Bundesankläger Kai Lohse (re.), Staatsanwalt Christoph Birkenholz (li.) und Staatsanwalt Stefan Schmidt. | Bildquelle: AFP

Plädoyer der Bundesanwaltschaft Halle-Attentäter soll lebenslang in Haft

Stand: 18.11.2020 17:29 Uhr

Im Prozess zum Terroranschlag auf die Synagoge in Halle hat die Bundesanwaltschaft lebenslange Haft für den mutmaßlichen Attentäter gefordert. Bundesanwalt Lohse sprach von einem der "widerwärtigsten antisemitischen Akte seit dem Zweiten Weltkrieg".

Der Attentäter von Halle soll nach dem Willen der Anklage für den Rest seines Lebens hinter Gitter. Die Bundesanwaltschaft forderte eine lebenslange Freiheitsstrafe für den Rechtsextremisten, die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld sowie anschließende Sicherungsverwahrung. Er soll unter anderem wegen Mordes, versuchten Mordes, Volksverhetzung und versuchter räuberischer Erpressung verurteilt werden.

Bundesanwalt Kai Lohse bezeichnete die Tat in seinem Schlussvortrag als "Albtraum" und sprach von einem der "widerwärtigsten antisemitischen Akte seit dem Zweiten Weltkrieg". Mit der Tat habe der Angeklagte nicht nur Gäste der Synagoge in Halle angegriffen, sondern das jüdische Leben in Deutschland insgesamt. "Damit zielte der Täter auf uns alle, denn das jüdische Leben ist ein unverzichtbarer Teil unseres Landes", so der Ankläger.

Mit dem Anschlag habe der 28-Jährige "seine von Misserfolgen und Versagen geprägte Existenz" überhöhen und ihr eine besondere Bedeutung verleihen wollen. Der Anklagevertreter äußerte zugleich großen Respekt für die Opfer des Anschlags. Viele von ihnen, darunter Überlebende aus der Synagoge und dem Döner-Imbiss sowie verletzte Polizisten und Passanten, hatten im Prozess ausgesagt. "Im Verlauf der Hauptverhandlung wurde immer wieder und in vielen berührenden Momenten offenbar, welches Leid der Täter seinen Opfern angefügt hat", sagte der Bundesanwalt über die Aussagen der Überlebenden und Hinterbliebenen. "Das Erlebte hat bleibende Spuren hinterlassen."

Lohse: "Fairer Prozess"

Umso bemerkenswerter sei, wie couragiert die Überlebenden dem Angeklagten entgegengetreten seien. In dem Prozess sei es dem Gericht gelungen, den Opfern genug Raum zu geben, ohne die Rechte des Angeklagten zu beschneiden oder das juristische Ziel des Verfahrens, die Feststellung der Schuld, aus den Augen zu verlieren. "Der Angeklagte hat hier keine Bühne erhalten, menschenverachtende Ideologien zu verbreiten", sagte Lohse. "Gleichwohl wurden seine Rechte gewahrt und niemand wird behaupten können, dass dies kein fairer Prozess war."

Der 28-jährige Deutsche Stephan B. hatte in dem Prozess gestanden, dass er am 9. Oktober 2019 versucht hatte, die 51 Menschen zu töten, die in der Synagoge von Halle den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur feierten. Als er an der massiven Tür scheiterte, erschoss der Täter eine Passantin, später einen jungen Mann in einem Döner-Imbiss und verletzte weitere Menschen. Er begründete die Taten mit antisemitischen, rassistischen Verschwörungstheorien. Seit Juli läuft der Prozess vor dem Oberlandesgericht Naumburg, die Verhandlung findet aus Platzgründen in Magdeburg statt.

Zuvor hatte die vorsitzende Richterin Ursula Mertens die Beweisaufnahme am 21. Prozesstag des Hauptverfahrens geschlossen.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 18. November 2020 um 16:00 Uhr.

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