Habeck präsentiert in der Bundespressekonferenz Daten zum Klimaschutz | REUTERS

Habeck zu Klimaschutz "Bisherige Maßnahmen sind unzureichend"

Stand: 11.01.2022 16:16 Uhr

Wirtschaftsminister Habeck hat eine erste Bilanz zum Klimaschutz gezogen - sie fällt ernüchternd aus: Aktuell wird Deutschland seine Ziele verfehlen. Jetzt will Habeck das Tempo anziehen. Die Anstrengungen sollen verdreifacht werden.

Deutschland wird laut Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck ohne Gegensteuern seine Klimaziele für 2030 nicht erreichen. Statt einer geplanten CO2-Reduktion von 65 Prozent werde es nur zu einem Minus von 50 Prozent reichen, sagte der Grünen-Politiker.

"Die bisherigen Klimaschutzmaßnahmen sind in allen Sektoren unzureichend." Man starte mit einem drastischen Rückstand. Für die Jahre 2022 und 2023 sei absehbar, dass die Klimaziele verfehlt würden. Damit sei die Aufgabe, die Ziele bis 2030 zu erreichen, "gigantisch".

Ziele 2020 nur wegen Corona eingehalten

Deutschland hat sich vorgenommen, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 um 65 Prozent zu reduzieren - im Vergleich mit 1990. Bis 2045 soll Deutschland dann klimaneutral werden.

Bei den CO2-Emissionen sei es zwar im Corona-Jahr 2020 durch Sondereffekte gelungen, das Minderungsziel von 40 Prozent einzuhalten. Im vergangenen Jahr sei dieser Effekt aber wieder weggefallen. Habeck rechnete dabei für 2021 "mit einem Anstieg der Emissionen um vier Prozent". Der Trend gehe damit "in die falsche Richtung", sagte er. Dies sei "bedrückend".

Tempo beim Klimaschutz verdreifachen

Aus diesem Grund will Habeck das Tempo zur Minderung klimaschädlicher Emissionen deutlich anziehen: Das Land müsse die Anstrengungen "in allen Bereichen" verdreifachen. "Während im letzten Jahrzehnt die Emissionen im Durchschnitt jährlich um 15 Millionen Tonnen gesunken sind, müssen sie von nun an bis 2030 um 36 bis 41 Millionen Tonnen pro Jahr sinken", sagte der Minister.

Um "effizienter und schneller" im Kampf gegen den Klimawandel zu werden, müsse man insbesondere den Ausbau erneuerbarer Energien deutlich vorantreiben. Hier sei in den vergangenen Jahren viel zu wenig geschehen, vor allem beim Ausbau der Windenergie. "Wir haben es geschafft, in Deutschland in den letzten 30 Jahren die erneuerbaren Energien zu einem Anteil von 42 Prozent der Stromversorgung zu bringen", sagte Habeck. Bis 2030 solle dieser Anteil auf 80 Prozent steigen. Dafür habe Deutschland jetzt nur noch acht Jahre Zeit.

Zwei Klimaschutzpakete bis zum Sommer

Ein erstes Klimaschutzpaket will der Minister daher bis Ende April auf den Weg bringen, ein zweites im Sommer. Sie sollen helfen, dass Deutschland bis 2030 den Anteil erneuerbarer Energien auf 80 Prozent steigert und bis 2045 klimaneutral wird. "Das alles ist eine Mammut-Aufgabe. Und es wird einige Jahre dauern, bis wir Erfolge sehen werden", so Habeck.

Eine deutliche Reduzierung von Treibhausgasen weltweit ist nötig, um die voranschreitende Erderwärmung auf 1,5 oder 2 Grad Celsius zu begrenzen. Bereits jetzt führt der globale Temperaturanstieg zunehmend zu Extremwetter wie Hitzewellen, Dürren, Starkregen und Überschwemmungen sowie zum Anstieg der Meeresspiegel.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. Januar 2022 um 12:00 Uhr.