Schulschiff ''Gorch Fock'' | Bildquelle: picture alliance / Carsten Rehde

Marodes Segelschulschiff Zahlungsstopp für "Gorch Fock"-Sanierung

Stand: 20.12.2018 17:00 Uhr

Seit mehr als zwei Jahren wird das einst stolze Segelschulschiff "Gorch Fock" bereits saniert. Wegen explodierender Kosten und Korruptionsermittlungen zieht Verteidigungsministerin von der Leyen nun vorerst die Bremse.

Das Verteidigungsministerium hat wegen der erheblichen Probleme bei der Sanierung des Segelschulschiffs "Gorch Fock" einen vorläufigen Zahlungsstopp verhängt. Ein Sprecher des Ministeriums teilte mit, dass für die Restaurierung des Schiffes bislang 69,5 Mio Euro abgeflossen seien.

Noch keine Entscheidiung über Zukunft des Schiffs

Nach der Kostenexplosion bei der Sanierung und einem Korruptionsverdacht ist das Schicksal des 1958 gebauten Dreimasters ungewiss. Das Schiff wird seit 2016 überholt. Ursprünglich mit zehn Millionen Euro veranschlagt werden die Kosten mittlerweile auf 135 Millionen Euro beziffert. Außerdem wurden Ermittlungen gegen einen Mitarbeiter des Marinearsenals Wilhelmshaven eingeleitet, der Gelder von der Werft und einer an der Sanierung beteiligten Firmen erhalten haben soll.

Bisher gibt es keine Hinweise, dass Korruption und Kostensteigerungen in einem Zusammenhang stehen. Laut Ministerium habe die Werft von sich aus Aufklärungsbemühungen versprochen. Die Bundeswehr kooperiere eng mit der Staatsanwaltschaft. Alle bisherigen technischen Kostenprüfungen im Zusammenhang mit dem Projekt würden durchleuchtet. "Erst danach können Entscheidungen über die Zukunft der 'Gorch Fock' getroffen werden."

Renovierungsarbeiten an der Gorch Fock | Bildquelle: Bundeswehr
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Die Instandsetzung der "Gorch Fock" dauert länger und kostet mehr als ursprünglich geplant.

Linke: Neubau günstiger als Sanierung

Die Linke im Bundestag forderte eine schnelle und transparente Entscheidung über die "Gorch Fock". "Eine solch immense Kostenexplosion bei der Sanierung des Schiffes, wie sie in den letzten Jahren zu Lasten der Steuerzahler aufgelaufen ist, ist weder nachvollziehbar noch hinnehmbar", so Linken-Verteidigungspolitiker Alexander Neu.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen müsse schnellstmöglich eine Entscheidung treffen, die nicht noch weitere Millionen versenkt. "Schon zum jetzigen Zeitpunkt wäre ein kompletter Neubau des Schiffes günstiger als die weitere Sanierung", erklärte er. Auch der Korruptionsverdacht müsse "schnellstmöglich und vollumfänglich aufgeklärt werden".

Ein Treffen hinter verschlossenen Türen, werde "wohl kaum dazu beitragen, das ohnehin ramponierte Image der Verteidigungsministerin wieder aufzupolieren" oder das Vertrauen in das Bundesverteidigungsministerium zurückzugewinnen, erklärte Neu.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 20. Dezember 2018 um 17:15 Uhr.

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