Operation in einem Krankenhaus | Bildquelle: dpa

Gutachten der Krankenkassen Zahl der Behandlungsfehler steigt leicht

Stand: 16.05.2019 18:43 Uhr

Gutachter der Krankenkassen haben 2018 etwas mehr Behandlungsfehler in Krankenhäusern und Arztpraxen festgestellt. Bei 14.100 geprüften Fällen wurden rund 4000 Fehler aufgedeckt. Doch die Dunkelziffer ist hoch.

Von Franka Welz, ARD-Hauptstadtstudio

Von ambulanten Behandlungen bis zur Zahnmedizin - die Gutachter der Medizinischen Dienste der Krankenkassen (MDK) untersuchen Vorwürfe von Behandlungsfehlern in allen medizinischen Bereichen. Gut 14.100 Fälle haben sie im vergangenen Jahr bundesweit geprüft. Drei Hauptkriterien stehen dabei im Mittelpunkt. "Erstens, dass ein Fehler vorliegt. Zweitens, dass ein potenziell davon ausgelöster Schaden vorhanden ist. Und drittens, dass ein ursächlicher, kausaler, Zusammenhang zwischen dem Fehler und dem Schaden besteht", sagt der Mediziner Max Skorning. Er ist beim Medizinischen Dienst unter anderem für Patientensicherheit zuständig.

Gut 4000 Fehler haben die Medizinischen Dienste insgesamt festgestellt. Das sind rund 200 Fehler mehr als im Jahr 2017. In rund 2800 Fällen ist laut Untersuchung demnach aus einem Fehler ein Schaden entstanden. Rund ein Drittel dieser Schäden war bleibend.

Behandlungsfehler vor allem in Krankenhäusern

"Ein leichter Dauerschaden kann beispielsweise bedeuten, dass eine große Narbe entstanden ist", sagt Skorning. "Ein mittlerer Dauerschaden könnte beispielsweise bedeuten, dass ein dauerhafter Organschaden an Herz, Leber, Niere vorgekommen ist." Und bei einem schweren Dauerschaden kämen auch Lähmungen, Erblindungen und ähnliche Dinge mit hinzu.

Zwei Drittel der mutmaßlichen Behandlungsfehler seien in Krankenhäusern passiert, ein Drittel in Arztpraxen, heißt es in dem Bericht. Die meisten hätten sich auf Behandlungen von Orthopäden bezogen - gefolgt von innerer Medizin sowie Operationen, die mit Organen zu tun hatten.

MDK fordert verpflichtendes Meldesystem

Das Ergebnis zeige aber nicht, dass zum Beispiel chirurgische Eingriffe unsicherer seien, sagt die Medizinerin Astrid Zobel vom MDK. Dass Vorwürfe von Behandlungsfehlern im stationären Bereich häufiger seien, ließe sich vielmehr dadurch erklären, "dass es sich hier meistens um Operationen handelt, die auch für die Patienten leichter prüfbar sind". Fehler bei solchen Operationen seien für Patienten im Vergleich leichter erkennbar. "Bei einer medikamentösen Behandlung ist es für einen Patienten ungleich schwieriger, einen Verdacht zu haben."

Wichtig sei auch, heißt es in dem Bericht, dass bei Behandlungsfehlern nicht einzelne versagt hätten. Es zeige vielmehr, dass Sicherheitsvorkehrungen nicht richtig umgesetzt worden seien. Die Zahlen seien nach wie vor zu hoch, bemängelt der MDK und fordert deshalb ein verpflichtendes Meldesystem - sowohl für Behandlungsfehler als auch für die entstandenen Schäden.

Zwei Ärzte arbeiten in einem Operationssaal im Roten-Kreuz-Krankenhaus in Bremen. | Bildquelle: dpa
galerie

Vor allem nach OPs in stationären Bereich stellen Patienten oft Behandlungsfehler fest. Das liegt daran, dass solcher Fehler besonders stark auffallen.

Hohe Dunkelziffer

Der stellvertretende Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes, Stefan Gronemeyer, verweist in dem Zusammenhang auf Erfahrungen aus England. "Dort gilt es als ein Zeichen hoher Sicherheitskultur, wenn eine Einrichtung viel meldet. Wer viel berichtet, hat einen hohen Stand der Sicherheitskultur", sagt er. Das stehe der verbreiteten Meinung entgegen, dass besonders viel dort schiefläuft, wo viel gemeldet werde.

Dem Beispiel England sollte Deutschland nach Ansicht der Medizinischen Dienste folgen. In Deutschland gibt es bisher keine Pflicht zum Melden von Fehlern. Entstandene Schäden müssen gar nicht gemeldet werden. Daher ist die Dunkelziffer bei Behandlungsfehlern und daraus entstandenen Schäden dem Bericht zufolge auch deutlich höher als die Zahl der bekannten Fälle.

Zahl der Behandlungsfehler ist 2018 leicht gestiegen
Franka Welz, ARD Berlin
16.05.2019 16:56 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 16. Mai 2019 um 16:11 Uhr.

Darstellung: