Wallfahrtskirche in Klausen | Bildquelle: ARD aktuell

Gottesdienste wieder erlaubt "Großer Moment des inneren Jubels"

Stand: 02.05.2020 04:33 Uhr

Über Wochen galt für Gotteshäuser wegen der Corona-Krise ein Versammlungsverbot, jetzt sind wieder Gottesdienste möglich. Viele Kirchen haben sich in den vergangenen Tagen "corona-fit" gemacht.

Von Ute Spangenberger, SWR

Dominikaner-Pater Albert Seul kniet und malt mit weißer Kreide Abstandsmarkierungen zwischen die Sitzreihen. Klebebänder auf dem jahrhundertealten Sandsteinboden seiner Kirche möchte er nicht. Sein Mitarbeiterteam und er arbeiten auf Hochtouren, um die Wallfahrtskirche in Klausen in der Eifel "corona-fit" zu machen.

Am Sonntagabend soll hier wieder ein Gottesdienst mit Gläubigen stattfinden, zu dem auch der Trierer Bischof Stephan Ackermann kommen wird. Der Pater freut sich: "Das ist für mich ein großer Moment, auch des inneren Jubels, wenn die Kirche wieder offen ist und wir Gottesdienste feiern können, wenn auch unter Corona-Bedingungen."

Ortsschild Klausen und die Kirche des Ortes | Bildquelle: Ute Spangenberger
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Pater Albert Seul und sein Team haben die Wallfahrtskirche in Klausen "corona-fit" gemacht.

Aufbruchstimmung bei den Kirchen

Jetzt müssen in Windeseile Hygieneschutzkonzepte umgesetzt werden. Abstandsregelungen, Begrenzung der Teilnehmerzahl, Masken - es gibt viele Auflagen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Donnerstag angekündigt, dass wieder Gottesdienste möglich sein sollen. Die Entscheidung darüber liegt aber letztlich bei den Ländern. Die waren zum Teil in den vergangenen Tagen schon vorgeprescht. So sollen in Bayern ab dem 4. Mai wieder öffentliche Gottesdienste stattfinden können, in Hessen bereits seit dem 1. Mai.

Detaillierter Maßnahmenkatalog

Vor den Lockerungen stand ein langwieriger Abstimmungsprozess zwischen Bund und Ländern, dem Robert Koch-Institut und den Kirchen. Dazu teilt ein Sprecher des Bundesinnenministeriums auf tagesschau.de-Anfrage mit: "Die katholische und evangelische Kirche sowie einzelne Bistümer und Gliedkirchen, die Orthodoxe Bischofskonferenz Deutschland, der Zentralrat der Juden in Deutschland, der Koordinierungsrat der Muslime und weitere muslimische Verbände haben dem Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat umfangreiche und tragfähige Konzepte (insgesamt 16) für die infektionsschutzgemäße Durchführung von Gottesdiensten und religiösen Handlungen übersandt."

Entstanden ist ein Katalog an Maßnahmen, der nun von den Bundesländern umgesetzt wird, die für Maßnahmen nach dem Infektionsschutzgesetz zuständig sind.

Ortsschild Klausen und die Kirche des Ortes | Bildquelle: Ute Spangenberger
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Die Wallfahrtskirche in Klausen in der Eifel: Am Sonntagabend soll hier wieder ein Gottesdienst mit Gläubigen stattfinden.

"Auf Gemeindegesang soll verzichtet werden"

Das Thema "Singen im Gottesdienst" hatte in den vergangenen Tagen für Diskussionen gesorgt. Dazu heißt es in dem Papier, "auf Gemeindegesang soll verzichtet werden". Und weiter: "Lautes Sprechen und Singen sollte aufgrund der verstärkten Abscheidung von potenziell infektiösen Tröpfchen, die auch über größere Distanzen verbreitet werden können, vermieden werden."

