An der Tür einer Kirche hängt ein Schild mit der Aufschrift "Auf Grund der Corona-Pandemie sind alle Gottesdienste im Bistum bis auf weiteres abgesagt".  | Bildquelle: dpa

Klagen vor Ostern Keine Ausnahme für die Gläubigen

Stand: 07.04.2020 18:02 Uhr

Für Gottesdienste gilt dasselbe wie für Musikkonzerte: Sie sind in Zeiten von Corona untersagt. Vor den Ostertagen wächst zwar unter Gläubigen die Unruhe. Doch für die Verwaltungsgerichte ist die Sache bisher eindeutig.

In Berlin gilt das Versammlungsverbot auch weiterhin für Gottesdienste: Das Verwaltungsgericht hat den Eilantrag einer katholischen Gemeinde zurückgewiesen. Der "Freundeskreis St. Philipp Neri" wollte, dass trotz Corona-Krise öffentliche Gottesdienste mit bis zu 50 Teilnehmern abgehalten werden dürfen. Vorausgesetzt zwischen den Teilnehmern würden Mindestabstände von 1,50 Metern eingehalten und Listen mit Kontaktdaten geführt.

Das Gericht sah dies anders. Zwar erkannte es einen Eingriff in die Religionsfreiheit - doch dieser sei durch widerstreitende Grundrechte und Werte von Verfassungsrang gerechtfertigt. Das zeitlich begrenzte Verbot sei verhältnismäßig, denn Kirchenbesuche zur individuellen stillen Einkehr blieben erlaubt, ebenso private Andachten im Kreis der Haushaltsangehörigen. Und: Schließlich sei es möglich, Gottesdienstübertragungen in den Medien zu nutzen.

Sitzplätze im richtigen Abstand

Die Gemeinde hatte unter anderem damit argumentiert, dass die Gesundheit der Gläubigen in der Kirche - vor allem durch Markierung von Sitzplätzen im richtigen Abstand - effektiver zu gewährleisten sei als in Supermärkten. Zudem befürchteten sie psychologische Beeinträchtigungen für Gläubige.

Urteil auch in Hessen

Zuvor hatte bereits der Hessische Verwaltungsgerichtshof die vorübergehende Untersagung von Zusammenkünften für rechtmäßig befunden. Der VGH hatte den Eilantrag eines römisch-katholischen Christen abgelehnt.

Staatsrechtler sieht Verbot "problematisch"

Die katholischen Bistümer und evangelischen Landeskirchen haben bundesweit dazu aufgerufen, das Versammlungsverbot zu achten und öffentliche Gottesdienste vorerst abgesagt. Doch nicht alle sind damit einverstanden.

Staatsrechtler Horst Dreier kritisierte in der "Rheinischen Post" das Verbot als "sehr problematisch." Gerade in der Corona-Krise sehnten sich viele Menschen nach seelischer Erbauung und geistlichem Zuspruch, daher habe ihn das Verbot schockiert. Er frage sich, warum Gottesdienste nicht anders organisiert werden könnten. Dreier schlug vor, die Kapazitäten in den Kirchen zu begrenzen, Abstandsregeln einzuführen und mehrere Gottesdienste am Tag abzuhalten. "Online-Gottesdienste sind kein wirklicher Ersatz."

Der evangelische Theologen und Bestsellerautor Peter Hahne hatte sich am Montag in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" kritisch geäußert. Ohne Gottesdienste mit physischer Präsenz der Gläubigen sehe er den "Markenkern" von Kirche bedroht.

Über dieses Thema berichtete hr-Info am 07. April 2020 um 18:00 Uhr.

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