Junges Mädchen als Opfer von häuslicher Gewalt | Bildquelle: picture alliance / Photoshot

BKA-Auswertung Mehr Frauen Opfer von Partnerschaftsgewalt

Stand: 25.11.2019 08:41 Uhr

Die Zahl der angezeigten Gewalttaten gegen Frauen durch ihren Partner oder Ex-Partner ist leicht angestiegen. Das zeigt eine BKA-Auswertung. Familienministerin Giffey nannte die Zahlen "alarmierend".

Im vergangenen Jahr sind in Deutschland 122 Frauen von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet worden. Insgesamt wurden mehr als 114.000 Frauen Opfer von häuslicher Gewalt, Bedrohungen oder Nötigungen durch ihre Ehemänner, Partner oder Ex-Partner. Das zeigt eine Auswertung des Bundeskriminalamts (BKA) zum Thema Partnerschaftsgewalt, die Bundesfamilienministerin Franziska Giffey heute in Berlin anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen vorlegen will. Die Nachrichtenagentur dpa hatte vorab aus Auszügen der Auswertung zitiert.

Im ARD-Morgenmagazin nannte Giffey die Zahlen "alarmierend". Man sehe insgesamt, dass die Bereitschaft entsprechende Fälle anzuzeigen, gestiegen sei. "Das führen wir darauf zurück, dass wir aktiv sensibilisieren. Auch unser Hilfetelefon 'Gewalt gegen Frauen' trägt dazu bei", sagte Giffey.

Insgesamt seien 140.755 Fälle von Partnerschaftsgewalt registriert worden. In 81 Prozent waren Frauen die Opfer. Giffey kündigte eine neue Initiative gegen Partnerschaftsgewalt an. So soll die Zahl der Frauenhäuser steigen. Bundesweit gibt es etwa 350 Frauenhäuser, also Zufluchtsorte für von häuslicher Gewalt betroffene Frauen. Giffey sprach sich dafür aus, zukünftig einen Rechtsanspruch auf einen Platz zu verankern. "Das wird Zukunftsthema sein", sagte die SPD-Politikerin. Im Moment gebe es aber nicht genügend Plätze. "Da müssen alle ran, damit wir einen Rechtsanspruch tatsächlich auch perspektivisch schaffen können."

"Stärker als Gewalt": Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen
tagesschau 20:00 Uhr, 25.11.2019, Ariane Reimers, ARD Berlin

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Der Trend der vergangenen Jahre setzt sich fort

Die häusliche Gewalt betrifft nicht nur Frauen: Rund 26.000 Männer wurden im vergangenen Jahr von ihren Partnerinnen oder Ex-Partnerinnen bedroht, genötigt oder angegriffen. Der Trend der vergangenen Jahre mit einem Anstieg der Fallzahlen in diesem Kriminalitätsfeld setzt sich damit fort.

Unklar bleibt allerdings, inwiefern es sich um einen tatsächlichen Anstieg der Fälle handelt oder wie sehr ein geändertes Anzeigeverhalten der Betroffenen möglicherweise eine Rolle spielt. Für die Auswertung wurden alle zur Anzeige gebrachten Fälle von versuchter und vollendeter Gewalt zwischen Partnern und Ex-Partnern berücksichtigt: Mord und Totschlag, Körperverletzungen, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, sexuelle Übergriffe, Bedrohung, Stalking, Nötigung, Freiheitsberaubung, Zuhälterei und Zwangsprostitution. Weil nur die angezeigten Taten gezählt werden können, wird von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen.

Nach früheren Angaben von Giffey sucht nur jedes fünfte Opfer überhaupt Hilfe. Das Bundesfamilienministerium weist auf sogenannte Dunkelfeldstudien hin, wonach jede dritte Frau in Deutschland mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt erlebe.

Sabine Stövesand, Professorin für Soziale Arbeit HAW Hamburg, zum Projekt Stadtteile ohne Partnergewalt
tagesschau24, 25.11.2019

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. November 2019 um 04:48 Uhr.

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