Sonnenuntergang an der Ostsee | Bildquelle: dpa

"Glücksatlas 2020" Zufriedenheit sinkt in der Corona-Krise

Stand: 18.11.2020 13:05 Uhr

Einschränkungen, finanzielle Sorgen: In der Corona-Krise ist die Lebenszufriedenheit in Deutschland gesunken. Besonders Frauen waren laut "Glücksatlas 2020" vom Rückgang betroffen. Es gibt aber auch Lichtblicke in der Studie.

Die Corona-Krise beeinflusst einer Umfrage zufolge die Lebenszufriedenheit der Menschen in Deutschland. Auf einer Skala von null bis zehn bewerteten die Befragten ihre allgemeine Zufriedenheit in diesem Jahr im Schnitt mit 6,74 Punkten - nach dem bisherigen Höchststand von 7,14 Punkten 2019.

Das geht aus dem neuen "Glücksatlas" der Deutschen Post hervor. Die Zufriedenheit der Menschen in Westdeutschland sank demnach um 0,42 Punkte und somit stärker als in Ostdeutschland (minus 0,30). Frauen büßten laut der Studie mit minus 0,47 Punkten deutlich mehr an Zufriedenheit ein als Männer (minus 0,33 Punkte). Die 45- bis 59-Jährigen waren mit einem Minus von 0,48 Punkten am meisten vom Rückgang betroffen.

Geschlossene Schulen ein großes Problem

Die Zufriedenheit mit der Gesundheit veränderte sich demnach nur wenig. Auch bei der Zufriedenheit mit der Familie ergab sich im Vergleich zum Vorjahr kaum eine Veränderung, allerdings sind Familien mit drei und mehr Kindern besonders betroffen (minus 0,9 Punkte). Als Folge von Kurzarbeit und Homeoffice sagten 32,2 Prozent der Befragten, dass sich ihre Arbeitszufriedenheit in dieser Zeit eher verringerte.

Während des Herunterfahrens des öffentlichen Lebens im Frühjahr sei die Zufriedenheit "beträchtlich" zurückgegangen, sagte der Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen. Besonders stark habe sich dies bei Großfamilien und Familien mit älteren, zu Hause lebenden Kindern gezeigt. Die Schließung von Schulen und Kindergärten sei für diese Gruppen die "herbste Pille" gewesen.

Mit den Lockerungen der Corona-Maßnahmen habe sich zum Sommer hin auch die Lebenszufriedenheit wieder verbessert. Für den jetzigen "Lockdown light" und das bevorstehende Weihnachtsfest erwartet Raffelhüschen eine ähnliche Entwicklung: Derzeit sacke die Zufriedenheit vermutlich wieder etwas ab, sagte der Experte - sie werde jedoch auch wieder ansteigen. Wichtig seien "Mut und Zuversicht statt Panik und Hysterie".

Spitzenreiter bleiben Schleswig-Holstein und Hamburg

Auch in Corona-Zeiten bleibt der äußerste Norden 2020 die glücklichste Region. Schleswig-Holstein und Hamburg (beide 6,92 Punkte) teilen sich Platz eins vor Baden-Württemberg (6,88), das Schlusslicht bildet diesmal Thüringen (6,5). Der Abstand zwischen der Region mit den zufriedensten Bürgern und jener mit den unzufriedensten Bürgern hat sich demnach weiter verringert.

Der jetzige Wert ist demnach der niedrigste seit 2006. Der Rückgang sei jedoch moderat, sagte der Personalvorstand der Deutsche Post DHL Group, Thomas Ogilvie. Trotz der coronabedingten Einschnitte zeigten sich 45 Prozent der Befragten optimistisch, im kommenden Jahr wieder so zufrieden zu sein wie vor der Pandemie. 80 Prozent waren froh, während der Corona-Krise in einem Land wie Deutschland zu leben. Dazu tragen laut Ogilvie eine hohe politische und wirtschaftliche Stabilität sowie die soziale und gesundheitliche Absicherung bei, aber auch Faktoren wie Kreativität. Die Hälfte der Befragten beschrieb zudem den Eindruck, dass die Bevölkerung in der Krise zusammengerückt sei.

Zahlreiche Menschen genießen den Sommer auf der Münchner Hackerbrücke und schauen sich den Sonnenuntergang an. | Bildquelle: dpa
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Abstand, Vorsicht - und auch wirtschaftliche Einschränkungen prägen die Zufriedenheit der Befragten im diesjährigen "Glücksatlas".

Nachhaltiger Konsum wichtig für die Zufriedenheit

Sonderthema der diesjährigen Untersuchung war die nachhaltige Lebensführung. Zwei Drittel (65 Prozent) der Befragten bezeichneten den Klimawandel als langfristig gefährlicher als das Coronavirus. 70 Prozent äußerten die Hoffnung, dass die Pandemie ein "Treiber" für ein nachhaltigeres Wirtschaftssystem sein könnte. Nachhaltige Lebensführung wirke sich auch auf die Zufriedenheit aus, hieß es: 48 Prozent derjenigen, die konsequent umweltbewusst einkauften, hätten eine hohe Zufriedenheit - bei den "Sorglosen" seien es nur 29 Prozent.

Für die Studie im Auftrag der Deutschen Post, die zum zehnten Mal erhoben wurde, befragte das Institut für Demoskopie in Allensbach von März bis Juni - also während des ersten Corona-Lockdowns - knapp 4700 Bundesbürger ab 16 Jahren.

Über dieses Thema berichtete NDR 2 am 18. November 2020 um 11:00 Uhr.

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