Kunstschatz

Entscheidung in Bern Kunstmuseum nimmt Gurlitt-Erbe an

Stand: 24.11.2014 15:18 Uhr

Nach fast einem halben Jahr Bedenkzeit hat sich das Kunstmuseum Bern entschieden: Es nimmt das Erbe des Kunstsammlers Cornelius Gurlitt an. Der Stiftungsratspräsident des Museums, Christoph Schäublin, unterzeichnete eine entsprechende Vereinbarung mit Bayern und dem Bund in Berlin.

Werke, die als Raubkunst gelten oder unter Raubkunst-Verdacht stehen, seien aber ausdrücklich ausgenommen, sagte Schäublin auf einer Pressekonferenz. Diese rund 500 Werke sollen zunächst in Deutschland bleiben. Ziel sei es, dass die Herkunft aller Werke geklärt werde. Deutschland habe sich verpflichtet, die Kosten zu übernehmen.

Es sei ein schwieriges Erbe, sagte Schäublin mit Hinweis auf die Verantwortung und das Leid der Opfer. In der NS-Zeit waren Juden von den Nazis ihrer Kunst beraubt oder gezwungen worden, ihre Werke weit unter Wert zu verkaufen. "Die Entscheidung ist dem Stiftungsrat nicht leicht gefallen, und Triumphgefühle löste sie schon gar nicht aus."

Vereinbarung mit Bayern und dem Bund

Die Vereinbarung zwischen dem Museum, dem Bund und dem Land Bayern regelt nun den Umgang mit dem Gurlitt-Erbe. Kulturstaatsministerin Monika Grütters sagte, die Aufarbeitung nationalsozialistischen Kunstraubs gehe weit über die rechtliche Dimension hinaus. Deutschland wolle seiner Verantwortung auch moralisch gerecht werden. "Deshalb werden alle im Nachlass enthaltenen Werke, die sich als NS-Raubkunst erweisen, ohne Wenn und Aber an die Berechtigten zurückgegeben."

Die drei bereits als NS-Raubkunst identifizierten Arbeiten aus dem Nachlass - "Sitzende Frau" von Henri Matisse, "Zwei Reiter am Strand" von Max Liebermann und "Das musizierende Paar" von Carl Spitzweg - sollen laut Grütters nun schnellstmöglich an die Erben zurückgegeben werden. Der Kontakt sei bereits aufgenommen worden.

Die Entscheidung des Berner Kunstmuseums wurde von der jüdischen Gemeinde in der Schweiz begrüßt: Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund und die Plattform der Liberalen Juden der Schweiz lobten die Absprachen ausdrücklich. Wenn eine Rückgabe einzelner Kunstwerke nicht möglich sei, sollten diese in Ausstellungen mit einer entsprechenden Beschreibung als Raubkunst gezeigt werden. Man hoffe, dass ein solches Vorgehen auch im Falle einer Anfechtung des Testaments sichergestellt und ohne Verzögerung umgesetzt werde.

Bilder jahrzehntelang versteckt gehalten

Gurlitt war Sohn eines NS-Kunsthändlers. Seine Sammlung umfasst unter anderem wertvolle Arbeiten etwa von Matisse, Picasso, Renoir und Monet, die zum Teil aus dem Besitz jüdischer Bürger stammen. Gurlitt hatte die Kunstwerke lange vor der Öffentlichkeit verborgen. Erst im Februar 2012 entdeckten Ermittler in seiner Schwabinger Wohnung mehr als 1200 Gemälde. Hunderte weitere Bilder befanden sich in seinem Salzburger Haus.

Kurz vor seinem Tod hatte Gurlitt einen Vertrag mit der Bundesregierung unterzeichnet, in dem er die weitere Erforschung seiner Sammlung auf Nazi-Raubkunst zusicherte. Die Vereinbarung zwischen Bern, Bund und Bayern fußt auf diesem Vertrag.

Ebenfalls wenige Monate vor seinem Tod setzte der Kunsthändler ein Testament auf, in dem er seine Sammlung dem Berner Museum vermachte. Eine Cousine Gurlitts zweifelt das Testament allerdings an und beantragte beim zuständigen Amtsgericht in München einen Erbschein, wie das Gericht am Montag bestätigte.

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KOMMENTARE

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hechtzwo 24.11.2014 • 19:37 Uhr

Kunst und Erbe

@Gogolo Das stimmt eigentlich nicht ganz. Die Erbschaftssteuer beträgt lt. Gesetz 50% bei einer Freigrenze von 20.000 €. Ausser die Freistaatler machen ihre eigenen Regeln (mal wieder)