Familie im Sonnenuntergang | Bildquelle: dpa

"Glücksatlas 2018" Nordlichter am glücklichsten

Stand: 11.10.2018 14:03 Uhr

Die Deutschen sind laut einer Studie der Deutschen Post weiterhin zufrieden. Das Lebensglück bleibe auf hohem Niveau. Schwerpunkt war in diesem Jahr die Zufriedenheit der Erwerbstätigen.

Die Menschen in Deutschland sind weiterhin zufrieden mit ihrem Leben - und das liegt auch an der guten Lage der Wirtschaft. Das besagt der "Glücksatlas 2018". Die Studie wurde von dem Sozialökonomen Bernd Raffelhüschen im Auftrag der Deutschen Post erstellt.

Die Bewertung der Lebenszufriedenheit erreichte auf einer Skala von 0 bis 10 für dieses Jahr 7,05 Punkte. Damit werde das gute Ergebnis des Vorjahrs (7,07) im Wesentlichen bestätigt, heißt es.

Starke Wirtschaft und gute Beschäftigung

"Die anhaltend starke Konjunktur und die gute Beschäftigungslage dürften für das konstant hohe Glücksniveau der Deutschen verantwortlich sein." Dabei verringerte sich der Abstand zwischen West- und Ostdeutschland erneut etwas (0,20 nach 0,22 Punkten). Auch der Unterschied zwischen der Region mit den zufriedensten und den weniger glücklichen Menschen blieb laut Auswertung mit "nur 0,6 Punkten" auf dem niedrigen Vorjahresniveau.

Schleswig-Holsteiner am zufriedensten

In Schleswig-Holstein sind die Menschen laut Atlas seit 2013 am zufriedensten. Sie bauten ihre Führung sogar auf 7,44 Punkte aus. Die Forscher begründen das mit der sehr ausgeprägten Zufriedenheit mit der Wohn- und Freizeitsituation in dem nördlichsten Bundesland. Hamburg kommt gleich danach mit 7,36 Punkten und vergrößerte den Vorsprung vor den unverändert zufriedenen Hessen mit 7,27 Punkten und Franken mit 7,26.

In Ostdeutschland prägte sich das positive Lebensgefühl in Thüringen (7,03 nach 6,97) und Mecklenburg-Vorpommern (6,96 nach 6,89) stärker aus, wobei alle dortigen Regionen in der unteren Tabellenhälfte blieben. Das Schlusslicht des Vorjahres, Sachsen-Anhalt, landet bei 6,88 Punkten und tauschte mit Brandenburg. Das Bundesland lag nun mit 6,84 am Ende der Tabelle.

Faktoren für ein glückliches Leben

Der Soziologe und Glücksforscher Jan Delhey von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg nennt Faktoren für ein glückliches, zufriedenes Leben. Er betont, dass vorübergehende Glücksmomente zwar erstrebenswert seien, es aber wie bei der Studie der Deutschen Post mehr um die Lebenszufriedenheit gehen müsse. Diese wirke "längerfristig" als "stark schwankende Glücksgefühle", sagte der Wissenschaftler der AFP.

Aus seiner Forschung zieht der Soziologe den Schluss, dass es für Lebenszufriedenheit drei Pfeiler gebe: das Haben, das Lieben und das Sein. So seien zum einen materielle Faktoren wie Einkommen, Vermögen und Lebensstandard wichtig, zum anderen aber auch Partnerschaften und Freundschaften sowie Unterstützungsnetzwerke. Auch die Frage, ob jemand in seinem Leben einen Sinn sehe, sei wichtig für die Lebenszufriedenheit. Als Glückskiller nennt Delhey "Arbeitslosigkeit und tiefere Armut".

Glückskiller: "Arbeitslosigkeit und Armut"

Es gibt ihm zufolge aber auch Glückshemmer, die jeder problemlos selbst beeinflussen könne. So machten zu wenig Schlaf und eine achtlose Ernährung ebenso unglücklich wie übertriebene Forderungen an sich selbst. "Sich unrealistische Ziele zu setzen, ist ein Weg ins Unglück", warnte Delhey. Auch ständige Vergleiche mit reicheren, durchweg erfolgreicheren Menschen seien kontraproduktiv. Bei realistischen Zielen könne "das Sich-Selber-Fordern aber auch positive Wirkung" haben, so der Magdeburger Glücksforscher.

Für den "Glücksatlas" hatten Meinungsforscher im Frühsommer bundesweit 5067 Menschen nach ihrer Lebenszufriedenheit befragt. Hinzugerechnet wurden Daten aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP), einer repräsentativen Befragung von über 12.000 Privathaushalten.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 11. Oktober 2018 um 13:00 Uhr.

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