Ein Ermittler untersucht ein Einschussloch in Halle.  | Bildquelle: dpa

Anschlag in Halle Hatte der Täter Unterstützer?

Stand: 11.10.2019 22:21 Uhr

Nach dem Attentat von Halle suchen die Ermittler nach möglichen Unterstützern. Der 27-jährige Täter hatte gestanden und rechtsextremistische, antisemitische Motive angegeben.

Die Ermittler im Fall des Attentats von Halle untersuchen die Frage, ob der Täter Unterstützer hatte. "Die weiteren Ermittlungen werden sich insbesondere mit der Frage befassen, ob neben Stephan B. weitere Personen in die Tat oder deren Vorbereitung eingebunden waren", teilte das Bundeskriminalamt (BKA) mit. Das BKA hatte die Ermittlungen wegen der besonderen Bedeutung des Falls von der örtlichen Polizei in Halle übernommen.

Derzeit arbeiten demnach mehr als 150 Einsatzkräfte an dem Fall. Beamte des polizeilichen Staatsschutzes und die BKA-Tatortgruppe seien in Halle vor Ort. Neben eigenen Experten für Waffen, Sprengstoff oder IT-Forensik kann das BKA auch auf Unterstützung der europäischen Polizeibehörde Europol zurückgreifen.

Umgang mit Waffen bei der Bundeswehr erlernt

Der "Spiegel" berichtet, dass der Täter 2010 und 2011 seinen sechsmonatigen Dienst absolviert hatte. Damals galt noch die inzwischen ausgesetzte Wehrpflicht. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte der Deutschen Presseagentur, der Mann habe in der Zeit vor Aussetzung der Wehrpflicht seine Grundausbildung abgeleistet. Damit hat er automatisch eine Ausbildung an der Waffe gehabt.

Waffen offenbar selbst hergestellt

Nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden hatte der Täter bei seinem Angriff auf die Synagoge vier Schusswaffen und mehrere Sprengsätze bei sich. Ermittler fanden in Wohnräumen des Tatverdächtigen einen 3D-Drucker, was den Verdacht untermauert, er habe seine Waffen selbst hergestellt.

Wie "Zeit Online" berichtete, bereitete der Mann seine Taten spätestens seit dem Frühsommer vor. Die vorläufige Auswertung der Geldbewegungen seines Sparkassen-Kontos ergab demnach, dass er Teile des Zubehörs für seine Waffen im Internet kaufte. Unter anderem soll er im Mai Material für den 3D-Drucker erworben haben.

Der 27-Jährige war am Mittwoch festgenommen worden. Er gestand, vor der Synagoge eine 40-Jährige aus Halle und in einem nahe gelegenen Döner-Imbiss einen 20 Jahre alten Mann aus Merseburg erschossen zu haben. Zuvor hatte er vergeblich versucht, die Synagoge mit Waffengewalt zu stürmen. 51 Menschen hielten sich zu dem Zeitpunkt in dem Gotteshaus auf und feierten das wichtigste jüdische Fest, Jom Kippur.

Auf der Flucht verletzte der Täter zudem eine 40 Jahre alte Frau und deren 41 Jahre alten Mann mit Schüssen. Das Paar wird im Krankenhaus behandelt.

Seehofer sieht hohes rechtsextremes Gewaltpotenzial

Innenminister Horst Seehofer bezeichnete die Bedrohungslage durch Antisemitismus in Deutschland als "sehr hoch". Etwa 24.000 Rechtsextremisten gebe es in Deutschland - geschätzt die Hälfte davon sei potenziell gewaltbereit, sagte er in den tagesthemen. Mit Blick auf Halle und auf das - auch virtuelle - Umfeld von Attentätern sagte Seehofer, man sollte nicht von einem Einzeltäter sprechen.

Mehr Schutz für jüdische Einrichtungen gefordert

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht forderte einen besseren Schutz der jüdischen Gemeinden. Auch CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer mahnte einen besseren Schutz jüdischer Einrichtungen an. Zudem müssten rechtsextremistische, antisemitische und auch islamistische Netzwerke zerschlagen werden, forderte Kramp-Karrenbauer im "Tagesspiegel".

Die EU-Antisemitismusbeauftragte Katharina von Schnurbein rief alle EU-Mitgliedstaaten in einem Brief auf, jüdische Einrichtungen ausreichend zu schützen und die Finanzierung der Sicherheitsmaßnahmen zu übernehmen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. Oktober 2019 um 20:00 Uhr.

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