Jugendliche Islamisten: Demonstration in Solingen (Archivbild)

Bericht "Islamismus im Netz" Weniger Gewalt, Botschaften subtiler

Stand: 02.04.2019 20:40 Uhr

Die Darstellung extremer islamistischer Gewalt im Internet wird weniger, zeigt ein Lagebericht des Familienministeriums. Doch die Experten warnen: Die Botschaften würden immer subtiler.

Von Sophie von der Tann, ARD-Hauptstadtstudio

Zunächst klingt es nach einer guten Nachricht: Es gibt in sozialen Netzwerken weniger drastische Gewaltdarstellungen wie Hinrichtungen. Das geht aus dem Lagebericht "Islamismus im Netz" hervor, den Familienministerin Franziska Giffey vorgestellt hat.

In dem Bericht steht aber auch: Islamisten nutzen jetzt subtilere Botschaften, um junge Menschen zu umwerben. Dabei sprächen sie gezielt Jugendliche an, die selbst diskriminiert und ausgegrenzt werden, so Giffey. Die Strategie sei dann: Identitätskonflikte nutzen, bei Themen wie einem Kopftuchverbot ansetzen und mit diesen Themen Feindbilder und Hasskommentare schüren.

Feindbilder und Hasskommentare

Stefan Glaser von jugendschutz.net hat den Bericht mit erarbeitet. Er stellt fest: Islamisten nutzen mittlerweile geschickt auch Plattformen wie Instagram für Propagandazwecke: "Das heißt, sie haben hier Bilder aus der Lebenswelt, aus dem Alltag gemischt mit dem Bild eines Kämpfers in der Kämpferpose oder Bilder aus dem Dschihad. Damit wird letztlich der bewaffnete Kampf ästhetisiert."

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey | Bildquelle: dpa
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Ministerin Giffey fordert mehr Medienkompetenz.

jugendschutz.net durchforstet das Netz jeden Tag auf islamistische Inhalte. Gut 19.000 waren es im vergangenen Jahr. Mittlerweile löschen Plattformen wie YouTube und Facebook fast alle gefährlichen Inhalte, wenn sie darauf hingewiesen werden.

Moderner Jugendschutz ist gefragt

Der Messengerdienst Telegram bildet eine Ausnahme - dort wurden nur etwa die Hälfte der gemeldeten Inhalte gelöscht. Familienministerin Giffey will das ändern: "Wir haben ein Jugendschutzgesetz, das stehen geblieben ist im Zeitalter von CD-ROM und Videokassette, wir wollen dieses Jugendschutzgesetz entwickeln zu einem modernen Jugendmedienschutzgesetz, was auch stärker die Anbieter solcher Sozialen Netzwerke in die Pflicht nimmt."

Zwei Mobilfunknutzer vor einer Wand mit Logos des russischen Messengerdienstes Telegram | Bildquelle: REUTERS
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Telegram löscht nur etwa die Hälfte der gemeldeten Inhalte.

Mehr Medienkompetenz soll helfen

Das heißt zum Beispiel: User sollen unkompliziert gefährliche Inhalte an die Betreiber von sozialen Netzwerken melden können. Außerdem fordert die Ministerin mehr Medienkompetenz.

Pädagogen, Eltern und Jugendliche sollen besser geschult werden, damit sie erkennen, wie islamistische Propaganda funktioniert, welche Sprache und welche Symbole Islamisten nutzen. Dafür gibt es die Broschüre "Salafismus Online" mit Unterrichtsmaterialen. Noch in diesem Jahr will die Familienministerin einen Vorschlag für ein neues Jugendmedienschutzgesetz vorlegen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 02. April 2019 um 17:51 Uhr.

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