Am Brüder Grimm-Denkmal auf dem Hanauer Marktplatz wird an die Opfer des rassistisch motivierten Anschlags erinnert | dpa

Keine Mitwisser oder Helfer Ermittlungen zu Hanau-Anschlag eingestellt

Stand: 16.12.2021 13:37 Uhr

Der Attentäter, der 2020 in Hanau neun Menschen erschoss, hatte laut Bundesanwaltschaft keine Helfer oder Mitwisser. Die Ermittlungen wurden damit eingestellt. Für Angehörige von Opfern bleiben aber Fragen offen.

Der Attentäter von Hanau hatte bei dem rassistischen Anschlag vom 19. Februar 2020 mit neun Toten nach Einschätzung der Bundesanwaltschaft keine Mitwisser oder Gehilfen. Das gegen Unbekannt geführte Ermittlungsverfahren zu dem Anschlag sei eingestellt worden, teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit.

"Nach Ausschöpfung aller relevanten Ermittlungsansätze haben sich keine zureichenden tatsächlichen Anhaltspunkte für eine Beteiligung weiterer Personen als Mittäter, Anstifter, Gehilfen oder Mitwisser ergeben", hieß es in einer Erklärung.

Angehörige sehen weiter offene Fragen

Auch Anhaltspunkte für eine Tatbeteiligung des Vaters von Tobias R. gab es laut Bundesanwaltschaft nicht. Mehrere Angehörige von Todesopfern sowie Überlebende hatten ihm Beihilfe zum Mord oder zumindest Nichtanzeige geplanter Straftaten vorgeworfen. Nach der Einstellung der Ermittlungen teilten sie nun mit, sie hielten die Rolle des Vaters weiterhin für "nicht ausermittelt". Auch blieben offene Fragen wie die zur Waffenerlaubnis für den Täter sowie zu dem in der Tatnacht überlasteten Hanauer Polizei-Notruf 110. Ein Behördenversagen stehe damit weiter im Raum.

"Aus rassistischer Motivation" gehandelt

Die Ermittler kamen zu dem Ergebnis, dass der 43-jährige R. "aus einer rassistischen Motivation heraus" am 19. Februar 2020 zwischen 21.55 Uhr und 22.01 Uhr in Hanau insgesamt neun Menschen erschossen und zahlreiche weitere Menschen teils schwer verletzt habe. Unter den Opfern waren Menschen mit türkischen, kurdischen, bulgarischen, rumänischen und afghanischen Wurzeln sowie eine deutsche Romni.

Anschließend sei R. in das auch von ihm bewohnte Elternhaus zurückgekehrt, wo er zunächst seiner Mutter und dann sich selbst mit einer Schusswaffe das Leben genommen habe.

Die Bundesanwaltschaft und das Bundeskriminalamt seien rund 300 Hinweisen und Spuren zur Aufklärung der Hintergründe des Anschlags nachgegangen, darunter auch den Anregungen der Opferanwälte. Es seien zahlreiche Kontaktpersonen intensiv in den Blick genommen worden, mit denen Tobias R. in seinen letzten Jahren in Verbindung gestanden habe.

"Insgesamt wurden über 400 Zeugen vernommen sowie mehrere Hundert Asservate durch die Kriminaltechnik untersucht", hieß es. "Dabei haben sich keine Hinweise darauf ergeben, dass andere Personen in die Anschlagspläne von Tobias R. eingeweiht gewesen sein könnten."

Untersuchungsausschuss im Landtag

Der Generalbundesanwalt hatte die Ermittlungen noch in der Tatnacht an sich gezogen. Derzeit läuft auch ein Untersuchungsausschuss des Hessischen Landtags, der vor allem der Frage nachgeht, ob es vor, während oder nach der Tat zu einem Behördenversagen gekommen ist.

In der zweiten öffentlichen Sitzung des Ausschusses werden an diesem Freitag drei weitere Angehörige von Anschlagsopfern als Zeugen gehört, danach stehen noch zwei weitere öffentliche Sitzungstermine am 20. Dezember sowie am 21. Januar an, bei denen Angehörige zu Wort kommen sollen.

Sie hatten sich in der "Initiative 19. Februar Hanau" zusammengeschlossen, die eine lückenlose Aufklärung und Konsequenzen aus der Tat fordert.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 16. Dezember 2021 um 11:04 Uhr.