Polizisten der Antiterroreinheit GSG 9 (Archivbild) | Bildquelle: picture alliance / dpa

Eliteverband der Bundespolizei GSG9 jetzt auch in Berlin stationiert

Stand: 10.07.2019 03:07 Uhr

Der Eliteverband GSG9 hat jetzt einen Standort in Berlin. Das bestätigte die Bundespolizei dem ARD-Hauptstadtstudio. Die Spezialeinheit der Bundespolizei soll um ein Drittel vergrößert werden.

Von Michael Götschenberg, ARD-Terrorismusexperte

Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios ist die GSG9 seit diesem Monat dauerhaft in Berlin stationiert. Mit einer akuten Gefährdung hat das nichts zu tun. Seit langem steht fest, dass der Eliteverband der Bundespolizei in der Hauptstadt einen zusätzlichen Standort bekommen soll. Das Hauptquartier der GSG9 bleibt dabei weiterhin in St. Augustin bei Bonn.

Mit der dauerhaften Stationierung von Kräften in Berlin reagiert die Bundespolizei auf die Entwicklung der Sicherheitslage in den vergangenen Jahren. Denn viele der vor allem islamistischen Terroranschläge überall in Europa wurden in den Hauptstädten verübt. Wie viele Kräfte die GSG9 aktuell in Berlin stationiert hat, will die Bundespolizei nicht sagen. Die GSG9 macht aus taktischen Gründen grundsätzlich keine Angaben zu Personal und Ausstattung.

Endgültiger Standort erst 2026 fertig

Geplant ist, dass der Berliner Teil des Verbandes in der Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne in Berlin-Spandau untergebracht werden soll. Das allerdings ist noch Zukunftsmusik. Wegen umfangreicher Baumaßnahmen wird der Standort frühestens 2026 zur Verfügung stehen, wie das Bundesinnenministerium im Juni auf Nachfrage der Grünen Bundestagsfraktion einräumte. Bis auf weiteres wird die GSG9 in Berlin deshalb in einem Provisorium einquartiert. In absehbarer Zeit soll es eine Interimslösung in der Julius-Leber-Kaserne im Stadtteil Wedding geben.

Dabei ist die provisorische Unterbringung alles andere als ideal, da der geplante Personalaufwuchs für sich genommen schon eine Herausforderung darstellt. Der Verband soll deutlich aufgestockt werden - um etwa ein Drittel. In Sicherheitskreisen wird die Größe des Eliteverbandes mit etwa 400 Mann beziffert - das heißt, dass die GSG9 um zirka 130 Mann wachsen soll. Dabei soll eine von insgesamt vier Einheiten des Verbandes dauerhaft in Berlin stationiert sein.

Vergrößerung als Reaktion auf Gefahrenlage

Auch die Vergrößerung des Verbandes ist eine Konsequenz aus den Anschlagsszenarien, die es in den vergangenen Jahren in Europa gegeben hat. So haben vor allem die islamistischen Anschläge in Frankreich deutlich gemacht, dass die Polizei sich für Szenarien rüsten muss, in denen mehrere, schwer bewaffnete Attentäter an verschiedenen Orten gleichzeitig zuschlagen und dazu noch möglicherweise über Tage verfolgt werden müssen.

Geeignete Bewerber, die den hohen Ansprüchen einer Spezialeinheit genügen, sind jedoch nur schwer zu finden. Zunächst einmal nimmt die GSG9 nur Bewerber, die eine abgeschlossene Polizeiausbildung haben. Darüber hinaus sind die körperlichen und psychischen Anforderungen ausgesprochen hoch.

Schwerpunkt der Ausbildung sind Anschläge

Die Einheit in Berlin soll im Schwerpunkt für Anschläge ausgebildet werden, bei denen chemische, biologische, radioaktive oder nukleare Substanzen verwendet wurden. Dass auch derartige Anschlagsszenarien realistisch sind, war im vergangenen Jahr deutlich geworden: in Köln-Chorweiler war im Juni 2018 ein Islamistenpaar verhaftet worden, das mutmaßlich einen Anschlag mit hochgiftigem Rizin geplant hatte. Den Giftstoff hatten sie aus Rizinussamen gewonnen, die frei verkäuflich sind.

Die GSG9 kommt als Spezialeinheit des Bundes bei terroristischen Bedrohungen, Geiselnahmen, aber auch bei Razzien gegen die organisierte Kriminalität zum Einsatz - im Durchschnitt 50 Mal im Jahr. Sie ist die einzige Spezialeinheit der Polizei, die auch im Ausland eingesetzt werden kann.

GSG9 jetzt auch in Berlin stationiert
Michael Götschenberg, ARD Berlin
10.07.2019 00:58 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 10. Juli 2019 um 06:00 Uhr.

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