Robert Habeck und Annalena Baerbock auf dem Parteitag der Grünen in Bielefeld. | Bildquelle: AFP

Parteitag in Bielefeld Der neue Ansatz der Grünen

Stand: 16.11.2019 17:18 Uhr

Die Grünen haben ihr Führungsduo Baerbock und Habeck mit Spitzenergebnissen wiedergewählt. Ihre Reden und Auftritte zeigen, wie weit sich die Partei gerade neu erfindet.

Von Stephan Stuchlik, ARD-Hauptstadtstudio

Eine der beiden Frage, die Robert Habeck nach seiner Bewerbungsrede öffentlich gestellt wurde, hatte es in sich. Denn sie traf den Nerv des Parteitages. Was eigentlich mit den Ausstellern der Industrie, besonders der chemischen Industrie, sei, wollte eine Delegierte wissen, die offensichtlich empört darüber war, das diese ihre Stände im Vorraum der Bundesdelegiertenkonferenz aufgebaut hatten.

Habeck und Baerbock mit Traum-Ergebnissen
tagesthemen 23:15 Uhr, 16.11.2019, Friederike Hofmann, WDR

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Habeck wandte sich an das Plenum und meinte: "Ihr könnt nicht bei den Reden von Annalena Baerbock und mir klatschen, wenn wir davon sprechen, mit anderen gesellschaftlichen Gruppen ins Gespräch zu kommen und dann die Aussteller vom Hof jagen!" Er bekam dafür großen Applaus, denn darum geht es gerade bei den Grünen: Mehrheitsfähig werden, Bündnisse schmieden! Dafür pflegt die Partei - für alle sichtbar - auch den Kontakt mit jenen, die für die Grünen von vor 40 oder 30 Jahren noch als "Gottseibeiuns" galten: Dem deutschen Bauernverband, der Wohnungswirtschaft und ja, eben auch der chemischen Industrie.

Bekenntnis zur Europäischen Armee

Die Grünen seien eben keine Bürgerbewegung mehr, sondern eine ernstzunehmende politische Kraft, hatte der alte und neue Parteivorsitzende in seiner Rede gesagt. Als hätte es eines Beweises bedurft, war auch das Wahlergebnis in seiner Einmütigkeit ein neues, ein Grünen-untypisches Ergebnis: 90,4 Prozent der Delegiertenstimmen bekam Habeck. Das wäre jede Schlagzeile wert, hätte nicht seine Co-Vorsitzende Annalena Baerbock kurz zuvor ein Rekordergebnis eingefahren: 97,1 Prozent, eine Sympathiebekundung wie es sie bei dieser Partei noch nie gegeben hat.

Baerbock hatte in ihrer Bewerbungsrede noch einmal deutlich gemacht, dass es den Grünen nicht mehr genüge, nur mehr auf Umweltschutz reduziert zu werden. Ja man wolle einen grundlegenden Wandel hin zur ökologischen Wirtschaft, aber nicht auf Kosten des Wohlstandes. Und sie hatte den Mut, vor der Partei, deren Wurzeln auch in der Friedensbewegung liegen, ein Bekenntnis zu einer Europäischen Armee abzulegen. Dass sie trotzdem auch hier Applaus und Zustimmung vom Saal bekam, zeigt, wie weit sich die Grünen gerade neu erfinden: Als sich die Partei das letzte Mal in Bielefeld traf, flog gegen den damaligen Außenminister Joschka Fischer noch ein Farbbeutel, weil er sich für einen NATO-Einsatz im Kosovo ausgesprochen hatte.

Gegenseitiges Lob

Wir sind eine große Partei, die alle Themen abdecken kann, das war die Botschaft aller Reden nach außen, das Leitmotiv nach innen war: Einheit und Zusammenhalt. Habeck und Baerbock beschworen das nicht nur in ihren Statements herauf, sondern inszenierten sich selbst auch immer wieder als inniges Duo: Keine ihrer Reden kam ohne Lob für den jeweils anderen aus, einträchtig betrachteten sie gemeinsam auf der Bühne die Videos vom Wahlerfolg der Grünen bei der Europawahl.

Paradoxerweise aber könnte gerade der aktuelle Höhenflug der Grünen bei den Umfragen den Eindruck der Geschlossenheit stören. Die Frage nämlich, wer im Zweifelsfall die Partei in den nächsten Wahlkampf führt, wer Kanzlerkandidatin oder Kanzlerkandidat werden könnte, wird nicht nur in den Leitartikeln der Zeitungen schon lang geführt.

Wer wollte, konnte in Baerbocks Rede eine kleine Spitze hören, als sie bemerkte, als Frau werde man eben schnell auf Schnellsprechen und eine hohe Stimme reduziert, Argumente, die in dieser Führungsdiskussion gern gegen sie verwendet werden. Die 97,1 Prozent Zustimmung, die ihrer Rede folgten, wird sie sicherlich als Argument für sich verbuchen, der Unterschied zu den 90,4 Prozent für Habeck wird für Diskussionsstoff sorgen, ob die beiden das nun wollen oder nicht.

Von Streit meilenweit entfernt

Die Delegierten beschlossen anscheinend, es als Luxusproblem für diese Partei zu sehen, zwei so fähige Vorsitzende zu haben. Man wolle und müsse nicht entscheiden, wer als Kanzlerkandidat in Frage käme, konnte man von vielen im Saal hören. Von einem richtigen Streit war man aber generell an den zwei Tagen in Bielefeld meilenweit entfernt.

Nur bei den Änderungsanträgen zum Frauenstatut am Vormittag bekam man kurz eine vage Vorstellung von jenen kontroversen Debatten, für die die Grünen früher bekannt und berüchtigt waren, aber wie hatte der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann in seiner Rede am Nachmittag gesagt: "Es ist nicht wichtig, wo du herkommst, es ist wichtig, wo du hin willst!" Es hätte das Motto der ersten beiden Tage dieser Grünen-Bundesdelegiertenkonferenz sein können.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. November 2019 um 17:00 Uhr.

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