war er in "Hatari!" zu sehen. Gemeinsam mit James Stewart und Peter Finch spiele er in "Der Flug des Phoenix". 1963 erhielt das französische Filmdrama "Sonntage mit Sybill" einen Oscar - Krüger spielte darin einen Vietnam-Veteran, der sich die Schuld am Tod eines vietnamesischen Kindes gibt.

Der Kampf gegen rechts

Der Schauspieler selbst erhielt im Laufe seiner Karriere verschiedene Auszeichnungen, darunter den Bundesfilmpreis und das Große Verdienstkreuz. Krüger stand mit Stars wie Claudia Cardinale, Sean Connery, Yul Brynner, Charles Aznavour, Cathérine Deneuve und Orson Welles vor der Kamera und arbeitete mit Regisseuren wie Stanley Kubrick, Richard Attenborough und Laurence Olivier. Im Fernsehen schuf er als "Weltenbummler" in der gleichnamigen ARD-Reihe einen Klassiker. Mit seinem Buch "Eine Farm in Afrika" begann Krüger auch eine Karriere als Schriftsteller.

Der Schauspieler Hardy Krüger hält im Verlag Hoffmann und Campe sein Buch mit dem Titel "Ein Buch von Tod und Liebe" in den Händen. | dpa

Der Autor Krüger hält "Ein Buch von Tod und Liebe" in den Händen. Bild: dpa

Wenige Tage vor seinem 85. Geburtstag startete er eine Initiative gegen rechte Gewalt. Es waren die Schauspieler Hans Söhnker und Albert Florath, die seine Ansichten radikal veränderten. "In einem halben Jahr haben sie es geschafft, aus dem Adolf-Hitler-Schüler einen Anti-Nazi zu machen", sagte er damals bei der Vorstellung des Projektes in Hamburg. Auch in seinem letzten Buch, "Was das Leben sich erlaubt - Mein Deutschland und ich", nimmt er sich des Themas erneut an und erzählt von seinem Aufwachsen in NS-Deutschland.

Seine damaligen Co-Autoren sowie Agenten, Olaf Köhne und Peter Käfferlein, schrieben in der Mitteilung zum Tod Krügers: "Der Schauspieler, Schriftsteller und Weltenbummler engagierte sich zeitlebens gegen das Vergessen der Naziverbrechen. Der Kampf gegen Rassismus und die Aufklärung der Jugend waren sein persönliches Lebenswerk. Seine Herzenswärme, seine Lebensfreude und sein unerschütterlicher Gerechtigkeitssinn werden ihn unvergessen machen."

Hardy Krüger mit Sohn Hardy junior und Ehefrau Anita bei der Verleihung des Großen Verdienstkreuzes | dpa

Krüger mit Sohn Hardy junior und Ehefrau Anita bei der Verleihung des Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Bild: dpa

Bundespräsident Steinmeier lobt "großartigen Künstler"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bezeichnete Krüger als "großartigen Künstler". Mit Krüger verliere das Land einen großen deutschen Schauspieler, der auf der Bühne genauso zu Hause gewesen sei wie vor der Kamera. "Sein Wirken war von spürbarer Leidenschaft zum Fach, von unvergleichlicher Wandlungsfähigkeit und von beeindruckender Ausdruckskraft geprägt."

Kulturstaatsministerin Claudia Roth hob die "künstlerische Kraft" Krügers hervor. "Auch als Grenzgänger und überzeugter Demokrat bleibt sein bewundernswertes Engagement gegen Rechtsextremismus unvergessen", sagte die Grünen-Politikerin. Für Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda war Krüger eine "der wichtigsten Stimmen Nachkriegsdeutschlands", wie er auf Twitter mitteilte. Hamburg trauere um einen Weltenbürger mit Haltung.

"Hatte ein wunderschönes Leben"

Krüger war dreimal verheiratet, seit 1978 mit Anita Krüger. Zwei seiner drei Kinder - Malaika und Hardy Krüger junior - traten als Schauspieler in seine Fußstapfen.

Ein wunderschönes Leben habe er gehabt, fand Krüger selbst und blieb bis ins hohe Alter "neugierig und hungrig" auf noch mehr. Auch wenn er die deutsche Hauptstadt immer wieder als sein wirkliches Zuhause bezeichnete ("Meine Heimat ist Berlin, hier will ich auch beerdigt werden"), pendelte er lange Zeit seines Lebens zwischen Hamburg und Kalifornien. "Wenn Sie so leben dürfen, dass Sie etwas bedeuten für die Menschen, die auf der Straße anhalten und sagen: 'Vielen Dank!', dann müssen Sie verstehen, dass ich mich als einen sehr glücklichen Menschen betrachte", sagte Krüger einmal über seinen Lebensweg.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. Januar 2022 um 09:00 Uhr.