Frau mit Mundschutz am Flughafen Frankfurt | Bildquelle: dpa

Beratungen der Gesundheitsminister Pflicht-Tests für Reiserückkehrer?

Stand: 24.07.2020 12:41 Uhr

Die Gesundheitsminister wollen heute ein Gesamtpaket für Rückkehrer aus Risikogebieten schnüren. Ärzte und Verbände sind für Tests direkt am Flughafen. Uneinigkeit herrscht aber darüber, ob die Tests Pflicht sein sollen - und wer bezahlt.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, hat die Pläne der Gesundheitsminister begrüßt, Corona-Tests für Reiserückkehrer aus Risikogebieten einzuführen. "Alle Maßnahmen, die geeignet sind, einen Shutdown zu verhindern, halte ich für richtig und vernünftig", sagte er tageschau24. "Ich hoffe, dass wir eine Lösung haben, die einfach ist, die pragmatisch ist, die überall gleich angewandt wird", sagte er mit Blick auf den für heute erwarteten Beschluss der Gesundheitsminister.

Reinhardt sprach sich zudem dafür aus, dass Urlauber die Kosten für den Test nicht selbst tragen müssen. Wenn das Infektionsschutzgesetz die Menschen dazu verpflichte, einen Test durchzuführen, solle dieser von der Allgemeinheit bezahlt werden, sagte er.

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern haben sich grundsätzlich darauf verständigt, dass Reisende aus Risikogebieten im Ausland künftig unmittelbar nach ihrer Rückkehr in Deutschland auf das Coronavirus getestet werden sollen. Dazu sollen an Flughäfen Teststellen eingerichtet werden. Heute wollen die Minister weitere Details besprechen und ein Gesamtpaket beschließen.

Diskussionen über den Umgang mit Reiserückkehrern aus Risikogebieten
tagesschau 14:00 Uhr, 24.07.2020, Anke Hahn, RBB

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"Marburger Bund": Kontakte im Flugzeug abfragen

Die Bundesvorsitzende des Ärzteverbandes "Marburger Bund", Susanne Johna, schlug zudem vor, dass Rückkehrer aus Risikogebieten noch im Flugzeug nach ihren Kontakten befragt werden. So könne man einen Zettel an alle Mitreisenden verteilen und bitten, ihn auszufüllen, sagte sie in einem Interview mit dem SWR. Anhand der erhobenen Informationen könnten dann an den Abstrichzentren mögliche Risiken ausgemacht werden.

Die Corona-Tests seien eine Momentaufnahme, betonte Johna. Denn die Inkubationszeit sei länger, Ansteckungen direkt vor der Anreise würden bei so einem Test nicht angezeigt. Wenn man hunderprozentig sicher sein wollte, müssten etwa Rückkehrer nach drei oder vier Tagen in Quarantäne einen erneuten Test machen. "Aber uns muss auch klar sein, dass es eine hundertprozentige Sicherheit gar nicht geben kann", sagte sie.

Virologe begrüßt Tests auch für Nachbarländer

Verpflichtende Tests sind nach Ansicht des Virologen Alexander Kekulé auch dann sinnvoll, wenn ein Nachbarland von Deutschland zum Risikogebiet erklärt werden sollte. Wenn ein Nachbarland als echtes Risikogebiet ausgewiesen werde - Stichwort Luxemburg - dann sei das genauso gefährlich wie Ägypten, sagte er dem BR. Auch die Behörden im Urlaubsland müssten verstärkt kontrollieren. Außerdem müsse an die Touristen appelliert werden, sich am Urlaubsort verantwortungsvoll zu verhalten.

Verbraucherschützer gegen verpflichtende Tests

Kritik an den Plänen der Gesundheitsminister kommt von Verbraucherschützern. "Wir halten es für sinnvoll, dass sich alle Reiserückkehrer auf das Coronavirus testen lassen können, wenn sie dies wollen", sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller, der "Rheinischen Post". Die Tests sollten jedoch freiwillig sein.

Er setze auf das "Eigeninteresse der Urlauber, die wissen, ob sie sich an riskanten Orten aufgehalten haben, sei es am Ballermann auf Mallorca, auf einer Partymeile in Berlin oder auch auf einer großen Familienfeier in geschlossenen Räumen", sagte Müller. Wie Bayern sollten auch alle anderen Bundesländer Urlaubsrückkehrern kostenlose Corona-Tests anbieten. Für die flächendeckenden Tests sei genug Geld da, auch genügend Testkapazitäten seien vorhanden. 

Kommunen fordern Tests auch an Bahnhöfen und Häfen

Auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund sprach sich für freiwillige und kostenlose Tests aus. "Das Ganze geht aus meiner Sicht nur freiwillig", sagte Geschäftsführer Gerd Landsberg im NDR. Man müsse die Leute überzeugen. Es solle nicht nur an den Flughäfen, sondern auch an Bahnhöfen und Seehäfen getestet werden. "Wir müssen eben die Testkapazitäten deutlich ausbauen, überall dort, wo die Reisenden zurückkehren."

Landsberg spricht sich vor allem für schnelle Tests aus. "Da stellt sich ja keiner drei Stunden an", sagte er. Auch solle es innerhalb von 24 Stunden ein Testergebnis geben. Die Kosten für die Tests sollen laut Landsberg die Krankenkassen und die Länder tragen. "Aber dieses Geld ist gut angelegt", sagte er. Man müsse bedenken, was es dieses Land kosten würde, wenn es einen flächendeckenden Lockdown gebe.

Eine Schutzmaske hängt am Griff eines Koffers. | Bildquelle: dpa
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Der Deutsche Städte- und Gemeindebund fordert, dass nicht nur am Flughafen getestet wird.

Uneinigkeit bei der Kostenfrage

Widerspruch kommt von Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery. Er hält Corona-Tests für Reiserückkehrer aus Risikogebieten für sinnvoll - eine Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen lehnt er jedoch ab. "Wer sich einen Urlaub im Risikogebiet leistet, muss auch den Corona-Test selbst bezahlen", sagte Montgomery der "Passauer Neuen Presse".

Auch die FDP fordert, dass Reiserückkehrer aus Risikoländern ihre Corona-Tests selbst bezahlen. "Wenn Urlauber in Länder fahren, von denen vorher bekannt ist, dass es sich um Risikogebiete handelt, dann liegt das Risiko bei den Urlaubern", sagte der FDP-Gesundheitspolitiker Andrew Ullmann der "Saarbrücker Zeitung". Die Kosten dürften nicht von den Krankenkassen und folglich den Beitragszahlern beglichen werden. "Zumal es bei Fluggästen zwecks Urlaubs in aller Regel nicht um Sozialfälle geht", so Ullmann.

Gesundheitsminister beraten weiter über Tests von Urlaubern bei Einreise
Angela Tesch, MDR
24.07.2020 13:14 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. Juli 2020 um 11:00 Uhr.

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