Auf Nachfrage von tagesschau.de sagt die Deutsche Bischofskonferenz:

"Wir haben in unseren beim Bundesinnenministerium eingereichten Empfehlungen stets gesagt, dass leiser Gesang und leises Beten als möglich erachtet werden." Auf der Homepage der Bischofskonferenz wird folgendes empfohlen: "Wenn die Abstandsregeln eingehalten werden, besteht kein Grund, auf Gesang gänzlich zu verzichten. Auf lauten Gemeindegesang sollte jedoch verzichtet werden, weil Singen ein Risikoverhalten darstellt." 

Ein Sprecher der Evangelischen Kirche in Deutschland führt aus: "Gemeinsames Singen birgt nach Auskunft der Virologen vom RKI besonders hohe Infektionsrisiken. Deshalb haben wir empfohlen, darauf wie auch auf Blasinstrumente bis auf Weiteres zu verzichten."

Erleichterung bei den Glaubensgemeinschaften

Insgesamt begrüßen die Religionsgemeinschaften, dass wieder Gottesdienste stattfinden werden. Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, betont: "Trotz der notwendigen Beschränkungen ist es immens wichtig für uns, wieder gemeinsam in der Synagoge Gottesdienste abhalten zu können. Gerade in der jetzigen Situation brauchen die Menschen Halt und Trost durch ihre Religion." Online-Angebote werde es dennoch weiterhin geben, um auch jene Menschen zu erreichen, die durch die Corona-Pandemie nicht am Gottesdienst teilnehmen könnten, so Schuster.

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland, der 300 Moschee-Gemeinden und Vereine in Deutschland vertritt, ist zurückhaltend, was die Öffnung von Moscheen angeht. "Die Hygienevorgaben sind zu Recht sehr restriktiv", sagt der Vorsitzende Aiman Mazyek, "und wir sind gerade dabei, Konzepte für die Moscheen zu erarbeiten."

Mazyek: Gesundheitsschutz an oberster Stelle

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman A. Mazyek | Bildquelle: dpa
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Man denke darüber nach, die Moscheen zunächst für die Pflichtgebete am Mittag zu öffnen, so Mazyek.

Ob die vielen, zum Teil auch sehr kleinen Moschee-Gemeinden im Land die Vorgaben umsetzen könnten, hänge von verschiedenen Faktoren ab: von der Größe der Moschee, der Anzahl der Gläubigen und vom verfügbaren Personal. Gerade jetzt, während des Fastenmonats Ramadan, komme eine Öffnung der Moscheen zum traditionellen Abendgebet nicht in Frage. Das sei zwar für die Gläubigen traurig und frustrierend, aber: "Gesundheitsschutz steht für uns an oberster Stelle", sagt Mazyek.

Mit Blick auf die Hygienebestimmungen gebe es in den Moscheen zwei besonders sensible Bereiche: das Niederwerfen der Gläubigen auf den Boden während des Gebetes und die rituellen Waschungen. Diese sollen die Gläubigen zu Hause auszuführen. Außerdem müssen Gläubige ihren eigenen Gebetsteppich mit in die Moscheen bringen. Doch bis es soweit ist, kann es noch ein wenig dauern. "Worüber wir nachdenken, ist zunächst eine Öffnung der Pflichtgebete am Mittag", sagt Mazyek.

Unterschiedliche Umsetzung im Detail

Pater Seul aus der Eifel steht unterdessen an einer Plexiglasscheibe, in die bis Sonntag ein Loch geschnitten wird. Durch diese Öffnung sollen den Gläubigen mit einer Zange die Hostien gereicht werden. Im Bistum Trier wird der Empfang der Kommunion möglich sein, andere Bistümer in Deutschland erlauben das zunächst nicht. "Für mich ist das ein Freiheitsraum, der uns eröffnet wird und den wir verantwortungsvoll nutzen", sagt er.

Über dieses Thema berichteten am 01. Mai 2020 die tagesschau um 20:00 Uhr und die tagesthemen um 21:45 Uhr.

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