Hans Küng | picture alliance / Marijan Murat
Nachruf

Zum Tod von Hans Küng Ein frommer Rebell und Reformer

Stand: 06.04.2021 18:23 Uhr

Der Schweizer Theologe Küng war einer der populärsten Theologen und zählte zu den schärfsten Kritikern des Vatikans. Er engagierte sich für den Frieden der Religionen und für Reformen in der katholischen Kirche.

Von Ulrich Pick, SWR

Hans Küng war einer der bekanntesten, populärsten, aber auch kritischsten katholischen Theologen weltweit. Seine große Berühmtheit verdankte er maßgeblich einem Konflikt mit seiner Kirche. 1979 nämlich entzog ihm der Rottenburger Bischof Georg Moser in Absprache mit Rom die katholische Lehrerlaubnis. Hintergrund war ein zuvor von beiden Seiten hart geführter Disput um Küngs Buch: "Unfehlbar - eine Anfrage". Darin nahm er das Amt des Papstes unter die Lupe.  

Ulrich Pick

Wenn der Papst, beziehungsweise die Römische Kurie immer Recht hätten, wenn das, dem auch die Bischöfe notgedrungen oft zustimmten, wenn das von Vornherein stimmte, könnten sie keine Reformen durchführen, sagte Küng einst. "Warum soll man da immer nur kriechen? Warum soll man da mit einem schiefen Blick durch Gegend laufen", fragte er. "Ein aufrechter Gang geziemt auch einem Theologen", befand Küng.

Gründer der "Stiftung Weltethos"

Trotz dieser selbstbewussten Worte, schmerzte ihn der Lehrentzug erheblich. Schließlich hatte der 1928 im schweizerischen Sursee geborene Küng bereits eine steile Karriere vorzuweisen. Mit gerade einmal 32 Jahren erhielt er als jüngster katholischer Theologieprofessor einen Ruf an die Universität Tübingen. Und zwei Jahre später ernannte ihn Papst Johannes XXIII. - zusammen mit Joseph Ratzinger und Karl Rahner - zu einem von nur drei deutschen Beratern auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil.

Beschäftigte sich Küng vor seinem Lehrentzug fast ausschließlich mit Fragen der katholischen Theologie, widmete er sich nun als Direktor des unabhängigen Tübinger Instituts für ökumenische Forschung auch den großen Weltreligionen. Zwar meldete er sich immer wieder mit kritischen Tönen über den reformunwilligen Vatikan und die schleppende christliche Ökumene zu Wort, sein Arbeitsschwerpunkt lag aber auf der von ihm ins Leben gerufenen "Stiftung Weltethos".

Frieden der Religionen, Frieden der Völker

Frieden unter den Völkern und Staaten sei nur dann möglich, wenn sich die Religionen und Konfessionen versöhnten, so die zentrale These des Projekts. In dieser Sache reiste Küng um die Erde. Er drehte mit dem SWR die siebenteilige Fernsehserie "Spurensuche" über die Weltreligionen und sprach im November 2001 vor den Vereinten Nationen.

Zu einer Versöhnung mit Rom, die er sich stets gewünscht hatte, sollte es nicht mehr kommen. Zwar traf sich Küng im Herbst 2005 mit Papst Benedikt XVI. - seinem ehemaligen Tübinger Kollegen Joseph Ratzinger - zu einem Gespräch. Dieses blieb jedoch ohne Konsequenzen.

Hoffnungen an Papst Franziskus

Angesichts des Skandals um sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche knüpfte Küng große Hoffnungen an Papst Franziskus. "Entweder er macht voran. Dann wird er rasch Zustimmung weit, weit über die katholische Kirche hinaus gewinnen", sagte Küng. "Oder er macht nicht voran. Dann muss er damit rechnen, dass also der Spruch "Empöret euch!" auch in der katholischen Kirche Einzug hält."

Nun ist Hans Küng im Alter von 93 Jahren gestorben. Aufgrund seines ebenso eigensinnigen wie reformerischen Geistes und seiner anhaltenden Kritik am Vatikan dürfte Küng noch lang als frommer Rebell, ökumenischer Unruhestifter oder katholischer Reformer in Erinnerung bleiben.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 06. April 2021 um 18:00 Uhr.