Beamte durchsuchen die Räumlichkeiten eines Juweliers in Duisburg-Marxloh.  | Bildquelle: dpa

Geldtransfer in die Türkei Großrazzia gegen Hawala-Banking

Stand: 19.11.2019 06:22 Uhr

In mehreren Bundesländern durchsuchen Ermittler gut 60 Wohnungen und Firmen. Die Beschuldigten sollen mehr als 200 Millionen Euro in die Türkei geschleust haben.

Von Arne Hell, Marc Steinhäuser (WDR) und Georg Mascolo (WDR/NDR)

Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf und das nordrhein-westfälische Landeskriminalamt gehen seit dem Morgen gegen eine Gruppe von mutmaßlichen Geldverschiebern vor. Ihnen wird vorgeworfen, ein illegales System aufgebaut zu haben, um Geld aus Deutschland heimlich in die Türkei zu transferieren, eine Art Hawala-Bankensystem.

Durchsucht werden seit etwa sechs Uhr unter anderem Metallfirmen, Juweliere und Privatwohnungen von Verdächtigen. Gegen insgesamt sechs Personen ergingen Haftbefehle. Insgesamt sind 800 Polizisten im Einsatz. Beteiligt sind auch Mitarbeiter der Bankenaufsicht Bafin.

Hawala-Banking

Beim seit Jahrhunderten eingesetzten Hawala-Banking wird Geld informell und ohne Mitwirkung von Banken transferiert. Dabei wird Bargeld an einer Annahmestelle eingezahlt und in einem anderen Land binnen kurzer Zeit wieder ausgezahlt. Die Dienstleister - sogenannte Hawaladare - bekommen dafür eine Provision. Die Geschäfte basieren meist auf Vertrauen und laufen ohne Dokumentationen wie Quittungen ab. Auch Konten sind nicht notwendig.

In Deutschland ist Hawala-Banking illegal, wenn es keine Genehmigung durch die Bankenaufsicht Bafin gibt.

NRW: Razzia gegen Hawala-Banking
tagesschau 14:00 Uhr, 19.11.2019, Marc Steinhäuser, WDR

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Verdächtiger verhaftet

Der Schwerpunkt der Durchsuchungen liegt in Nordrhein-Westfalen. Der Hauptverdächtige soll nach Informationen von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" aus Duisburg kommen und dort unter anderem einen Metallhandel führen. Er wurde verhaftet.

Durchsuchungen gibt es auch in Hessen, Berlin, Hamburg, Baden-Württemberg und in den Niederlanden. Ziel der Aktionen soll es auch sein, Geld zu beschlagnahmen. Es soll um eine Gesamtsumme von mehr als 200 Millionen Euro gehen.

NRW-Justizminister Peter Biesenbach nannte die Razzien einen "großen Erfolg, um illegale Geldströme zu kontrollieren".

NRW-Justizminister Biesenbach | Bildquelle: dpa
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Die Razzien fanden vor allem in Nordrhein-Westfalen statt. Landesjustizminister Biesenbach sprach von einem "großen Erfolg".

Betrieb eines eigenen Bankensystems in Deutschland illegal

Die Gruppe, gegen die sich diese Ermittlungen richten, soll ein besonders aufwändiges Hawala-System aufgebaut haben. Bei diesem System wird Geld bei einem Hawala-Banker in einem Land in bar eingezahlt. Dieser gibt seinem Partner in einem anderen Land Bescheid und die gleiche Summe wird dort an den Empfänger ausgezahlt. Die Transaktion wird nirgendwo elektronisch erfasst. Es ist ein System, das auch Kriminelle nutzen können, um Geld aus illegalen Geschäften zu bewegen.

Ob die Gelder, die zwischen der Türkei und Deutschland bewegt wurden, aus illegalen Quellen stammen, wird noch ermittelt. Genutzt wird Hawala-Banking auch für legales Geld, beispielsweise von Migranten, die kein Konto haben und ihren Angehörigen Geld in die Heimat schicken möchten.

Grundsätzlich ist aber der Betrieb eines eigenen Bankensystems in Deutschland illegal. Für solche Geschäfte ist eine Banklizenz erforderlich. Ermittelt wird deshalb wegen eines Verstoßes gegen das Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz, was mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden kann, aber auch wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung.

Hawala-Banking: Großrazzia gegen Geldschleuser
Arne Hell, WDR
19.11.2019 06:50 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 19. November 2019 B5 aktuell um 07:39 Uhr und die tagesschau um 09:00 Uhr.

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Georg Mascolo | Bildquelle: picture alliance / SvenSimon Logo NDR/WDR

Georg Mascolo, NDR/WDR

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