Radweg in Stuttgart | Bildquelle: dpa

Greenpeace-Studie Zu wenig Geld für sicheren Radverkehr

Stand: 28.08.2018 14:36 Uhr

Greenpeace hat geprüft, wie viel Geld deutsche Großstädte pro Kopf für Radverkehr ausgeben. Der Umweltverband kommt zu dem Ergebnis, dass die Bundesregierung mehr Geld bereitstellen müsse.

Die sechs größten deutschen Städte investieren aus Sicht des Umweltverbandes Greenpeace viel zu wenig Geld in einen sicheren Radverkehr. Demnach gibt keine dieser Städte mehr als fünf Euro pro Kopf und Jahr für den Radverkehr aus.

Im europäischen Ausland sieht das ganz anders aus: Städte wie Amsterdam und Kopenhagen investierten seit Jahrzehnten ein Vielfaches. Dort werde deutlich mehr Rad gefahren, gleichzeitig verunglückten Radfahrende etwa zehnmal seltener.

Das zeigt eine Untersuchung des Umweltverbandes. Greenpeace hat für die Untersuchung die öffentlichen Haushalte von Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt und Stuttgart unter die Lupe genommen.

Demnach gibt Stuttgart 5 Euro pro Kopf und Jahr für den Radverkehr aus, Berlin 4,70 Euro und Frankfurt 4,30 Euro. Danach kommen Hamburg mit 2,90 Euro, Köln mit 2,80 Euro und München mit 2,30 Euro. Zum Vergleich: In Amsterdam sind es laut Greenpeace 11 Euro, in Kopenhagen sogar 35,60 Euro.

Ausgaben pro Kopf für sicheren Radverkehr
StadtAusgaben
Stuttgart5,00 Euro
Berlin4,70 Euro
Frankfurt4,30 Euro
Hamburg2,90 Euro
Köln2,80 Euro
München2,30 Euro

382 Fahrradfahrer starben bei Verkehrsunfällen

Mit Pro-Kopf-Investitionen in der Größenordnung von 100 Euro könnten deutsche Städte ihren enormen Rückstand in der Radinfrastruktur aufholen, so Greenpeace.

Wie das Statistische Bundesamt im Juli mitgeteilt hatte, kamen in Deutschland im vergangenen Jahr 382 Fahrradfahrer bei Verkehrsunfällen ums Leben. Während die Zahl der Verkehrstoten insgesamt zwischen 2010 und 2017 um 13 Prozent sank, blieb die Zahl der tödlich verunglückten Radfahrer nahezu konstant.

Radfahrer nehmen an der ADFC-Fahrrad-Sternfahrt unter dem Motto "Mobilitätsgesetz verabschieden - für saubere Luft und ein fahrradfreundliches Berlin!» teil. Gestartet wurde in verschiedenen Teilen Berlins. | Bildquelle: dpa
galerie

Wenn es nach der Greenpeace-Verkehrsexpertin geht, müsste die Bundesregierung Geld bereitstellen, damit Menschen mit dem Rad sicher durch die Stadt kommen.

Besonders schwere Folgen haben Unfälle mit Lastwagen. "Die Bundesregierung muss Geld bereitstellen, damit Menschen mit dem Rad künftig sicher durch die Stadt kommen" sagte Greenpeace-Verkehrsexpertin Marion Tiemann. Die deutsche Verkehrspolitik sei finanziell und planerisch auf das Auto ausgerichtet, kritisiert Tiemann: "Deutlich wird das beispielsweise in Berlin: Dem Autoverkehr stehen fast 60 Prozent der Straßenflächen zur Verfügung, den Radfahrenden gerade einmal drei Prozent."

Bis zu 30 Prozent aller Autofahrten in Ballungsgebieten ließen sich auf das Fahrrad verlagern. Etwa die Hälfte der mit dem Auto zurückgelegten Wege sei kürzer als fünf Kilometer. Die Bedeutung des Rads im Verkehrsaufkommen steige kontinuierlich.

Über dieses Thema berichtete SWR Aktuell am 28. August 2018 um 07:27 Uhr.

Darstellung: