"Einfach Urlaub" steht auf einem Schild im Schaufenster eines Reisebüros.  | Bildquelle: dpa

Bundestagsbeschluss Gutschein-Lösung für abgesagte Reise

Stand: 02.07.2020 20:40 Uhr

Wer seine Pauschalreise wegen der Corona-Krise nicht antreten konnte, könnte vom Veranstalter demnächst einen Gutschein angeboten bekommen. Der Bundestag stimmte für ein entsprechendes Gesetz. Kunden müssen den Gutschein aber nicht annehmen.

Wenn eine Pauschalreise Corona-bedingt nicht durchgeführt werden kann, können Reiseveranstalter ihren Kunden künftig auch Gutscheine anbieten. Einem entsprechenden Gesetzentwurf der Bundesregierung hat der Bundestag zugestimmt. Die Kunden können sich für eine Rückerstattung des gezahlten Geldes oder für den Gutschein entscheiden.

Dem Entwurf zufolge sollen Pauschalreisende ihr Geld zurückverlangen können, wenn der Urlaub wegen der Coronavirus-Pandemie ausfällt. Eine ursprünglich geplante Gutscheinpflicht, die helfen sollte, Insolvenzen in der Reisebranche zu vermeiden, soll es nicht geben. Sie scheiterte am Widerstand der Brüsseler EU-Kommission.

Verbraucher, die ihre Pauschalreise vor dem 8. März gebucht haben, können aber freiwillig einen Gutschein wählen, dessen Wert auch dann staatlich abgesichert ist, wenn Anbieter Pleite gehen.

Union und SPD zufrieden

"Wir haben die Gutscheine attraktiv gemacht durch die staatliche Absicherung. Wir haben alles dafür getan, dass die Menschen guten Gewissens auch einen Gutschein wählen können", sagte Unions-Fraktionsvize Thorsten Frei. Die Gutscheinlösung helfe insbesondere kleinen und mittelständischen Reiseveranstaltern, von drohenden Insolvenzen verschont zu werden, sagte die Tourismusexpertin der SPD-Fraktion, Gabriele Hiller-Ohm.

Kritik aus der Branche und von Verbraucherschützern

Der Deutsche Reiseverband (DRV) sieht die Gutscheine hingegen kritisch. Insbesondere seien sie keine Lösung für das Liquiditätsproblem in der Reisebranche. "Das ist die Realität: Gutscheine finden kaum Anklang beim Kunden - lediglich 10 bis 20 Prozent der Verbraucher akzeptieren sie", sagte DRV-Präsident Norbert Fiebig.

Der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbandes befürchtet, durch die lange Debatte über das Thema könnte die Bereitschaft von Kunden gesunken sein, sich für einen Gutschein zu entscheiden. Gutscheine seien nicht nachhaltig und deshalb nicht geeignet, der Krise zu begegnen, sagte Klaus Müller. "Sie verschieben lediglich das Liquiditätsproblem der Unternehmen auf einen späteren Zeitpunkt."

Bundestag beschließt frewillige Gutscheinlösung für Pauschalreisen
Dirk Rodenkirch, ARD Berlin
03.07.2020 07:02 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 02. Juli 2020 um 19:15 Uhr.

Darstellung: