Anhänger des rechtspopulistischen Bündnis Pro Chemnitz bei einer Demonstration  | Bildquelle: AFP

Nach Ausschreitungen in Chemnitz Handel warnt vor "Klima der Angst"

Stand: 09.09.2018 11:00 Uhr

Übergriffe auf Ausländer, Ausgrenzung und Diskussionen über Grenzschließungen - angesichts des politischen und gesellschaftlichen Klimas in Deutschland sieht der Handelsverband den Wirtschaftsstandort in Gefahr.

Nach den Ausschreitungen in Chemnitz hat der Handelsverband Deutschland vor einem hysterischen "Klima der Angst" in Deutschland gewarnt. "Alle, die das Bild eines toleranten Deutschlands stören, gefährden erheblich unser Zusammenleben und auch den Wirtschaftsstandort", schrieb der Präsident des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Josef Sanktjohanser, in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft seien gefordert, Ausgrenzung und wachsender Verunsicherung in der Gesellschaft entschieden entgegenzutreten, mahnte Sanktjohanser. Die Gesellschaft dürfe nicht zulassen, dass "rechte Kreise" den Eindruck erzeugten, dass hierzulande Intoleranz an der Tagesordnung sei.

Josef Sanktjohanser Präsident des Handelsverbandes Deutschland (HDE) | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Der Präsident des Handelsverbandes Deutschland, Josef Sanktjohanser, hat einen offenen Brief an Kanzlerin Merkel geschrieben.

Fachkräftemangel könnte sich verschärfen

Sanktjohanser verwies auf den drohenden massiven Fachkräftemangel in Deutschland. Die Unternehmen könnten nicht länger auf das große Potenzial internationaler Arbeitskräfte verzichten. "Deshalb sollten wir alle dafür sorgen, dass Menschen aus anderen Ländern gerne zu uns kommen, um diese Lücken zu füllen und damit den Wohlstand unseres Landes für die Zukunft zu sichern", schrieb der HDE-Präsident.

Außerdem warnte er entschieden davor, die Freizügigkeit in Europa einzuschränken. Es sei schlichtweg gegen das Interesse des deutschen Handels, wenn über die Wiedereinführung von Grenzkontrollen im Schengen-Raum diskutiert werde. "Das bedeutet den Verlust von Freizügigkeit, unkalkulierbare Wartezeiten an den Grenzen und eine empfindliche Störung des europäischen Binnenmarktes."

Mit Sorge betrachtet Sanktjohanser auch die aktuellen Handelskonflikte und den dadurch ausgelösten Zollwettlauf zwischen den Wirtschaftsmächten. Dies treffe den Handel und die Weltgemeinschaft ins Mark. "Wir brauchen mehr Kooperation und mehr Öffnung und nicht mehr Konfrontation auf allen Seiten".

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 09. September 2018 um 07:00 Uhr.

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