Rohbau für Neubau-Wohnungen in Schöneberg (Archivbild: 07.11.2018) | dpa

Bauministerin Geywitz Mehr Geld für Sozialwohnungen

Stand: 17.02.2022 19:05 Uhr

Bauministerin Geywitz will mehr Geld für den sozialen Wohnungsbau zur Verfügung stellen. Gleichzeitig sollen die Sozialwohnungen klimagerecht sein. Wie das gelingen soll, skizzierte sie auf dem Wohnungsbautag.

Von Eva Huber, ARD-Hauptstadtstudio

Eine Milliarde Euro extra will der Bund dieses Jahr in den sozialen Wohnungsbau investieren. Das kündigte Bundesbauministerin Klara Geywitz an. Für den sozialen Wohnungsbau sind die Länder zuständig. Dafür bekommen sie für die Jahre 2020 bis 2024 bereits jedes Jahr eine Milliarde Euro vom Bund. Die Summe will die SPD-Politikerin dieses Jahr auf zwei Milliarden aufstocken.

Damit das auch gut fürs Klima ist, sollen mit dem zusätzlichen Geld Wohnungen mit dem hohen Energieeffizienzstandard 55 gefördert werden. Darüber will sie jetzt mit den Ländern sprechen.

Zwei Milliarden Euro seien natürlich viel Geld, sagt Geywitz: "Aber wenn wir 100.000 Sozialwohnungen in Deutschland jährlich bauen wollen, werden wir deutlich mehr als diese zwei Milliarden Euro brauchen."

Habeck: Bauwirtschaft verfehlt Klimaschutzziele

Beim Klimaschutz ist Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck mit den Bemühungen der Branche nicht zufrieden: "Die Bauwirtschaft ist nicht auf Zielkurs," kritisiert er. Es werde bei Gebäuden - zum Beispiel beim Heizen und Warmwasser - nicht genug Energie eingespart, um die Klimaziele zu erreichen. Um das anzupacken, hat sich die Bundesregierung viele verschiedene Maßnahmen in den Koalitionsvertrag geschrieben.

Größer Streitpunkt beim Wohnungsbautag sind die Pläne der Bundesregierung zur Energieeffizienz. Sie will die Energiesparstandards beim Bauen und Modernisieren deutlich hoch setzen - auf die Standards 40 und 70.

Kritik von Wohnungsbau-Bündnis

Das kritisiert das Wohnungsbau-Bündnis, zu dem neben Verbände aus der Immobilien- und Bauwirtschaft auch die IG Bau und der Mieterbund gehören. Sie wollen nur Standards im Mittelfeld (Effizienzhaus 70 und 115) und untermauern das mit einer Studie.

In der Praxis würden höhere Effizienzstandards nur selten viel Einsparung bringen, argumentiert Studienleiter Dietmar Walberg von der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen. Damit die mittelgut gedämmten Wohnungen trotzdem klimaneutral sind, sollen sie mit erneuerbaren Energien geheizt werden.

Habeck zeigt sich skeptisch bei diesem Plan. Deutschland habe einen "großen Hunger nach erneuerbaren Energien". Die ganze Industrie wolle Wasserstoff, die Autos sollen elektrisch fahren. "Insofern macht es natürlich Sinn, die Effizienz nach vorne zu stellen, also möglichst wenig Energie zu verbrauchen", sagt Habeck.

Erstes Papier zu klimafreundliche Bauen bis Ostern

Die Debatte um die Energiesparstandards wird wohl noch andauern. Bis 2023 will Habeck ein neues Gebäudeenergiegesetz vorlegen. Schon für Ostern kündigt der Wirtschaftsminister an, viele der Eckpunkte zum klimafreundlichen Bauen und Wohnen zu formulieren und in einem "Osterpaket" durchs Kabinett zu bringen.

Damit würde er dem Wunsch der Bau- und Immobilienwirtschaft nach Planungssicherheit entgegenkommen. Nach dem Chaos um den Wegfall der KfW-Förderung für das Effizienzhaus 55 sind viele Bauherren verunsichert.

Eigenheimbesitzer und Unternehmen müssten früh wissen, was auf sie zukommt, fordert Felix Pakleppa vom Zentralverband Deutsches Baugewerbe. Denn wenn jetzt nicht geplant werde, könnten im kommenden Jahr Lücken bei den Bauvorhaben entstehen.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 17. Februar 2022 um 22:15 Uhr.