Bauarbeiter stehen in Kiel auf einem Baugerüst an der Baustelle eines Wohn- und Geschäftshauses. | Bildquelle: dpa

Handwerkermangel Warten, bis das Dach gedeckt ist

Stand: 15.05.2019 16:47 Uhr

Wer einen Handwerker braucht, wartet im Durchschnitt fast zehn Wochen. Nach Angaben des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks sind viele Betriebe sehr gut ausgelastet, außerdem mangele es an Nachwuchs.

Viele Aufträge, hohe Auslastung, Mangel an Fachkräften: Kunden warten deshalb immer länger auf einen Handwerker. Im Durchschnitt dauert es inzwischen fast zehn Wochen, bis ein Auftrag erfüllt werden kann. Wie aus dem Konjunkturbericht des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) hervorgeht, ist die Tendenz weiter steigend. Noch länger seien die Wartezeiten bei Handwerkern, die auf dem Bau oder im Ausbau arbeiteten. Auf sie müssten Kunden sogar bis zu 14 Wochen warten.

Der Kunde wird mehr noch bezahlen müssen

Laut ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke läuft die Konjunktur im Handwerk weiter auf Hochtouren. So wird es nach Einschätzung der Betriebe im Laufe des Jahres auch weitergehen. In der Frühjahrsbefragung haben sie die aktuelle Geschäftslage sowie die Umsatzentwicklung besser als jemals zuvor bewertet. Die Endpreise für Kunden steigen dabei weiter. Ursachen sind laut ZDH höhere Löhne und Lohnzusatzkosten sowie gestiegene Einkaufspreise für Rohstoffe, Material und Energie. Mehr als jeder dritte Betrieb hat nach eigenen Angaben im ersten Quartal die Preise erhöht.

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Gleichzeitig klagt der Verband über zu viel Bürokratie. Grund seien zusätzliche arbeitsrechtliche Vorschriften und Sozialabgaben. Außerdem fordert der ZDH erneut steuerliche Entlastungen. Generalsekretär Schwannecke wirft der Politik vor, "eine verteilende Sozialpolitik" zu betreiben, wo "Wirtschaftspolitik und Wettbewerbsstärkung nötig wären." In der politischen und gesellschaftlichen Wahrnehmung scheine zunehmend aus dem Blick zu geraten, "wer unseren Wohlstand und die Mittel für unseren Sozialstaat erarbeite und erwirtschafte", so Schwannecke. Das seien die Betriebe mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Handwerk.

Der Meisterbrief braucht eine Renaissance

Der Handwerksverband pocht außerdem weiter auf die Wiedereinführung der Meisterpflicht in vielen Berufen. 2004 wurde sie in mehr als 50 Gewerken abgeschafft. Etwa für Rolladen- und Jalousienbauer, Gold- und Silberschmiede oder Fliesenleger. Mit der Reform der Handwerksordnung wollte die Bundesregierung damals einfachere Tätigkeiten für Selbstständige öffnen. Befürworter argumentieren, dies habe zu einem größeren Angebot und mehr Auswahl für die Kunden geführt. Das ist laut ZDH aber nicht der Fall, die Abschaffung der Meisterpflicht habe in vielen Berufen Marktverzerrungen und Qualitätsprobleme verursacht.

Regierung will Handwerksordnung überarbeiten

Die schwarz-rote Koalition hatte zuletzt angekündigt, den Meisterbrief wieder zu stärken. Eine Arbeitsgruppe von Union und SPD hatte sich Anfang April auf Eckpunkte für eine Änderung der Handwerksordnung verständigt. Es soll nun ein Gesetzentwurf erarbeitet werden, der im Herbst im Bundestag beraten werden soll.

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