Die Doktorarbeit von zu Guttenberg

Guttenbergs Strategie Ein wenig Täter, ganz viel Opfer

Stand: 22.02.2011 17:45 Uhr

Erst nannte er die Vorwürfe "abstrus", dann gestand er "Fehler" in seiner Dissertation ein. Nun spricht zu Guttenberg von "gravierenden Fehlern", seinen Doktorgrad will er zurückgeben. Doch wie sind diese Fehler entstanden? Fragen lässt der (Selbst-)Verteidungsminister nicht zu. Ein wenig Täter, ganz viel Opfer, lautet die Parole.

Jens Borchers ARD-Hauptstadtstudio

Von Jens Borchers, HR, ARD-Hauptstadtstudio

Vergangene Woche Mittwoch: Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet erstmals über Zweifel an Karl-Theodor zu Guttenbergs Doktorarbeit. Der Verteidigungsminister lässt eine schriftliche, und zwar ausschließlich schriftliche Erklärung veröffentlichen: "Der Vorwurf, meine Doktorarbeit sei ein Plagiat, ist abstrus. Ich bin gerne bereit zu prüfen, ob bei über 1200 Fußnoten und 475 Seiten vereinzelt Fußnoten nicht oder nicht korrekt gesetzt sein sollten und würde dies bei einer Neuauflage berücksichtigen."

Von "abstrusen" Vorwürfen zu "Fehlern"...

"Vereinzelte Fußnoten" heißt es da. Zwei Tage später, am vergangenen Freitag, sieht Guttenberg Anlass, sich vor Kameras zu seiner Dissertation zu äußern. Die Kameras lässt er selbst auswählen. Nur wenige Medienvertreter dürfen dabei sein. Fragen sind nicht erlaubt. Guttenberg sagt über seine Arbeit jetzt: "Sie enthält fraglos Fehler. Und über jeden einzelnen dieser Fehler bin ich selbst am unglücklichsten. Es wurde allerdings zu keinem Zeitpunkt bewusst getäuscht oder bewusst die Urheberschaft nicht kenntlich gemacht."

... zu "gravierenden Fehlern"

Am Montag Abend klingt das Urteil über die eigene Arbeit dann noch einmal anders. Jetzt sieht Guttenberg seine Doktorarbeit so: "Weil ich am Wochenende dann auch, nachdem ich mir diese Arbeit noch einmal intensiv angesehen habe, feststellen musste, dass ich gravierende Fehler gemacht habe. Gravierende Fehler, die den wissenschaftlichen Kodex, den man so ansetzt, nicht erfüllen." Wie diese Fehler entstanden sind? "Man hat sechs, sieben Jahre an einer solchen Arbeit geschrieben und hat in diesen sechs, sieben Jahren an der ein oder anderen Stelle, an der ein oder anderen Stelle auch zu viel, den Überblick über die Quellen verloren", so Guttenberg.

Man hat. An der einen oder anderen Stelle. Wie viele Stellen ohne korrekte Nennung der Leistungen fremder Autoren enthalten sind? Ob der wissenschaftliche Dienst des Bundestages für den privaten Zweck der Doktorarbeit bemüht wurde? Kein Wort dazu. Fragen waren ja auch gestern Abend wieder nicht erlaubt. In den ganzen sechs Tagen dieser Debatte stellt sich der selbst ernannte Klartexter und Transparenzler Guttenberg kein einziges Mal Fragen.

Und aus dem "vorübergehenden"...

Statt dessen sagt Guttenberg: "Und nach dieser Beschäftigung, meine Damen und Herren, habe ich festgestellt wie richtig es war, dass ich am Freitag gesagt habe, dass ich den Doktortitel nicht führen werde." Da lohnt es sich, noch einmal kurz zu hören, was Herr zu Guttenberg am Freitag tatsächlich gesagt hat: "Ich werde gerne bis zum Ergebnis dieser Prüfung vorübergehend - ich betone: vorübergehend - auf das Führen des Titels verzichten. Allerdings nur bis dahin, anschließend würde ich ihn wieder führen.“

... wird ein "dauerhafter" Verzicht auf den Doktortitel

Vorübergehend, er betonte vorübergehend, wolle er auf das Führen des Titels verzichten. Und er hatte angekündigt: "Jede weitere Kommunikation über dieses Thema werde ich von nun an ausschließlich mit der Universität Bayreuth führen." Beide Ankündigungen hielten nicht lange. Am Montag Abend tat der Verteidigungsminister zweierlei. Er bat die Universität Bayreuth per Fax, ihm den Doktortitel wieder abzunehmen. Jetzt. Dauerhaft. Und Guttenberg redete ausführlich "über dieses Thema". Öffentlich. Fragen durfte auch da niemand stellen.