Polizisten vor der Synagoge in Hagen | dpa

Möglicherweise vereitelter Anschlag Zentralrat der Juden zeigt sich entsetzt

Stand: 17.09.2021 00:05 Uhr

Nach dem offenbar vereitelten Anschlag auf die Synagoge in Hagen haben sich Vertreter der jüdischen Gemeinde bestürzt gezeigt. Von den vier festgenommenen Syrern wurden drei wieder freigelassen.

Die Vereitelung eines mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlags auf die Synagoge in Hagen hat in der jüdischen Gemeinde Entsetzen ausgelöst. "Der Vorfall weckt schlimme Erinnerungen an den Anschlag an Jom Kippur vor zwei Jahren in Halle", erklärte der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster. Er dankte auch der Polizei: "Wir danken den Sicherheitsbehörden, die offenbar einen Anschlag auf die Synagoge in Hagen verhindert haben."

Die frühere Präsidentin des Zentralrats, Charlotte Knobloch, erklärte, der mutmaßliche Anschlagsversuch zeige erneut, "dass jüdisches Leben ohne Angst in Deutschland noch immer nicht möglich ist, allen guten Worten zum Trotz." Ohne Polizeischutz sei es weiterhin undenkbar. "Wer mit Kippa unterwegs ist, wer eine Davidsternkette trägt oder wer am Abend des höchsten jüdischen Feiertages zu seiner Synagoge aufbricht, der begibt sich in Gefahr - so denken inzwischen viele in der jüdischen Gemeinschaft", sagte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München.

Drei Festgenommene freigelassen

Ein vorläufig festgenommener 16-jähriger Syrer bestritt unterdessen laut einem Medienbericht die Anschlagspläne. Den Kontakt zu einem Bombenbau-Experten über die Messaging-App Telegram hat er nach den Worten eines Sprechers der Generalstaatsanwaltschaft zugegeben, Anschlagsabsichten auf die Synagoge aber bestritten. Bei einer Wohnungsdurchsuchung waren auch sein Vater und zwei Brüder angetroffen und ebenfalls festgenommen worden. Gegen sie bestehe aber derzeit kein Tatverdacht, betonte der Sprecher. Am Abend seien die drei daher wieder freigelassen worden.

Wie der "Kölner Stadt-Anzeiger" berichtet, versuchen die Staatsschützer und die Anti-Terror-Abteilung der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf nun, anhand der Auswertung des Handys des Beschuldigten seine Absichten nachzuvollziehen. Die Zeitung berichtete zudem, dass gegen die Familie des Beschuldigten Staatsschutz-Erkenntnisse vorlägen. Demnach bewegte sie sich in radikalislamischen Salafistenkreisen. Es seien aber weder Sprengstoff noch Waffen in der Wohnung des Beschuldigten gefunden worden.

Anwalt rechnet mit baldiger Freilassung

Dem WDR sagte der Anwalt des Verdächtigen, Ihsan Tanyolu, er rechne damit, dass der Jugendliche schon bald wieder freigelassen wird. In der "Lokalzeit" sagte der Anwalt, es sei keine Vorführung des Tatverdächtigen vor einen Jugendrichter geplant. "Da kann man schon sehen, dass da nicht viel dran ist."

Möglicherweise Anschlag verhindert

Am Mittwoch waren Hinweise auf eine mögliche Gefährdungslage für die Synagoge in Hagen eingegangen. Schwer bewaffnete Polizisten umstellten daraufhin das Gotteshaus. Eine Hundertschaft war im Einsatz, der Bereich um das Gebäude war weiträumig abgesperrt. 

Offenbar konnte so ein islamistisch motivierter Anschlag verhindert werden. "Wir haben einen sehr ernstzunehmenden und konkreten Hinweis erhalten, dass es während Jom Kippur zu einem Anschlag auf die Synagoge kommen könnte", sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul. Dieser habe auch die mögliche Tatzeit, den Tatort und den Täter umfasst. Offenbar hatte es vorher eine Warnung von einem ausländischen Geheimdienst gegeben.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. September 2021 um 20:00 Uhr.