Mädchen im Burkini | Bildquelle: dpa

Badebekleidung für Muslime Giffey für Burkinis im Schwimmunterricht

Stand: 25.06.2018 15:57 Uhr

Was tun, wenn muslimische Schülerinnen nur gänzlich bedeckt am Schwimmunterricht teilnehmen wollen? Bundesfamilienministerin Giffey von der SPD spricht sich für Burkinis aus. CDU und FDP sehen das anders.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey hat nichts dagegen einzuwenden, wenn Schulen im Schwimmunterricht Burkinis für muslimische Mädchen zulassen. "Das wichtigste ist ja das Wohl der Kinder, und das heißt nun mal, dass alle Schwimmen lernen", sagte sie am Sonntag auf einer Veranstaltung der "Zeit" in Hamburg. Burkinis sind Kleidungsstücke, die bis auf Gesicht, Hände und Füße alle Körperteile bedecken.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey sitzt auf einem Stuhl und redet. | Bildquelle: obs/DIE ZEIT/Phil Dera
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Giffey bezeichnete die Ausgabe von Burkinis als vertretbar.

Es sei völlig vertretbar, wenn Schulen die Teilnahme am Schwimmunterricht förderten, indem sie Burkinis und ausgeben, erklärte die SPD-Politikerin. Wichtig sei nur, dass der Bildungsauftrag im Vordergrund stehe und die Sache "nicht hochstilisiert wird zum Untergang des Abendlandes".

NRW-Gymnasium schaffte Burkinis an

Vor zwei Wochen war bekannt geworden, dass ein Gymnasium in Herne in Nordrhein-Westfalen Leih-Burkinis angeschafft hatte. Das war von der NRW-Landesregierung und der stellvertretenden CDU-Bundesvorsitzenden Julia Klöckner scharf kritisiert worden. Die Schule wollte nach eigenem Bekunden dafür sorgen, dass muslimische Schülerinnen keine Ausrede mehr haben, dem Schwimmunterricht fernzubleiben.

Klöckner: "Frauendiskriminierendes Rollenverständnis"

Klöckner hatte daraufhin erklärt, die Schule zementiere damit "ein frauendiskriminierendes Rollenverständnis an einem Ort, an dem Kinder und Jugendliche gerade das Gegenteil lernen und sich frei entfalten sollten". Hinter der Vorstellung, dass Mädchen ihren Körper bedecken sollten, stecke "ein voraufklärerisches, patriarchalisches Verständnis von der Rolle der Frau".

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer hatte gesagt, es gehöre nicht "zu den Grundaufgaben einer Schule", für muslimische Schülerinnen die den Körper weitgehend verhüllende Badebekleidung zu beschaffen. Es sei juristisch eindeutig geklärt, dass auch muslimische Schülerinnen der Verpflichtung zur Teilnahme am Schwimmunterricht nachkommen müssen, sagte die FDP-Politikerin.

"Vernünftiger und gangbarer Kompromiss"

Dagegen bezeichnete der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime Aiman Mazyek in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" den von der Schule beschrittenen Weg als "vernünftigen und gangbaren Kompromiss". Doch immer wenn solche Kompromisse gefunden würden, wie Menschen religiöse Gebote und Schulpflicht unter einen Hut bringen könnten, "heulen die Islamkritiker reflexartig wieder auf", beklagte er.

Mazyek sagte, er habe von den Kritikern noch nie ein Wort über die eigentlichen Probleme in Deutschland bezüglich des Schwimmunterrichts gehört und das seien: "Marode und geschlossene Schwimmhallen, fehlende Bademeister und eine Generation von Schülern, die nicht wie ich bis zur Oberstufe jedes Jahr Schwimmen hatte, sondern weitaus weniger und infolgedessen tatsächlich nicht richtig oder sogar gar nicht schwimmen kann. Das ist der eigentliche Skandal."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Juni 2018 um 22:00 Uhr in den Nachrichten.

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