Fläschchen mit dem Impfstoff von BioNTech und Pfizer | dpa

Impfstoffverteilung Ministerium weist Ärzte-Kritik zurück

Stand: 14.04.2021 12:07 Uhr

Verbände der niedergelassenen Ärzte kritisieren, dass die Praxen deutlich weniger Impfstoff bekämen, als ihnen zugesichert worden wäre. Nach Ansicht des Gesundheitsministeriums ist das jedoch nicht der Fall.

Das Bundesgesundheitsministerium hat Kritik der Kassenärzte an der Verteilung von Corona-Impfstoffen zurückgewiesen. "Anders als von manchen behauptet, werden die Impfstoff-Lieferungen an die Arztpraxen nicht halbiert", teilte ein Sprecher mit. Die Impfstoffmenge steigere sich vielmehr stetig. "Außerdem war immer klar, dass nach zwei Wochen die Praxen Impfstoffe unterschiedlicher Hersteller bekommen."

Einer Übersicht des Ministeriums zufolge gehen in der laufenden Woche rund eine Million BioNTech-Dosen an die Arztpraxen. In der kommenden Woche sollen es rund 462.000 Dosen BioNTech und gut 554.000 Dosen AstraZeneca sein. In der letzten Aprilwoche dann 1,16 Million Dosen BioNTech und 343.000 Dosen AstraZeneca. Daten für Mai liegen bisher öffentlich nicht vor.

Ärzte warnen vor Stocken der Impfkampagne

Die niedergelassenen Ärzte hatten zuvor vor einem massiven Stocken der Corona-Impfkampagne in Deutschland gewarnt. "Den Praxen werden in den kommenden Wochen viel weniger BioNTech-Dosen zugewiesen als versprochen, weil der Impfstoff offensichtlich vorrangig an die Impfzentren geht", sagte Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Zwar erhalten die Arztpraxen laut Gassen als Ausgleich mehr Dosen des AstraZeneca-Impfstoffs. "Aber das wird so nicht aufgehen", warnte der Kassenärzte-Chef. "Wenn die Impfzentren komplett den vergleichsweise unproblematischen Impfstoff erhalten, die Praxen aber den umstrittenen, der zumal den unter 60-Jährigen nicht gespritzt werden darf, wird die Impfkampagne massiv ins Stocken geraten. Das darf nicht passieren."

KV: Reservedosen aufbrauchen

Auch die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) forderten eine stärkere Einbindung von Hausarztpraxen in die Impfaktion. In den Impfzentren sammelten sich bereits mehr als 3,5 Millionen unverimpfte Dosen. Das liegt allerdings daran, dass dort auch Vorräte für Zweitimpfungen vorgehalten werden. Dennoch kritisierte der Vorsitzende des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI), Dominik von Stillfried: "Das bremst den Impffortschritt." Um schnell mehr Menschen impfen zu können, sei es sinnvoll, zunächst nur noch die Arztpraxen mit Impfstoffen zu versorgen und die Impfzentren erst dann, wenn dort die Lagerbestände unverimpfter Dosen aufgebraucht seien. 

Rund 55.000 Arztpraxen könnten laut Stillfried derzeit in Deutschland gegen Corona impfen und gemeinsam etwa eine Million Dosen am Tag verabreichen. "Wenn die Impfzentren weiterhin nicht alle ihnen zugeteilten 2,25 Millionen Dosen pro Woche verimpfen, sollten sie zugunsten des Impfens in Praxen aufgelöst werden", fordert der ZI-Chef.

"Impfzentren sind genauso schnell"

Der Vorstoß stößt jedoch dem Bericht zufolge in vielen Bundesländern auf Widerspruch. Die Senatsverwaltung für Gesundheit in Bremen teilte demnach mit, dass die Impfzentren "in Umfang und Geschwindigkeit" den Hausärzten nicht unterlegen seien. Auch Hessen, Rheinland-Pfalz, Thüringen, Schleswig-Holstein, Sachsen und das Land Berlin hielten auf Anfrage der Zeitung daran fest, die Bevölkerung sowohl in Impfzentren als auch in Arztpraxen zu immunisieren. 

Auch das Gesundheitsministerium in Baden-Württemberg erteilte einer baldigen Schließung von Impfzentren eine Absage, deutete aber eine mögliche Anpassung in Zukunft an. "Mittelfristig sollen die Impfungen tatsächlich komplett in den niedergelassenen Praxen durchgeführt werden, denn da gehören sie sinnvollerweise hin", sagt eine Sprecherin. Zunächst würden aber die Kapazitäten von Praxen und Impfzentren gebracht. 

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. April 2021 um 12:00 Uhr.