Polizisten bewachen das Gelände der Synagoge von Halle | Bildquelle: FILIP SINGER/EPA-EFE/REX

Tödliche Schüsse in Halle Wohnung des Tatverdächtigen durchsucht

Stand: 10.10.2019 12:05 Uhr

Am Morgen nach dem Anschlag von Halle (Saale) hat die Polizei die Wohnung des Tatverdächtigen durchsucht und Beweismittel sichergestellt. Am Nachmittag wollen Innenminister Seehofer und die Polizei über die Ermittlungen informieren.

Nach dem Angriff auf die Synagoge in Halle (Saale) ist die Wohnung des mutmaßlichen Täters durchsucht worden. Das bestätigte die Bundesanwaltschaft. Dabei seien Beweismittel sichergestellt worden, sagte ein Sprecher.

"Er hat geplant, Menschen zu töten"

Die Bundesanwaltschaft sieht die Tat rechtsextremistisch und antisemitisch motiviert - auch das Bekennervideo sei eindeutig antisemitisch und rechtsextremistisch. "Er hat geplant, Menschen zu töten", so ein Ermittler. Letztlich habe er aber seinen Anschlagsplan nicht umsetzen können. Einzelheiten über den offenbar verletzten 27-jährigen Stephan B. aus Sachsen-Anhalt wurden zunächst nicht bekannt. Derzeit wird das Umfeld des Mannes ermittelt.

Laut dem MDR soll der Tatverdächtige in Benndorf bei Eisleben zusammen mit seiner Mutter gelebt haben. Er war zuvor offenbar nicht als Rechtsextremer aufgefallen. Geprüft werde, ob es Mittäter gegeben habe.

Die Bundesanwaltschaft sieht in dem Angriff eine staatsgefährdende Tat. Ermittelt wird unter anderem wegen Mordes und Mordversuchs. Übernommen hat die oberste Anklagebehörde das Ermittlungsverfahren wegen des "spezifischen staatsgefährdenden Charakters der Tat und der besonderen Bedeutung des Falles.

Fahrzeug abgeschleppt

Im Zusammenhang mit dem Anschlag wurde am Morgen im 15 Kilometer von Halle entfernten Landsberg ein dunkelgraues Auto abgeschleppt. Nach Informationen eines dpa-Reporters ist das Kennzeichen identisch mit dem des Fahrzeugs, hinter dem sich der Täter in Halle verschanzt hatte und Schüsse abgegeben hatte.

Polizisten im Stadtteil Wiedersdorf machten keine Angaben dazu. Kurz nach dem Angriff eines mutmaßlichen Rechtsextremisten auf die Synagoge am Mittwoch mit zwei Toten war Wiedersdorf abgeriegelt worden. Auch dort waren Schüsse gefallen. Mehrere Häuser wurden durchsucht. Mit Maschinenpistolen in den Händen gingen Polizisten durch die Straßen des Ortsteils. Am Donnerstagmorgen wurde die Sperrzone aufgehoben.

Nach unbestätigten Medienberichten war der Täter nach den Schüssen in Halle mit dem Auto nach Landsberg geflüchtet, hatte dort in einer Autowerkstatt mehrere Menschen bedroht und sich ein neues Fluchtauto besorgt. Ein Mitarbeiter in der Garage wollte sich nicht zu den Vorfällen äußern, weil er Zeuge sei. Mit dem neuen Auto baute der flüchtige Täter den unbestätigten Berichten zufolge einen Unfall und wurde an der B91 südlich von Halle festgenommen.

Seehofer in Halle erwartet

Innenminister Horst Seehofer reist noch heute nach Halle. Er will an der Synagoge mit Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff, Landesinnenminister Holger Stahlknecht und dem Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, zusammentreffen. Anschließend ist ein Besuch des Döner-Imbisses geplant, in dem gestern ein Mann erschossen worden war. Um 15.00 Uhr ist eine gemeinsame Pressekonferenz in der Polizeiinspektion Halle geplant. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier will noch heute die Synagoge besuchen.

Ein schwerbewaffneter Mann hatte gestern versucht, in die Synagoge einzudringen und dort unter Dutzenden Gläubigen ein Blutbad anzurichten. Der Versuch scheiterte, woraufhin er vor der Synagoge und danach in einem nahen Döner-Imbiss zwei Menschen erschoss und mindestens zwei weitere verletzte. Der mutmaßliche Täter, bei dem es sich um einen Rechtsextremisten handeln soll, wurde festgenommen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 10. Oktober 2019 um 11:00 Uhr.

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