Blüte vor Anlage zur Verwertung von Kraftwerksasche | Bildquelle: picture-alliance / dpa

Wirtschaft nach Corona Danone und Co. für grünen Wiederaufbau

Stand: 14.04.2020 13:27 Uhr

Wie soll die Wirtschaft nach der Corona-Pandemie aussehen? Grün. So lautet die Forderung einer ungewöhnlichen Initiative, bei der sich Politiker und Unternehmen wie Danone und E.ON zusammengetan haben.

Knapp 200 Politiker, Unternehmenschefs, Gewerkschaftsvertreter und Nichtregierungsorganisationen haben einen "grünen Aufschwung" nach der Corona-Krise gefordert. "Covid-19 wird den Klimawandel und die Zerstörung der Natur nicht verschwinden lassen", heißt es in dem Aufruf, der in Zeitungen in Frankreich, Belgien, Italien, Portugal, Spanien und der Slowakei erschien.

Der Kampf gegen den Klimawandel müsse der zentrale Punkt der künftigen Wirtschaftsstrategie der EU sein. "Der Umbau zu einer klimaneutralen Wirtschaft, der Schutz der Artenvielfalt und die Umgestaltung der Agrar- und Lebensmittelindustrie bieten die Möglichkeit zum schnellen Aufbau von Jobs und Wachstum - und können dazu beitragen, Gesellschaften widerstandsfähiger zu machen."

Aus den Schornsteinen eines Blockheizkraftwerkes steigt Qualm auf.
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Ein ungewöhnliches Bündnis von großen Wirtschjaftsunternehmen, NGOs und Politikern setzt sich für einen grünen Wirtschaftsaufschwung nach Corona ein.

Bündnis von Wirtschaft, NGOs und Politik

Initiiert hat das Schreiben der französische EU-Abgeordnete Pascal Canfin von der Partei von Präsident Emmanuel Macron. Es schlossen sich 78 vornehmlich sozialdemokratische, liberale und grüne EU-Parlamentarier und Regierungsmitglieder aus elf EU-Ländern an, darunter Bundesumweltministerin Svenja Schulze von der SPD. Auch zahlreiche Unternehmenschefs, etwa von Unilever, E.ON, L'Oreal, Danone, Coca Cola, H&M, Volvo, Microsoft, Renault und Ikea, sowie Gewerschaftsbünde und Nichtregierungsorganisationen gehören zu den Unterzeichnern des Aufrufs.

Sie verpflichten sich darin, dazu beizutragen "unsere Volkswirtschaften auf die Welt von morgen vorzubereiten". Der wirtschaftliche Aufschwung nach der Krise könne nur mit "massiven Investitionen" gelingen. Deshalb wollen die Unterzeichner "einen Beitrag zu den Investitionsentscheidungen leisten".

"Produktiver, umfassender und widerstandsfähiger"

Der Wiederaufbau der Wirtschaft biete die Möglichkeit, ein neues Wohlstandsmodell zu entwickeln, heißt es in der Erklärung. Dazu müsse es massive Investitionen in ein neues europäisches Wirtschaftsmodell geben. Dieses müsse produktiver, umfassender und widerstandsfähiger sein als das bisherige. Die Werkzeuge und viele der neuen Technologien dazu gebe es bereits.

Schließlich habe es in vielen Bereichen in den vergangenen zehn Jahren schon enorme Veränderungen gegeben. So seien Elektroautos damals allenfalls als Prototypen verfügbar gewesen, Windenergie sei dreimal und Solarenergie siebenmal so teuer gewesen wie heute. Der politische Wille zu solchen Veränderungen sei vorhanden.

Gerade erst hatte Ursula von der Leyen ihren "Green Deal" vorgestellt. Die neue Chefin der EU-Kommission will die Klimaneutralität der EU bis 2050 per Gesetz festschreiben lassen. Auch die Leopoldina hatte in ihrem umfassenden Gutachten dafür plädiert, die angekündigten Konjunkturmaßnahmen vor allem dem Ziel der Nachhaltigkeit unterzuordnen und sich "grundsätzlich an den Zielen des europäischen Green Deals" zu orientieren.

Widerstand gegen Babis und Co.

In den vergangenen Wochen waren Forderungen laut geworden, angesichts der Corona-Pandemie weitreichende Bemühungen für den Klimaschutz zurückzustellen. Der tschechische Regierungschef Andrej Babis etwa rief die EU-Kommission auf, ihre Klimaschutzstrategie "Green Deal" einzufrieren. Die Brüsseler Behörde lehnte dies aber ab.

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