Ein Modell des F-18-Jets vor dem Reichtstagsgebäude. | Bildquelle: CLEMENS BILAN/EPA-EFE/Shuttersto

Greenpeace-Kalkulation US-Jets würden rund acht Milliarden Euro kosten

Stand: 29.07.2020 05:38 Uhr

Die geplante Beschaffung der Bundeswehr von 45 F-18 Kampfjets des amerikanischen Flugzeugbauers Boeing könnte einer Greenpeace-Kalkulation zufolge bis zu acht Milliarden Euro kosten. In Corona-Zeiten sei dies Verschwendung knapper Mittel.

Der vom Verteidigungsministerium angestrebte Kauf von 45 F-18-Kampfflugzeugen des US-Herstellers Boeing könnte einer Schätzung im Auftrag von Greenpeace zufolge etwa acht Milliarden Euro kosten. Das berichtete zuerst die "Süddeutsche Zeitung". Die Kalkulation kommt zu dem Ergebnis, dass für die Beschaffung Kosten von "im Minimum" zwischen 7,67 und 8,77 Milliarden Euro anfallen würden. Autoren sind der Direktor des Berliner Informationszentrums für transatlantische Sicherheit, Otfried Nassauer, und der ehemalige Offizier Ulrich Scholz.

Die Greenpeace-Kalkulation stützt sich auf Angaben des australischen Rechnungshofs zu einem Beschaffungsvorhaben von F-18-Flugzeugen in Australien. Das Verteidigungsministerium will die überalterte Tornado-Flotte der deutschen Luftwaffe mit bis zu 93 Eurofightern sowie 45 F-18-Kampflugzeugen ersetzen.

Beschlussvorlage erst 2022 oder 2023

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hatte dazu im April deutlich gemacht, dass eine entscheidungsreife Beschlussvorlage erst für die Jahre 2022 oder 2023 erwartet werden kann. Das US-Modell F-18 soll als schon marktverfügbare Lösung für den elektronischen Luftkampf sowie die "Nukleare Teilhabe" Deutschlands an US-Waffen beschafft werden.

Das nukleare Abschreckungskonzept der Nato sieht vor, dass Verbündete im Kriegsfall Zugriff auf Atomwaffen der USA haben. Bislang stehen für diese Aufgabe in Deutschland die Tornado-Jets bereit.

Greenpeace: Verschwendung in Corona-Zeiten

Alexander Lurz, Abrüstungsexperte bei Greenpeace, sagte der "Süddeutschen Zeitung", der geplante Kauf der Maschinen sei "nicht nur abrüstungspolitisch ein verheerendes Signal, sondern in Corona-Zeiten eine Verschwendung bald knapper finanzieller Mittel".

Das Thema hatte auch innerhalb der schwarz-roten Koalition schon für Diskussionen gesorgt. SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich hatte im Mai gefordert, dass Deutschland die Stationierung von US-Atombomben künftig ausschließen solle. Regierungssprecher Steffen Seibert hatte sich im Namen der Bundesregierung allerdings klar zum Prinzip der atomaren Abschreckung bekannt. Auch Außenminister Heiko Maas (SPD) lehnte den Vorstoß seiner Parteifreunde ab.

Darstellung: