Häusliche Gewalt | Bildquelle: dpa

Folgen der Corona-Pandemie Häusliche Gewalt nimmt vielerorts zu

Stand: 12.07.2020 13:39 Uhr

Geldsorgen, Probleme mit der Arbeit, keine Distanz: Immer wieder wurde vor mehr häuslicher Gewalt in Corona-Zeiten gewarnt. Eine Umfrage der dpa zeigt jetzt: Die Befürchtungen treffen zu - wenn auch nur in Teilen.

In einigen Bundesländern gibt es seit Ausbruch der Corona-Pandemie - und den damit einhergehenden Einschränkungen - mehr häusliche Gewalt. Das ist das Ergebnis einer Zwischenbilanz der dpa - die Nachrichtenagentur hatte die zuständigen Ministerien der einzelnen Länder abgefragt.

Mehr Fälle in Berlin und Hamburg

Demnach kam es in Berlin zu einem deutlichen Anstieg an Gewalttaten zu Hause. So verzeichnete die Berliner Gewaltschutzambulanz im Juni einen Anstieg von 30 Prozent der Fälle im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Auch in Hamburg verzeichnete die Polizei in den Monaten Januar bis Juni 2020 eine höhere Zahl an Delikten im Bereich der Beziehungsgewalt - nämlich 2252 Fälle. 2019 waren es im gleichen Zeitraum 1812. Im Stadtstaat Bremen dagegen war nach Angaben des Justizressorts kein Anstieg der Fälle häuslicher Gewalt zu erkennen. Gleichwohl verzeichnen die Bremer Frauenhäuser seit Mitte Juni eine deutlich erhöhte Nachfrage.

Auch in der Fläche gibt es ein bundesweit uneinheitliches Bild: Zu einem starken Anstieg der Fallzahlen kam es in Mecklenburg-Vorpommern. Im April waren es im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar doppelt so viele, wie die Landesregierung in Schwerin mitteilte. Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen melden dagegen rückläufige Zahlen. Wie das Justizministerium Niedersachsen mitteilte, gab es in den Monaten von März bis Mitte Mai einen Rückgang der Fallzahlen um 11,7 Prozent. In NRW waren es nach Angaben des Innenministeriums sogar 21 Prozent.

Hohe Dunkelziffer

In den anderen Bundesländern wurde weder ein Anstieg noch ein Rückgang der Fälle beobachtet - was allerdings nicht bedeutet, dass es nicht mehr Fälle gegeben hat. Das Innenministerium in Schleswig-Holstein wies darauf hin, dass die Corona-Situation das Anzeigeverhalten stark beeinflusse: So habe es in den vergangenen Monaten weniger Sozialkontrolle durch Schule, Freunde, Verwandte, Ärzte und Betreuer gegeben. Ähnlich äußerte sich das Sozialministerium im Saarland: Es sei grundsätzlich von einer hohen Dunkelziffer auszugehen, die statistische Erfassung der Fälle von häuslicher Gewalt sei grundsätzlich nur bedingt möglich.

Ein gesichertes Gesamtbild für Deutschland zur häuslichen Gewalt wird es laut Bundesfamilienministerium erst Ende des Jahres geben. Sichere Daten liefert dann die Jahresauswertung der polizeilichen Kriminalstatistik.

Über dieses Thema berichtete das Nordmagazin auf N3 am 27. Juni 2020 um 19:30 Uhr.

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