Soldat vor der Kaserne in Illkirch | dpa

Bundeswehr-Skandal Festgenommener Soldat in U-Haft

Stand: 09.05.2017 17:20 Uhr

Gegen den festgenommenen Maximilian T. ist Untersuchungshaft angeordnet worden. Er ist dringend verdächtig, gemeinsam mit Franco A. und einer weiteren Person Anschläge auf hochrangige Politiker und Personen des öffentlichen Lebens vorbereitet zu haben.

Klaus Hempel

Mit Informationen von Klaus Hempel, ARD-Rechtsredaktion

Im Skandal um eine rechtsextreme Gruppe in der Bundeswehr ist der zweite festgenommene Soldat in Haft. Wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mitteilte, ordnete der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs gegen Maximilian T. Untersuchungshaft an. Der mutmaßliche Komplize des Oberleutnants Franco A. war zuvor im baden-württembergischen Kehl festgenommen worden.

Maximilian T. ist ein 27-jähriger Bundeswehroffizier. Wie der mutmaßliche Haupttäter Franco A. soll er Angehöriger eines Jägerbataillons der deutsch-französischen Brigade sein, das seinen Sitz im elsässischen Illkirch hat. Beamte des Bundeskriminalamtes hatten ihn ganz in der Nähe, im badischen Kehl, festgenommen. Der Beschuldigte sei dringend verdächtig, aus einer rechtsextremistischen Gesinnung heraus gemeinsam mit den bereits Ende April festgenommenen Franco A. und Mathias F. "eine schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet zu haben", so Staatsanwältin Frauke Köhler, Pressesprecherin der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe.

Konkret wird dem jungen Offizier vorgeworfen, zusammen mit Franco A. Anschläge auf hochrangige Politiker und Personen des öffentlichen Lebens geplant zu haben, die sich für Flüchtlinge engagieren. Dafür hätten sie gemeinsam eine Namensliste erstellt: "Die Beschuldigten hatten ihre möglichen Anschlagsopfer in einer Liste unter verschiedenen Kategorien erfasst", so Köhler. Konkret: die Kategorien A, B, C und D. "Unter der Kategorie A waren unter anderem der frühere Bundespräsident Joachim Gauck und Bundesjustizminister Heiko Maas erfasst."

MAD hatte Maximilian T. vor zwei Jahren im Visier

Nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" hat der Militärische Abschirmdienst der Bundeswehr (MAD) im Jahr 2015 schon einmal gegen den nun festgenommenen Maximilian T. ermittelt. Damals soll er bei einem Besuch in einem Studentenclub einen Gesprächspartner zu Aktivitäten gegen Flüchtlinge ermuntert haben. Der Gesprächspartner habe diesen Vorfall gemeldet. Der MAD soll danach Ermittlungen aufgenommen haben, T. sei befragt worden. Dabei habe T. erklärt, er habe unter Alkohol gesprochen. Der MAD soll zudem mehrere Verfassungsschutzämter um Auskunft über T. befragt haben. Diese hatten aber offenbar keine Erkenntnisse.

Maximilian T. deckte Franco A.

Maximilian T. soll des Weiteren Franco A. dabei geholfen haben, dass dieser sich als syrischer Flüchtling ausgeben konnte. Franco A. hatte sich zur Tarnung als Flüchtling registrieren lassen. Wenn er in der Asylbewerberunterkunft den Flüchtling spielte, soll Maximilian T. ihn bei der Bundeswehr gedeckt haben, so die Ermittler. 

Maximilian T. ist nun der dritte Beschuldigte in dem Fall. Als Komplize der beiden Offiziere gilt ein 24-jähriger Student aus Offenbach, der wie Franco A. in Untersuchungshaft sitzt. Gemeinsam sollen die drei aus ihrer rechtsextremen Gesinnung heraus einen perfiden Plan geschmiedet haben: Franco A. sollte als Haupttäter einen Anschlag verüben. Anschließend sollte der Verdacht auf Asylbewerber gelenkt werden, um auf diese Weise Fremdenhass zu schüren.

Anschlagspläne waren keine Hirngespinste

Dass die Anschlagspläne keine reinen Hirngespinste waren, scheinen weitere Erkenntnisse der Bundesanwaltschaft zu belegen: So sollen sich die drei Beschuldigten in Österreich eine Pistole besorgt haben.

"Ende Januar nahm Franco A. die Waffe an sich und verwahrte sie in einem Putzschacht auf einer Behindertentoilette am Wiener Flughafen", erläuterte Köhler. Dort wurde sie wenig später von österreichischen Polizeibeamten entdeckt. Auch deutsche Polizeibeamte wurden daraufhin schnell fündig: Beim Studenten in Offenbach hatten sie kürzlich rund 1000 Schuss Munition gefunden. Diese passte allerdings nicht zu der in Wien gefundenen Waffe.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. Mai 2017 um 17:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Sternenkind 09.05.2017 • 22:03 Uhr

Warum

Werden hier der Vorname, die Nationalität, der Arbeitgeber etc. Sofort bekannt gegeben? Nach dem Pressecodex sind diese Daten für den Fall irrelevant. In anderen Fällen (Amri) wurde dies verschwiegen. Warum?