Sendungsbild

Habeck in den tagesthemen "Unsere Energieversorgung ist sicher"

Stand: 05.09.2022 21:50 Uhr

Das Netz stabil, die Stromversorgung gesichert - Wirtschaftsminister Habeck hat in den tagesthemen den Entschluss verteidigt, zwei AKW nur als Reserve vorzuhalten. Mit der Entscheidung gehe man auf Nummer sicher und das zielgenau.

Wirtschaftsminister Robert Habeck ist Bedenken entschieden entgegengetreten, es könne in Deutschland im Winter zu Stromengpässen kommen. "Die Deutsche Energieversorgung ist sicher, wir haben genug Energie und unser Netz ist auch sicher", betonte er im Interview mit den tagesthemen.

Die Entscheidung, die deutschen Atomkraftwerke nicht länger regulär laufen zu lassen, sondern zwei als Reserve vorzuhalten, sei eine wichtige Absicherung gegen Engpässe. Denn die Szenarien, die die Netzbetreiber in ihrem Stresstest durchgespielt hätten, seien potenzielle Szenarien, die eintreten können - krisenhafte Situationen seien unwahrscheinlich. Trotzdem habe die Regierung beschlossen, die AKW Isar 2 und Neckarwestheim 2 vorzuhalten. "Wir gehen auf Nummer sicher und das sehr zielgenau." Wenn die im Stresstest durchgespielten Szenarien nicht einträfen, "dann beenden wir die Laufzeit der AKW wie geplant".

"Eine Hochrisikotechnologie"

Er betonte zugleich, dass Atomkraft eine Hochrisikotechnologie sei. Zudem sei sie nicht zuverlässig, wie nicht zuletzt das Beispiel Frankreich zeige. Dort können derzeit nur etwa die Hälfte der Kernkraftwerke Strom produzieren, unter anderem weil sie gewartet werden müssen oder wegen der Dürre und der Hitze. " Das Hauptproblem derzeit ist die Klimaanfälligkeit der Atomkraft in Frankreich", so Habeck. Die Rhône sei zu warm und ihr Pegelstand zu niedrig, um die AKW im nötigen Umfang zu kühlen. "Atomkraft als Lösung darzustellen ist sachlich und fachlich falsch."

Deshalb wolle man auch nicht, wie der Koalitionspartner FDP etwa fordert, die AKW bedingungslos weiterlaufen lassen für mehrere Jahre. Zudem könnte Deutschland, selbst wenn alle drei AKW nicht zum Jahresende abgeschaltet würden, den Ausfall großer Stromliefermengen aus dem Ausland nicht in vollem Umfang kompensieren, sondern nur reduzieren.

Auch ein Betrieb über diesen Winter hinaus mache keinen Sinn. Denn ab nächstem Jahr könne Deutschland auf deutlich mehr Gaslieferungen jenseits von Russland etwa über Flüssiggasterminals an Nord- und Ostsee bauen. Entsprechend kleiner sei das Risiko von Versorgungsengpässen. Dazu komme ein extrem trockener Sommer, der den Transport von Kohle über den Rhein zu Kraftwerken verteuert oder sogar verhindert habe. Dieses Problem ließe sich aber mit besserer Planung beheben: "Den Winter 2022/2023 mit dem von 2023/2024 gleichzusetzen, ist einfach falsch, da wir eine völlig andere energiepolitische Situation haben werden."

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 05. September 2022 um 23:00 Uhr.