Großrazzia Bergisch Gladbach | dpa

Bergisch Gladbach Bundesweite Razzia in Missbrauchskomplex

Stand: 26.01.2021 16:25 Uhr

Bei den Ermittlungen zum Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach hat es die Polizei mit einer schier unendlichen Anzahl von immer neuen Hinweisen zu tun. Jetzt ist sie mit einem Großeinsatz gegen weitere Verdächtige vorgegangen.

Mehr als 1000 Polizisten haben im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal Bergisch Gladbach die Wohnungen von 65 Verdächtigen in zehn Bundesländern durchsucht. Diese sollen keine aktiven Täter sein, sondern stehen unter Verdacht, kinderpornografische Inhalte besessen und verbreitet zu haben, teilten die Kölner Staatsanwaltschaft und die Polizei gemeinsam mit.

Bei den Tatverdächtigen handelt es sich nach Angaben der Ermittlungsgruppe zum Missbrauchskomplex um 63 Männer und zwei Frauen. Die Ermittler wurden demnach im Zuge der Auswertung von Chats auf sie aufmerksam. Festgenommen wurde niemand. Allerdings beschlagnahmten die Einsatzkräfte Hunderte elektronische Datenträger, die zum Teil in "äußerst kreativen Verstecken" aufbewahrt wurden, sowie Sex- und Kinderspielzeug. Ein 13-jähriges Kind, dessen "Wohn- und Familienbeziehungen" den Ermittlern zufolge unklar waren, wurde dem Jugendamt übergeben. Ob das Kind missbraucht wurde, könne bisher nicht bewertet werden.

Zweite bundesweite Großrazzia

Bei der Razzia handelte es sich um den zweiten bundesweiten Großeinsatz - und zwar in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Sachsen, Bayern, Rheinland-Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg, Brandenburg und Berlin. Bereits am 1. September hatten rund Tausend Polizisten in zwölf Bundesländern die Wohnungen von Beschuldigten durchsucht. Dabei wurde umfangreiches Beweismaterial beschlagnahmt, das unter anderem von der bei der Staatsanwaltschaft Köln angesiedelten Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime ausgewertet wird.

Hunderte Beschuldigte

Nach Polizeiangaben wurden in den vergangenen 15 Monaten der Ermittlungen zum Missbrauchskomplex insgesamt 52 Kinder aus Missbrauchs- und Gefahrensituationen befreit und 330 Beschuldigte identifiziert. Elf davon wurden bereits angeklagt.

Die Ermittler sprachen wiederholt von einem "Schneeballsystem", denn sie werden mit jedem Verdächtigen auf weitere Täter aufmerksam. Der Komplex Bergisch Gladbach ist eine von drei großen Missbrauchsserien, denen die Ermittler allein in Nordrhein-Westfalen zuletzt auf die Spur kamen. Zuvor lösten bereits der jahrelang unentdeckt gebliebene Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in Lügde und später der Missbrauchskomplex von Münster bundesweit Entsetzen aus.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 26. Januar 2021 um 15:29 Uhr.