Kerzen stehen an der Unfallstelle im Hambacher Forst. | Bildquelle: dpa

Hambacher Forst Widersprüche nach Tod eines Journalisten

Stand: 20.09.2018 17:56 Uhr

  • Nach tödlichem Unfall: Polizei präzisiert frühere Angaben zum Polizeieinsatz
  • Aktivisten erheben Vorwürfe gegen die Polizei
  • Staatsanwaltschaft geht nicht von Fremdverschulden aus

Zum Zeitpunkt des tödlichen Sturzes im Hambacher Forst hat es offenbar doch einen Polizeieinsatz gegeben. Das hat die Aachener Polizei am Donnerstag (20.09.2018) gegenüber dem WDR erklärt und damit Angaben der Aktivisten bestätigt. Zuvor hatte die Polizei bestritten, dass es einen Einsatz in der Nähe des Unfalls gegeben hatte.

Zwei Höhenretter auf einer Hebebühne

Ein Polizeisprecher, der selbst Augenzeuge des Unglücks war, sagte dem WDR, rund 20 Meter neben der Absturzstelle hätten zwei Höhenretter der Polizei auf einer Hebebühne versucht, einen Aktivisten aus einem Baum zu holen. Ob der abgestürzte Journalist diese Szene filmen wollte, ist laut Polizei möglich, aber nicht eindeutig geklärt.

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Trauer und Gedenken im Hambacher Forst

Ein Mann sitzt vor einem Plakat ("We love you and never forget") im Wald

Im Hambacher Forst haben sich am Tag nach dem tödlichen Unfall eines Bloggers viele Menschen getroffen, um ein Zeichen zu setzen.

Zeitgleich hätten sich ein weiterer Polizist und ein Journalist unterhalb der Hängebrücke befunden, von der der junge Mann abgestürzt war. Der Polizist hätte dabei helfen wollen, eine volle Speicherkarte für eine Kamera des späteren Unfallopfers auszutauschen.

Aktivisten: Pressearbeit am Boden wurde verwehrt

Damit bestätigt die Polizei nachträglich Angaben der Aktivisten von "Hambi bleibt!". Von der Situation gibt es auch ein Handy-Video, das WDR-Reporter ansehen konnten. Es zeigt den tödlichen Unfall und eine Hebebühne im Hintergrund.

Eine Sprecherin der Baumbesetzer sagte, der Unfall sei nicht als gesonderter Vorfall zu betrachten, sondern im Zusammenhang mit der Räumung zu sehen, die an dem Morgen begonnen hatte. Die Polizei habe dem Mann die Pressearbeit "auf dem Boden verwehrt". Deshalb sei er nach oben geklettert, um das Geschehen besser dokumentieren zu können.

Das Symbol gegen die Braunkohle - der Hambacher Forst
wdr
21.09.2018 19:00 Uhr

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Staatsanwaltschaft: Kein Fremdverschulden

Die Staatsanwaltschaft teilte unterdessen am Donnerstag mit, nach den bisherigen Ermittlungen lägen keine Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden vor. Mehrere Zeugen hätten übereinstimmend berichtet, dass sich der Verstorbene alleine und ungesichert auf der Brücke aufgehalten habe. Das gehe auch aus der Auswertung seiner Helmkamera hervor.

In ihrer Pressemitteilung beruft sich die Oberstaatsanwältin auf Aktivisten, die ausgesagt hätten, die Hängebrücke sei vorbeschädigt gewesen. Noch bevor der Journalist den eigenen Klettergurt zur Sicherung einhängen konnte, habe ein Trittholz nachgegeben und der junge Mann sei ca. 15 Meter in die Tiefe gestürzt.

Fachanwalt: "Bauaufsicht kann einschreiten, muss aber nicht"
wdr
21.09.2018 08:45 Uhr

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