António Guterres, UN-Generalsekretär, hält eine Rede im Deutschen Bundestag anlässlich der Gründung der Vereinten Nationen vor 75 Jahren. | dpa

UN-Generalsekretär im Bundestag Guterres würdigt Deutschland als Friedensmacht

Stand: 18.12.2020 11:33 Uhr

In einer Rede im Bundestag nannte UN-Generalsekretär Guterres Deutschland einen wichtigen Partner im Bemühen um Frieden. Er forderte mehr Klimaschutz und erinnerte daran, dass Menschen in armen Ländern sehr unter der Corona-Pandemie litten.

UN-Generalsekretär António Guterres hat Deutschland als "Friedensmacht" und "Säule des Multilateralismus" gewürdigt. "Als UN-Generalsekretär erfahre ich, wie Deutschland tagtäglich mit tiefem Geschichtsbewusstsein und Verantwortung eine führende Rolle in der Welt spielt", sagte Guterres im Bundestag. "Ich sehe, wie Deutschland sich den großen Herausforderungen unserer Zeit stellt", sagte er in seiner Rede vor den Abgeordneten.

Guterres war aus Anlass der Gründung der Vereinten Nationen vor 75 Jahren nach Berlin gekommen. Auf Einladung von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hielt der Portugiese eine Rede im Bundestag - in deutscher Sprache. Er hob den Einsatz Deutschlands für die Friedenssicherung in der Welt hervor. "Deutschland ist in der ganzen Welt ein wichtiger Verbündeter in unserem Bemühen um Frieden", sagte er und verwies unter anderem auf das deutsche Engagement in Afghanistan und in der Sahelregion.

Guterres: Corona-Impfstoff müsse jedem zugänglich sein

Der UN-Generalsekretär dankte ausdrücklich Kanzlerin Angela Merkel für ihre Initiative zu einer internationalen Libyen-Konferenz im vergangenen Januar in Berlin.

Guterres sprach auch über die anhaltende Corona-Pandemie und die Hoffnung auf Impfstoffe gegen das Virus. Er sagte, die Mittel sollten überall und für alle Menschen zugänglich und bezahlbar sein: "Ein Impfstoff, der den Menschen gehört."

Wichtigstes Ziel: Klimaschutz

Der UN-Generalsekretär betonte, dass durch die Pandemie die Armut zunehme und Hungersnöte drohten. "Überall haben die Schwächsten am meisten zu leiden." Dennoch mangele es an internationaler Zusammenarbeit. An vielen Orten gebe es "die Tendenz zur Abschottung", sagte Guterres.

Er warnte vor einer Zunahme von Hetze, Diskriminierung, Antisemitismus und Populismus. "Wir wissen aus der Geschichte, dass eine Politik, die auf Wut setzt, in die Katastrophe führt", so Guterres. Gleichzeitig erneuerte er seine Forderung nach einer weltweiten Waffenruhe, damit die Pandemie effektiver bekämpft werden könne.

Zugleich betonte er: "Die größte aller Bedrohungen geht nicht von Kriegen aus, sondern vom selbstmörderischen Krieg gegen die Natur." Der Klimaschutz müsse das vorderste Ziel aller sein - und hier gebe es noch viel zu tun.

"Sie haben unserem Land viel Ehre erwiesen"

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble dankte dem UN-Generalsekretär im Anschluss für seine "große Rede, mit der Sie unserem Land so viel Ehre erwiesen haben".

Nach Guterres Rede waren Gespräche mit Kanzlerin Merkel und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier geplant. Beide waren auch während der Veranstaltung im Bundestag anwesend.

Die UN-Charta, mit der die Vereinten Nationen gegründet wurden, trat am 24. Oktober 1945 in Kraft. Heute gehören der Organisation 193 Länder an. Das wichtigste Gremium der UN ist der Sicherheitsrat, der zur Lösung von Konflikten und zur weltweiten Friedenssicherung gegründet wurde. Derzeit gehört Deutschland für zwei Jahre zu den 15 Mitgliedern, gibt seinen Sitz zum Jahreswechsel aber turnusgemäß wieder ab.

Seltene Rede im Bundestag

Der Bundestag lädt nur selten hochrangige ausländische Politikerinnen und Politiker oder andere Persönlichkeiten ein, um vor den Abgeordneten zu sprechen. Zu den Rednern gehörten in den vergangenen Jahren unter anderen der emeritierte Papst Benedikt XVI. und der inzwischen verstorbene damalige Präsident Südafrikas, Nelson Mandela.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. Dezember 2020 um 12:00 Uhr.