Ein Demonstrant wirft einen Stein auf Polizisten | Bildquelle: AFP

Krawalle in Hamburg "Gewalt - an sich selbst berauscht"

Stand: 08.07.2017 09:14 Uhr

Über Stunden war das Schanzenviertel in Hamburg in der Nacht ein rechtsfreier Raum. Randalierer und Krawall-Touristen zündeten Feuer an, plünderten Geschäfte. "Das hab ich noch nie erlebt", berichtet eine Anwohnerin.

Von Manuel Daubenberger, NDR

Wenn sich der Sprecher des linksautonomen Zentrums "Rote Flora" am frühen Morgen darüber beschwert, dass die Polizei zu spät eingegriffen habe, liegt definitiv eine besondere Nacht hinter dem Schanzenviertel.

Mehrere Stunden lang zünden Randalierer Barrikaden an und plündern mehrere Geschäfte. Ob Supermarkt, Drogerie oder Bankfiliale - viele Geschäfte werden demoliert. Das Schanzenviertel wird über Stunden zum rechtsfreien Raum.

Polizei räumt Schanzenviertel
tagesschau 01:45 Uhr, 08.07.2017, Claudia Drexel, NDR

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Hunderte Schaulustige

Erst gegen 23 Uhr riegelt die Polizei das Viertel von zwei Seiten ab und greift ein. Drumherum absurde Bilder: Einige Menschen sitzen beim Wochenendbier - so als würde nichts passieren. Auf der Partymeile sind Hunderte Schaulustige unterwegs: Betrunkene Jugendliche nutzen die Gelegenheit, um einfach auch mal eine Flasche Richtung Polizei zu werfen, andere posieren für Selfies vor Polizei-Hundertschaften und Wasserwerfern. Politischer Protest sieht so nicht aus.

Vor der "Roten Flora" ist eine junge Frau mit Rollschuhen unterwegs. Wie brenzlig die Lage ist, scheint ihr nicht bewusst zu sein. Denn wenn Polizei oder Schwarzer Block in ihre Richtung rennen, wird sie auf dem Kopfsteinpflaster kaum davonkommen.

Geruch von verbranntem Plastik

In der Nacht machen Gerüchte die Runde, dass die Polizei, die "Rote Flora" stürmen würde. Später wird dies sowohl von der Polizei als auch vom Sprecher des linksautonomen Zentrums dementiert, aber in dieser unübersichtlichen Nacht schien zwischendurch alles möglich zu sein. Ein eigenes Bild können sich Journalisten zu diesem Zeitpunkt nicht mehr machen, die Polizei hat den Bereich zwischenzeitlich auch für Journalisten abgeriegelt.

Einige Stunden später steht Andreas Blechschmidt, der Sprecher der "Roten Flora" und Anmelder der "Welcome to Hell"-Demo in der Morgendämmerung auf einem Trümmerfeld. Feuerwehr und Wasserwerfer löschen die letzten brennenden Barrikaden. Überall liegen Pflastersteine, zerbrochene Flaschen und kaputte Schaufensterscheiben. Der Geruch von verbranntem Plastik liegt in der Luft.

Rauch über dem Hamburger Schanzenviertel | Bildquelle: AP
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Dichter Rauch über dem Hamburger Schanzenviertel

Drogerie im Schanzenviertel | Bildquelle: REUTERS
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Eine zerstörte Drogerie im Schanzenviertel.

"Ich kenne die Mai-Demos, aber das hab ich noch nie erlebt"

Blechschmidt sieht mitgenommen aus: "Wir haben den Eindruck gehabt, dass sich hier etwas verselbstständigt hat und dass hier eine Form der Militanz auf die Straßen getragen wurde, die sich an sich selbst berauscht hat. Und das finden wir politisch und inhaltlich falsch." Es gehe darum, die Politiker des G20-Gipfels als die Verantwortlichen für Hunger und Krieg zu markieren, aber nicht darum, Geschäfte oder Autos von Anwohnern anzuzünden. Auch die protesterfahrenen Anwohner haben so etwas noch nicht erlebt: "Ich kenne die Mai-Demos, aber das hab ich noch nie erlebt", berichtet eine Anwohnerin. "Das war furchtbar", sagt die Frau, die schon Jahre im Viertel wohnt.

Die Polizei verteidigt am Morgen ihre harte Linie. "Das hat mit der Wahrnehmung von Grundrechten nichts mehr zu tun", teilen die Beamten mit. "Wie wollen Sie dem anders begegnen?" Über diese lange Nacht in der Schanze wird Hamburg wohl noch sehr lange sprechen.

Das Schanzenviertel nach der Krawallnacht
Anna Rüter, NDR
08.07.2017 07:12 Uhr

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ber dieses Thema berichteten die Tagesschau am 08. Juli 2017 um 01:45 Uhr und Tagesschau24 um 09:00 Uhr.

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